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Der Norden Für immer Campingplatz, aber mit Fußbodenheizung
Nachrichten Der Norden Für immer Campingplatz, aber mit Fußbodenheizung
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08:45 24.02.2017
Wohnen auf 49 Quadratmetern in einem einfachen Haus auf dem Campingplatz: Uwe Schaumann (re.) und seine Frau Gilda (li.). Nora und Philipp Köhnken betreiben die Anlage. Fotos: George (2) Quelle: Carolin George
Stove

Wenn ihr jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, dass sie einmal auf einen Campingplatz ziehen würde, hätte Gilda Schaumann diese Person milde angelächelt. Heute lebt die pensionierte Lehrerin genau dort: nahe Wohnwagen und Zelten. Sie und ihr Mann haben sich für einen Lebensentwurf entschieden, der in Stove (Kreis Harburg) an der Elbe zu einem echten Trend geworden ist. 250 Holzhäuser stehen hier, dauerhaft bewohnt von Menschen im oder kurz vor dem Ruhestand.

Alle haben dieselbe Adresse

Hinterm Deich fließt grau und ruhig die Elbe, 30 Kilometer nordöstlich liegt Hamburg. Der Fünf-Sterne-Platz in Stove am niedersächsischen Flussufer profitiert vom Trend zum Camping - doch was auf dem Gelände noch passiert, das geht über Camping weit hinaus.

Wie eine dänische Ferienhaussiedlung wirkt der Platz. Bunt lackierte Holzhäuschen mit Minigärten säumen den Sandweg zwischen Elbdeich und Dorf. An der Einfahrt zum Platz steht eine große Briefkastenanlage mit Hunderten Schlitzen. Sie gehören den Dauerbewohnern des Platzes. Alle haben dieselbe Adresse: Stover Strand 10.

Einer der Briefkästen gehört Gilda Schaumann und ihrem Mann Uwe. Der Betriebswirtschaftler, 52, ist mit seiner zweiten Frau aus Nordrhein-Westfalen in den Norden gezogen: für eine Professur an der Hamburger Berufsakademie. Ihr 180-Quadratmeter-Haus mit dem 1000-Quadratmeter-Garten haben sie verkauft. Uwe, Gilda und Hund Lukas leben jetzt auf 49 Quadratmetern mit Minigarten - für den gebundenen Brockhaus ist im Flur trotzdem noch Platz.

„Das hier ist mein Büro“, sagt der Professor und öffnet eine Tür in ein Kabuff, zweieinhalb Quadratmeter klein und gefüllt mit dem Schrank für die Gastherme, einem Regal und einem Schreibtisch mit Computer. „Mehr brauche ich nicht.“ Nebenan, im Bad, finden Wanne, Dusche, Waschmaschine und Trockner Platz, ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer mit Küchenzeile hat das Häuschen freilich auch, perfekt geplant am Computer.

Fünf-Sterne-Komfort

Schon beim Einzug haben die Schaumanns gemerkt, was sie an ihrer neuen Nachbarschaft schätzen: Kaum war der Laster mit den Umzugskisten angekommen, da meldete sich schon der erste Nachbar und bot seine Hilfe beim Ausräumen an. Ruhe und Natur anstelle von Stress in der Stadt, das hat das Paar gesucht - und auf dem Campingplatz an der Elbe gefunden.

Nora Köhnken ist 27 Jahre jung und bildet die dritte Generation des Familienbetriebs, gemeinsam mit Ehemann Philipp und ihren Eltern will sie den Platz in die Zukunft führen. Zu dieser Zukunft gehören neben Wohnmobilen, Zelten und Anhängern die kleinen Holzhäuser. „Diese Form des Lebens und Wohnens wird immer mehr nachgefragt werden“, ist die Geschäftsführerin überzeugt. „Gerade für ältere Menschen. Es geht um Sicherheit, um Gemeinschaft und um Komfort.“

Denn all das hat ein Leben auf einem Fünf-Sterne-Campingplatz. Ob 200-Megabit-Internet, Supermarkt, Post, Restaurant, Kinderspielplatz, Shuttle-Service ins Dorf, Gartenpflege bei längeren Urlauben, Apothekenlieferdienst oder Veranstaltungen vom Ostereiersuchen übers Fußballgucken bis zum Sommerfest: Wer hier wohnt, ist auch Nutznießer der touristischen Infrastruktur.

Alles ist seniorengerecht

Die genießen auch Helena Hustedt-Mannigel, 65, Lehrerin, und ihr Mann Rolf, 70. Sie haben einen Kamin und Fußbodenheizung, die Türen sind extra breit, die Dusche ist ebenerdig - alles bereits seniorengerecht. „Das hier soll unser letztes Haus sein“, sagt die fröhliche Frau und wirkt zufrieden. Ihr früheres Haus hatte drei Etagen und 1200 Quadratmeter Grundstück. „Was sollen wir damit? Hier ist es viel schöner. Wir leben in einer hilfsbereiten Nachbarschaft. Alle kümmern sich um alle.“

Von Carolin George

Dauerwohnen landete vor Gericht

Fast 500 touristische Plätze, 380 für Dauercamper und 250 fest bewohnte Häuser fasst das Gelände in Stove hinterm Elbdeich. Maximal 65 Quadratmeter darf eines der Häuser auf dem Campingplatz groß sein, mindestens 200 Quadratmeter muss die Parzelle wegen des Brandschutzes messen. Etwa ein Dutzend dieser Holzhäuser ist noch frei. Einfach ausgestattet sind die Bausätze bereits für 100.000 Euro zu haben. Die Kosten für einen Grundstückskauf fallen weg, eine Pacht wird fällig: 5,54   Euro pro Quadratmeter im Jahr.
Weil eine Anwohnerin mehr Verkehr befürchtete, hat sie gegen die Siedlung geklagt. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg gab ihr in einer Entscheidung im Januar recht und kassierte die nachträgliche Änderung des Bebauungsplans. Die Mischung von Ferienhäusern und Gebäuden zum dauerhaften Wohnen sei nicht zulässig. Eine Konsequenz für die Bewohner hat das nicht: Die Häuser besitzen Baugenehmigungen und haben Bestandschutz.

cg

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