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In Lüneburg tut sich die Erde auf

Das Lüneburger Loch-Problem In Lüneburg tut sich die Erde auf

Krater im Garten und Absenkungen von bis zu 33 Zentimetern – Lüneburg hat ein Loch-Problem. Die mittelalterlichen Salzstöcke, auf denen die Stadt in Teilen steht, machen Lüneburg Probleme. Ein 1,8 Quadratkilometer großes Gebiet sinkt immer weiter ab. Anwohner fordern die Politik zum Handeln auf.

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Am 8. Juni hat es in Lüneburg am Ochtmisser Kirchsteig einen Erdfall gegeben. Fast drei Meter tief war das Loch, wurde mit 11 Kubikmetern Sand verfüllt.

Quelle: Hansestadt Lüneburg

Lüneburg. Der Ochtmisser Kirchsteig ist seit Jahren ein Sorgenkind der Stadt. Hauseigentümer klagen über Schäden, der Asphalt platzt auf, Gehwegplatten kippen, es gibt Höhensprünge und Deformationen. Grund dafür ist der Untergrund: Die Straße zählt zum insgesamt 1,8 Quadratkilometer großen Senkungsgebiet.

Mehr als eine Stunde lang hörte er zu, was der Oberbürgermeister, der Geologe, der Verkehrsdezernent und der Polizist da vorn sagten. Dann platzte dem Mann mit dem karierten Hemd der Kragen. Zehn regionale Speditionen habe er in den vergangenen Wochen angerufen und gefragt, ob die Fahrer einen Führerschein besitzen, rief er. „Bei uns im Haus kracht und scheppert es, wenn schwere Wagen die Straße entlangfahren.“ Der Mann wohnt im Lüneburger Senkungsgebiet. Seit Jahren senkt sich der Boden unter seinem Haus. Anfang Juni hatte er sogar einen Krater im Garten. Die Lkws machen - so seine Argumentation - die Lage nur schlimmer.

Das jüngste Geschehen im Untergrund von Lüneburg beschäftigt die Anwohner. Bei einer Bürgerversammlung wollte die Stadtverwaltung die betroffenen Menschen informieren - auch darüber, was das Rathaus als Reaktion darauf plant.

Der Ochtmisser Kirchsteig ist seit Jahren ein Sorgenkind der Stadt. Hauseigentümer klagen über Schäden, der Asphalt platzt auf, Gehwegplatten kippen, es gibt Höhensprünge und Deformationen. Grund dafür ist der Untergrund: Die Straße zählt zum insgesamt 1,8 Quadratkilometer großen Senkungsgebiet. Das liegt nicht auf soliden Tonschichten, sondern auf einem Salzstock. Immer wieder entstehen Hohlräume, und wenn Grundwasser Salz unterhalb der Schwächezone herauslöst, sacken Gesteine und Gips hinterher.

Insgesamt 1,70 Meter tiefer als im Jahr 2004 liegt die Straße heute, mehr als 10.000 Kubikmeter Boden sind inzwischen verloren gegangen. Das kennen die Menschen - doch in diesem Jahr nimmt die Bodensenkung offenbar neue Dimensionen an. Zwischen zehn und 14 Zentimeter betrugen die Senkungen seit 2007 am Ochtmisser Kirchsteig. In diesem Jahr sind es an einigen Messpunkten zwischen 22 und 25 Zentimeter, im Extremfall sogar 33 Zentimeter. An der Erdoberfläche reißen Mauersteine und Asphaltdecken, schließen Türen nicht mehr ordentlich - oder es klafft eben ein Krater im Boden wie zuletzt Anfang Juni. Zwei Meter breit und fast drei Meter tief war das Loch im Garten des Anwohners. Bei der Anwohnerversammlung zeigte der von der Stadt mit der Beobachtung der Bodensenkung beauftragte Geologe Thorsten Trapp eine Karte mit roten Klecksen - jeder ein Erdfall wie dieses Loch, aufgezeichnet seit 1885. Es sind mehr als 30.

„Ein neuer Erdfall ist wahrscheinlich“

„Ein neuer Erdfall ist wahrscheinlich“, sagte Trapp und musste direkt hinterherschieben: „Er ist aber kaum vorhersehbar.“ Die Gefahr von Deformationen an Straßen, Häusern, Leitungen und Kanälen sei hoch. Der Geologe empfiehlt, mit einem Georadar Hohlräume im oberflächennahen Boden zu untersuchen und sogenannte Geogitter in Gärten zu legen, die mit dem Rasen verwachsen. „Das ist nicht unbedingt hilfreich, das weiß ich. Aber es gibt keinen, der sagen kann, wo im Untergrund die Lösungen stattfinden und wohin sich die Senkungsbereiche entwickeln werden“, sagt der Wissenschaftler und weiß selbst, dass er die Anwohner damit wohl nicht beruhigen kann.

Eine Gärtnerei in der Nachbarstraße bekommt die Senkungen gerade zu spüren: Die Scheiben eines Gewächshauses sind zerborsten. Der Bau ist gesperrt und muss abgerissen werden. Eine Nachbarin äußerte ihre Sorge um Leitungen im Boden: „Wie kann ich wissen, ob Rohre und Kabel sicher sind?“

Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) kündigte zwar an, die Verkehrsbelastung im betroffenen Bereich zu reduzieren. Aber auch er musste am Ende des Abends zerknirscht zugeben: „Im Moment haben wir keine andere Idee. Auch ich bin heute frustriert.“

Nach den Sommerferien wolle er wiederkommen, um mit den Anwohnern gemeinsam die Straße zu begutachten. Vielleicht hat bis dahin irgendjemand eine andere Idee, um den Nachbarn ihre Sorgen zu nehmen. Der Mann mit dem karierten Hemd hat schon eine: Noch mehr Verkehrsinseln, damit endlich weniger schwere Wagen die Straße benutzen.

von Carolin George

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