Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden So konnte der Osnabrücker Bär aus dem Gehege fliehen
Nachrichten Der Norden So konnte der Osnabrücker Bär aus dem Gehege fliehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:56 13.03.2017
Erst überwand eine Bärin im Osnabrücker Zoo einen Elektrozaun, zwängte sich dann durch eine Schleuse und durchbrach schließlich den Außenzaun eines Geheges. Am Ende musste das Tier getötet werden Quelle: dpa
Osnabrück

Ein Zoo steht unter Schock: Sichtlich bewegt, teils mit den Tränen kämpfend, versucht zwei Tage nach den tödlichen Schüssen auf Mischlingsbärin Tips der Direktor des Zoos Osnabrück, Michael Böer, zu erklären, was am Samstag in dem Tierpark geschehen ist. Zehn Minuten nach dem Ausbruch des Tiers war die 2004 zur Welt gekommene Bärin erschossen worden. Bekannt sind nur Indizien: Das wegen seines cremefarbenen Fells auch "Cappuccino-Bär" genannte Tier überwand bereits innerhalb eines gemeinsam mit Blaufüchsen genutzten Freigeheges zwei Hindernisse, bis es den Außenzaun durchbrach. "Der Bär hat das Gitterelement herausbekommen - wie er das geschafft hat, wissen wir nicht", sagte Böer.

Ein Bär ist aus dem Osnabrücker Zoo ausgebrochen und daraufhin erschossen worden.

Zusammen mit der Polizei und externen Gutachtern will der Zoo nun Ursachenforschung betreiben. Es habe kein Weg an dem Abschuss des Tieres vorbeigeführt, sagte Böer auf kritische Nachfragen, ob das Tier nicht auch betäubt oder zumindest kampfunfähig geschossen hätte werden können. Die Bärin sei im Begriff gewesen, zwei Mitarbeiter des Zoos anzugreifen. Außerdem hätten sich in etwa 50 Metern Entfernung Zoobesucher befunden. Ein angeschossener Bär im Zoo sei lebensgefährlich.

Die Bärin hätte in binnen kürzester Zeit bis zu 70 Meter zurücklegen können, sagte Böer. Es hätte bis zu 15 Minuten gedauert, bis die Betäubung zu wirken begonnen hätte. "Oberstes Gebot ist die Herstellung von Sicherheit und Ordnung. Wir mussten im Interesse unserer Zoobesucher handeln", rechtfertigte Böer die Tötung des Tieres.

Der Elektrozaun trennt innerhalb des gemeinsamen Geheges einen Ruhebereich für die Füchse ab. Irgendetwas hinter der Barriere müsse die Bärin gereizt und erregt haben, vermutete Böer - vielleicht eine Maus oder ein Fuchs. Jedenfalls durchbrach das Tier den 90 Zentimeter hohen Zaun, ohne sich an dem Elektroschock zu stören. Das Objekt, was sie in Aufregung versetzt habe, fand das Tier nicht, kehrte aber wegen des Elektrozauns auch nicht mehr in seinen angestammten Bereich zurück.

"Das hat uns sehr getroffen"

Die vom jüngst beendeten Winterschlaf noch recht schlanke Bärin tat etwas, womit keiner im Zoo gerechnet habe, sagte Böer: Sie zwängte sich durch eine 30 mal 45 Zentimeter großen Schieber, der den Füchsen vorbehalten war. In dem anschließenden Bereich des Geheges durchbrach sie schließlich den Zaun, der eigentlich auch bärensicher hätte sein sollen. Tips habe offensichtlich einen Weg zurück in ihre vertraute Umgebung gesucht, vermutet Böer. Bis geklärt ist, warum der Außenzaun versagte, muss Tips' Bruder Taps, der zweite "Cappuccino-Bär" des Osnabrücker Zoos, drinnen bleiben und darf nicht ins Freigehege. Die Schieber sollen nun auf jeden Fall verkleinert werden. Nach dem Unglück werde der Zoo nicht zur Tagesordnung übergehen, sagte Geschäftsführer Andreas Busemann. "Das hat uns sehr getroffen", betonte er.

Nun solle auch mit externen Gutachtern die Sicherheit der Bärenanlage noch einmal überprüft werden. Es solle ein "Gehegescreening" für weitere als gefährlich eingestufte Tierarten geben. Der Kreis der an Sicherheitsübungen teilnehmenden Mitarbeitern solle ausgeweitet werden, und es solle geprüft werden, ob die Lautsprecheranlage im Zoo ausreichend war. Auch mit Kollegen aus anderen Zoos solle über den Ausbruch gesprochen werden. Für den Zoo ist der Tod des Tieres ein schwerer Schlag. Anfragen von Naturkundemuseen noch am Sonntag, ob sie die tote Bärin als Ausstellungsobjekt bekommen könnten, hätten ihn sehr befremdet, sagte Geschäftsführer Busemann. Vor allem die Pfleger, die das Bären-Geschwisterpaar seit ihrer Geburt kannten und täglich gefüttert hätten, seinen tief getroffen.

Die beiden Bären Tips und Taps waren die Kinder eines "Unfalls": Der Vater war Eisbärmännchen Elvis, die Mutter Braunbärin Susi. Dass sich beide paaren würden, hatten die Experten nicht erwartet. Wegen des Klimawandels kommen solche Kreuzungen inzwischen auch in freier Wildbahn vor. Seit einigen Jahren waren Tips und Taps daher die Botschafter des Zoos für den Klimaschutz. Der Zoo Osnabrück ist mit mehr als einer Million Gästen pro Jahr derzeit der zweitgrößte Zoo Niedersachsens, nach Hannover. Seine Anfänge reichen bis ins Jahr 1935 zurück.

dpa

Für den gewaltsamen Tod einer Rentnerin aus Bad Rothenfelde hat das Landgericht Osnabrück am Montag einen 60 Jahre alten Mann wegen Totschlags zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Die Polizei hatte mehrere Monate nach der vermissten Rentnerin gesucht. 

13.03.2017

Das hätte tödlich enden können: Eine sturzbetrunkene Frau wollte bei Osnabrück Bahngleise überqueren und blieb mit ihren Stöckelschuhen im Schotter stecken. Der Fahrdienstleiter im Bahnhof Hasbergen bemerkte die Notlage der 42-Jährigen und stoppte einen mit Tempo 140 nahenden Zug. 

13.03.2017

Pizzaduft im Labor: Roboter lernen am Institut für künstliche Intelligenz in Bremen, Haushaltsaufgaben zu bewältigen. Wo bei Menschen Erziehung genügt, brauchen sie Unterricht beim Professoren.  Forscher weltweit sind dabei, Robotern selbstständiges Lernen beizubringen. Eine schwierige und zukunftsweisende Aufgabe.

13.03.2017