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So wollen die Nordseeinseln ihre Natur schützen

Massentourismus So wollen die Nordseeinseln ihre Natur schützen

Die Nordseeinseln werben mit sauberen Stränden und Nachhaltigkeit – doch der Massentourismus hat auch Kehrseiten

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Jedes Jahr wieder bevölkern Touristen die Strände von Borkum und den anderen sechs Ostfriesischen Inseln - die sind auf die Besucher angewiesen, müssen aber auch die empfindliche Natur im Wattenmeer im Auge behalten.

Quelle: HAZ-Collage

Borkum. Autoverkehr und Flugbetrieb sind an der Küste spürbar, im Watt werden Schadstoffe aus der Landwirtschaft sichtbar, und an den Stränden sammeln sich tonnenweise Plastikmüll und Abfälle von Schifffahrt und Fischerei. So schön die nordfriesischen Inseln auch sind: Die Umweltprobleme vom Festland und von der Nordsee kommen auch in den Urlaubsparadiesen mit ihren kilometerlangen Sandstränden an.

Für Umwelt- und Naturschützer bedeutet der wachsende Tourismus auch zunehmende Störungen, etwa die Ausweisung von Gebieten für Kitesurfer im Nationalpark Wattenmeer. Hinzu kommen Probleme durch Autoverkehr und Flugbetrieb, bei Versorgung und Entsorgung von Müll. Die Inseln versuchen mit eigenen Initiativen, die Balance zwischen Ökonomie und Ökologie zu halten. Ein Überblick.

Juist: Autofrei – und bald klimaneutral?

Als autofreie Klimainsel hat sich Juist einen Namen gemacht und gerade wieder einen Bundespreis für nachhaltigen Tourismus in der Kategorie „Klimaschutz, Ressourcen- & Energieeffizienz“ gewonnen. Juist ist auch als Pferdeinsel bekannt, denn der gesamte Transport an Waren, Gütern und Menschen erfolgt mit rund 100 Pferden und 30 Kutschen. Vor vier Jahren hatte sich eine Mehrheit von Gästen und Insulanern gegen eine Umstellung auf Elektrokarren ausgesprochen. Bis 2030 will Juist klimaneutral werden. Dabei hat jedoch der Plan, mit Pferdemist eine Biogasanlage zu betreiben, nicht geklappt, dafür reichte die Menge nicht aus.

Wangerooge: Mit dem Elektrokarren

Am Ende der ostfriesischen Inselkette können sich Urlauber auf Wangerooge in einem Schwimmbad abkühlen, das von einem Blockheizkraftwerk betrieben wird. Auf der Lagerhalle für die Strandkörbe sorgt eine Photovoltaikanlage für Energie. Die letzte von der Deutschen Bahn betriebene Schmalspurbahn wird von Dieselloks gezogen, die Transportkarren auf der autofreien Insel fahren elektrisch. Für einige Jahre drehte sich ein Windrad im Westen der Insel, nach seinem Abbau ist ein Nachfolger nicht erwünscht.

Museumspferdebahn auf Spiekeroog

Spiekeroog hat die einzige deutsche Museumspferdebahn, die an die frühere Inselbahn vom Fähranleger zum Ort erinnert. Über die autofreie Insel ohne Flugplatz fahren noch zwei Kutschen und Elektrokarren der Spedition, dazu kommen Elektrokarren für Menschen mit eingeschränkter Mobilität und ein solarbetriebener Rollstuhl, der auch bis zum Strand rollen kann. Wie auf Borkum gibt es noch eine betagte Windkraftanlage, die aber hoch umstritten ist. Ein Pfandsystem für Kaffeebecher soll Müllprobleme reduzieren.

Fairer Handel auf Langeoog

Mit Langeoog wurde 2012 erstmals eine Fairtrade-Insel in Deutschland ausgezeichnet. Als Teil der weltweiten Bewegung fördert die Insel gezielt den fairen Handel mit Produkten wie Kaffee, der mit grün-blauem Siegel gekennzeichnet ist. Rund 40 Betriebe und Unterkünfte beteiligen sich an der Kampagne. Weitere Zukunftsprojekte sind ein energetisches Gesamtkonzept, die Elektrifizierung der Inselbahn und der Fähren sowie E-Tankstellen am Festland-Fährhafen Bensersiel.

Baltrum: Seilbahn statt Inselfähre

Eine Seilbahn vom Festland zur kleinsten ostfriesischen Insel – mit dieser ungewöhnlichen Idee provozierte kürzlich der Baltrumer Bürgermeister Insulaner und Gäste. Dabei hatte der Mann neben einer besseren Verkehrsanbindung auch den Umweltaspekt vor Augen: Umweltschützer sehen die Fährschifffahrt im Nationalpark Wattenmeer durchaus kritisch. Der Bürgermeister kann sich auch mehr Erholung für Touristen durch handyfreie Zonen vorstellen, wenn etwa Mobilfunkmasten aus dem Ortsbild verschwinden.

Norderney: Viel Verkehr im Staatsbad

Mit Thalasso-Therapien und vielen Wellnessangeboten hat sich die zweitgrößte ostfriesische Insel Norderney vom Ruf als beliebtes Ausflugsziel für Kegelclubs gelöst. Allerdings strömen Pfingsten alljährlich rund 50.000 Besucher zu den Beachvolleyball- und Surfwettbewerben auf die Insel mit 6000 Einwohnern. In den Fünfzigerjahren wurden Autos zugelassen, seitdem nimmt der Verkehr in dem Staatsbad stetig zu.

Borkum: Flüssiggas statt Schiffsdiesel

Borkum kann beim Tourismus mit dem Label „allergikerfreundlich“ werben. Die Kleinbahn vom Hafen zur Stadt läuft zwar im Dieselbetrieb, neuerdings ist aber ein Elektrobus im Einsatz. Die Polizei geht mit dem ersten Elektromotorrad auf Streife, auch städtische Fahrzeuge werden auf E-Antrieb umgestellt. Beim Autoverkehr gibt es starke Einschränkungen im Ortskern. Als erste deutsche Fähre pendelt ein Schiff mit dem umweltfreundlichen Flüssiggasantrieb (LNG) von Emden nach Borkum. Zu schaffen macht der Insel allerdings der Bau eines umstrittenen Kohlekraftwerks auf der niederländischen Emsseite.

Von Hans-Christian Wöste und Birgitta von Gyldenfeldt

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Niedersachsen in Zahlen
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  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
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