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Der Norden Mit der Lizenz zum Suchen
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22:08 25.08.2015
„Der Wert ist mir nicht wichtig“: Sondengänger wie Florian Bautsch unterstützen auch Wissenschaftler. Quelle: George
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Lüneburg

Dieser Mann macht sich ständig auf den Acker. Eine Bauchtasche mit Plastiktüten und Pinsel, ein japanisches Pflanzmesser und seine Fisher F75 Special Edition: Das ist die Ausrüstung von Florian Bautsch, wenn er zu Felde zieht. „Ich bleibe so lange, bis meine Frau mich schlägt“, sagt der junge Mann, lacht und lässt die Spule seines Detektors über den abgemähten Roggen am Lüneburger Stadtrand rascheln.

Bautsch ist einer von 200 Sondengängern in Niedersachsen, die von der Denkmalschutzbehörde in Hannover mit einer offiziellen Lizenz ausgestattet sind. Wohl dreimal so viele Menschen tun das, was der Lüneburger tut, ohne diese Lizenz. Illegal. Denn private Schatzsuche ist in Deutschland nicht erlaubt.

Seit 2012 bietet das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege Kurse für Sondengänger an. Anfang September beschäftigt sich war eine ganze Tagung damit. Die 82. Tagung des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung und der 17. Tag der Niedersächsischen Denkmalpflege werden sich die „Detektor-Archäologie – kooperative Modelle in Denkmalpflege und Forschung“ drei Tage lang zum Thema in Hannover machen.

Bautsch hat den Kurs vor mehr als zwei Jahren belegt. Schatzsucher will der 31-Jährige aber nicht genannt werden. „Ich bin Sondengänger.“ Dabei ist ihm vor einem halben Jahr das gelungen, wovon viele träumen: Er hat einen Schatz gefunden. In einem Waldstück am Stadtrand von Lüneburg. „Hallo, die Herren, ich muss einen unglaublichen Hortfund melden“, tippte Bautsch am Montag, 20. Oktober, um 19.01 Uhr ins Telefon und schickte die Meldung an die Lüneburger Archäologen.

Zwei Wochen später hatten Profis vom Landesdenkmalamt unter einer Kiefer 217 Münzen aus der Zeit zwischen 1831 und 1910 ausgegraben, ihr Wert: 45 000 Euro. Die Taler stammen aus einem verplombten Sack der Berliner Reichsbank. Irgendjemand muss den Beutel geklaut und dort versteckt haben, vermutlich in den Wirren des Kriegsendes. Es handelt sich um den größten und bedeutendsten Fund aus der NS-Zeit in Norddeutschland. Behalten durfte Bautsch die Münzen nicht, das Land hat ihm jedoch eine Art Finderlohn gezahlt: 2500 Euro.

Viele Archäologen in den Denkmalschutzbehörden des Landes setzen Helfer wie Bautsch ein, wenn es darum geht, Flächen vor Neubauprojekten zu untersuchen. Die Flur abzusuchen, bevor die Bagger anrücken, ist den Wissenschaftlern in den meisten Fällen vom Aufwand her nicht möglich. Ärgerlich sind für die Archäologen illegale Sammler, die ihre Fundorte verheimlichen. Außerdem reißen sie ihre Funde oft laienhaft aus dem Boden und zerstören damit wichtige Erkenntnisse über das Umfeld und den Kontext der Stücke – für die Wissenschaft werden Schnallen und Münzen damit fast wertlos.
Von Carolin George

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