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Der Norden Sportschützenvorstand aus Hameln soll vor Gericht
Nachrichten Der Norden Sportschützenvorstand aus Hameln soll vor Gericht
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00:16 02.10.2016
Von Karl Doeleke
Sachkundenachweis gegen Geld: Bei den Hamelner Sportschützen musste man keine Prüfung ablegen. Dafür soll der Vorstand vor Gericht. Quelle: Symbolbild
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Hameln

Sie sollen einen schwunghaften Handel mit Dokumenten für die Beschaffung großkalibriger Sportwaffen betrieben haben. Nach Angaben der Ersten Staatsanwältin Kathrin Söfker sind zudem drei einfache Vereinsmitglieder wegen Beihilfe angeklagt. „Wir haben gegen insgesamt sechs Männer Anklage erhoben“, sagte Söfker der HAZ. Die Große Strafkammer des Landgerichts Hannover müsse noch über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Den Hauptangeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Die Staatsanwaltschaft hatte im Mai bundesweit an die 100 Wohnungen und Räume durchsuchen lassen. Darunter war auch die Anlage des Hamelner Vereins an der Autobahn 2 im Kreis Schaumburg. Laut der 89 Seiten langen Anklageschrift sollen die drei Vorstandsmitglieder Roman K., Oliver G. und Vincenzo B. sogenannte Sachkundenachweise gegen beträchtliche Summen an Schützen abgegeben haben. Der Sachkundenachweis muss bei den Behörden vorgelegt werden, um eine Waffenbesitzkarte zu erhalten, die zum Erwerb einer Waffe berechtigt.

Dafür müssen die Schützen normalerweise eine theoretische und praktische Prüfung abgelegen. Aus praktischen Erwägungen erlaubt das Waffengesetz den Behörden, die Prüfung durch anerkannte Vereine abnehmen zu lassen. Beim Schießsportverein Hameln mussten die Prüflinge dafür jedoch nicht viel lernen. In Hameln reichten 1000 bis 1500 Euro, um an das begehrte Papier zu gelangen.

Auf diese Art sollen die Hauptangeklagten beträchtliche Summen kassiert haben – Vincenzo B. zum Beispiel ungefähr 74 000 Euro. Der Italiener sitzt wegen Fluchtgefahr seit Mai in Untersuchungshaft. „Wir können ihm und Roman K. 53 gemeinschaftliche Taten zuordnen“, sagte Staatsanwältin Söfker. Dem zweiten Vorsitzenden werden 35 Taten zugeordnet. Die wegen Beihilfe angeklagten einfachen Vereinsmitglieder sollen laut Söfker geholfen haben, zu verschleiern, dass die Prüfungen nicht richtig abgelegt wurden. „Sie sollen die Fragen zum Teil im Vorfeld verraten und Bescheinigungen ausgestellt haben“, sagte Söfker.

Zu den Ermittlungen gegen die Empfänger der Sachkundenachweise konnte Staatsanwältin Söfker gestern wenig sagen. „Die Abnehmer besitzen möglicherweise zu Unrecht Waffen“, sagte sie. Gegen sie liefen auch Ermittlungen wegen Bestechung. „Diese sind möglicherweise auch an andere Staatsanwaltschaften abgegeben worden.“

Der Vorsitzende des Schießsportvereins Hameln war gestern für die HAZ nicht erreichbar. Unklar ist daher, ob der Verein inzwischen, wie angekündigt, aufgelöst wurde.     

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