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Polizist wird nicht für fünf Schüsse angeklagt

Staatsanwaltschaft Polizist wird nicht für fünf Schüsse angeklagt

Ein Polizist feuert fünfmal durch eine geschlossene Wohnungstür und verletzt eine dahinterstehende 17-jährige Partybesucherin lebensgefährlich an Schultern, Leber und Galle. Trotzdem muss er nicht vor Gericht, wie die Bremer Staatsanwaltschaft jetzt entschieden hat.

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Fünf Einschusslöcher wies die Wohnungstür auf. Foto: dpa

Quelle: Carmen Jaspersen

Bremen. Denn angeblich ist nicht er für die Verletzungen verantwortlich, sondern möglicherweise der Wohnungsmieter, der die Schüsse provoziert haben soll.

Rückblende zu jener Nacht im März am Rande der Bremer Innenstadt: Eine Schülerin feiert in der Mietwohnung eines Freundes ihren 17. Geburtstag. Plötzlich erscheinen ungebetene Gäste und machen Stress. Die Feiernden vertreiben die Störer, es gibt Verletzte bei der Auseinandersetzung. Nach etlichen Minuten wird es im Treppenhaus wieder laut. Jemand tritt gegen die Wohnungstür. Der Mieter glaubt, die Störer seien zurückgekehrt. Er zückt eine Schreckschusspistole, öffnet die Tür einen Spalt breit und schießt einmal ins Treppenhaus.

Doch dort stehen keine Randalierer, sondern von Nachbarn alarmierte Polizisten. Ein SEK-Beamter, der gerade als Streifenpolizist aushilft, feuert sofort durch die Tür zurück, ohne zu wissen, wer dahinter steht. Drei der fünf Schüsse treffen das Geburtstagskind. Die 17-Jährige schwebt zunächst in Lebensgefahr, kann aber durch wiederholte Operationen gerettet werden.

Die Staatsanwaltschaft leitet gegen den Polizisten routinemäßig Ermittlungen wegen des Verdachts des versuchten Totschlags und fahrlässiger Körperverletzung im Amt ein - stellt das Verfahren dann aber ungewöhnlich schnell wieder ein. Die Begründung: Der 34-Jährige habe sich damals „subjektiv in einer Notwehrsituation“ befunden. Für ihn sei nicht erkennbar gewesen, dass aus der Wohnung heraus nur mit einer Schreckschusspistole geschossen wurde, denn deren Knall klinge genauso wie bei einer echten Waffe. Und von dem Mädchen hinter der Tür habe er auch nichts geahnt. Er habe also bei der Abgabe der Schüsse nicht vorsätzlich gehandelt.

Ermittelt wird jetzt aber gegen den Wohnungsmieter - wegen fahrlässiger Körperverletzung. Er habe nämlich durch seinen Schreckschuss möglicherweise die Ursache dafür gesetzt, dass der Polizist zur Waffe griff und die 17-Jährige verletzte, sagte Oberstaatsanwalt Frank Passade auf Nachfrage der HAZ. Aber durfte sich nicht auch der Mieter auf eine vermeintliche Notwehrsituation berufen? Er will ja gar nicht bemerkt haben, dass die Streife vor der Tür laut „Polizei“ rief, wie es der Beamte versichert hat. „Das wird man sehen müssen“, antwortet Passade. Das Ergebnis der Ermittlungen sei „noch vollkommen offen“.

Kein Verständnis hat der Sprecher der Staatsanwaltschaft für die Frage, ob der Polizist seine vermeintliche Notwehr nicht schon nach einem oder zwei Schüssen hätte abbrechen müssen, weil aus der Wohnung heraus keine weiteren Schüsse fielen. Passades Antwort: „Polizisten sind auch nur Menschen und keine Maschinen.“

Von Eckhard Stengel

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