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Der Südlink soll in die Erde - aber wie?

Starkstromkabel Der Südlink soll in die Erde - aber wie?

Netzbetreiber Tennet und die Bundesnetzagentur geben 14 Info-Veranstaltungen in Niedersachsen. Es gibt viele Fragen bei Anwohnern der Verlegungsgebiete, die bei diesen Treffen geklärt werden sollen. Im September hatte Tennet erstmals Pläne zur Verlegung des Starkstromkabels vorgestellt. 

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Mehr als armdick: Mit Kabeln wie diesen will Tennet die Stromleitung Südlink von Brunsbüttel über die Region Hannover nach Heilbronn bauen. Der genaue Trassenverlauf steht noch nicht fest.

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Göttingen. Dagmar Koch schaut auf die Karte in ihrer Hand. Sie ist skeptisch. Die Umgehung von Göttingen ist dort eingezeichnet, dazu ziehen sich mehrere schraffierte Streifen durch die Abbildung - es sind die möglichen, 1000 Meter breiten vorläufigen Trassenkorridore für das Erdkabel von Südlink.

Einer dieser schraffierten Streifen läuft dicht an Kochs Nachbardorf vorbei, direkt an Wohnungen, Sportplätzen, einer Schule, einer Kita. Und da soll dieses Starkstromkabel in die Erde? Koch schüttelt den Kopf. „Die Strahlung von Gleichstrom ist nicht erforscht“, sagt sie. Sie habe Sorge um die Gesundheit der Anwohner und der Kinder. „Ich hoffe, wir können mit unseren Argumenten hier noch etwas bewegen.“

Aus diesem Grund ist Koch mit rund 100 anderen Bürgern aus den Landkreisen Göttingen und Osterode in eine Schule nach Göttingen gekommen. Dort fand die erste von 14 Info-Veranstaltungen in Niedersachsen statt, in denen der Netzbetreiber Tennet zusammen mit der Bundesnetzagentur Fragen zum Erdkabel beantworten und Hinweise aufnehmen will. Am 9. November kommt Tennet in die Region Hannover.

Im September hatte der Netzbetreiber Tennet erstmals veröffentlicht, wie er sich den Bau der Stromleitung Südlink als Erdkabel vorstellen könnte. Die zuerst geplante Freileitung mit 70 Meter hohen Masten war damit Geschichte, doch als Erdkabel könnte Südlink völlig neue Routen nehmen und beträfe damit Tausende Menschen, die bislang mit diesem Thema nichts zu tun hatten.

Für den Verlauf der 800 Kilometer langen Stromautobahn zwischen den Regionen Brunsbüttel/Wilster und den Endpunkten im baden-württembergischen Großgartach und Grafenrheinfeld in Bayern gibt es mehrere Varianten. Im ersten Quartal nächsten Jahres will Tennet vorstellen, welche Trasse das Unternehmen favorisiert. In der Feinplanung erst wird der genaue Verlauf der nur noch etwa 30 Meter breiten Erdkabeltrasse festgelegt.

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Mehr Informationen zum Südlink finden sie hier.

Mit Stellwänden, Modellen und Grafiken erklären rund ein Dutzend Tennet-Mitarbeiter den Gästen in Göttingen, wie die Kabel aufgebaut sind, wie die Baustellen aussehen werden und dass es ein bis zwei Jahre dauert, bis der Acker wieder so aussieht wie vorher. Am meisten Andrang aber herrscht an zwei Computerbildschirmen, auf denen die Trassenkarten so groß gezogen werden können, dass jede Straße in jedem Dorf sichtbar wird. Der Korridor wirkt jetzt sehr breit, und man kann sehen, dass er an einer Stelle zur Hälfte über eine Siedlung läuft. Ulrike Damme schüttelt den Kopf. „Warum plant man den Korridor nicht um die Siedlung herum? Und wie nah kommt das Kabel jetzt an die Siedlung?“

Eine Frage, die später auch in einem Vortrag aufgegriffen wird. „Es gibt Bereiche, wo wir dicht an Siedlungen herangehen müssen“, gibt Michael Roth von Tennet zu. Anders als bei der Freileitung müsse beim Erdkabel zudem kein Mindestabstand zur Wohnbebauung eingehalten werden, aber: „Wir versuchen, den Abstand so maximal wie möglich zu halten.“

Es sind vor allem Landwirte, die an diesem Abend in die Veranstaltung gekommen sind. „Erst soll es eine Freileitung geben, da haben wir nix mit zu tun. Jetzt soll es ein Erdkabel geben, und plötzlich muss es hier entlanglaufen - da habe ich schon Bauchgrummeln“, sagt ein Landwirt. Michael Roth zeigt wieder Verständnis: „Für die Landwirtschaft ist ein Erdkabel etwas anderes, weil der Boden in Anspruch genommen wird. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst.“ Alle Schäden und Ernteausfälle würden kompensiert, verspricht er. Einige Landwirte sind dennoch skeptisch.

Doch es gibt auch Lob für die Veranstaltung. Peter Gosslar, der im Weserbergland seit acht Jahren für die Erdverkabelung verschiedener Trassen kämpft, nennt die Veranstaltung „sensationell“. Auch andere loben, dass die Planung des Kabels sehr nachvollziehbar sei.

Roth ruft die Anwesenden auf, sich zu melden, wenn sie Bedenken gegen die Trasse haben. Das empfiehlt auch der Berliner Rechtsanwalt Siegfried de Witt. Er ist von den Landkreisen der „Hamelner Erklärung“ engagiert worden, die die erste Südlink-Leitung abgelehnt hatten. Eine Klage sei allenfalls sehr spät im Planfeststellungsverfahren möglich - und habe dann wenig Aussicht auf Erfolg. Wenn man Änderungen wolle, so der Anwalt, „dann müssen Sie sich jetzt in die Diskussion einbringen“.

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