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Statt Festanstellung: Weniger Geld für Schlachter

Cloppenburg Statt Festanstellung: Weniger Geld für Schlachter

Die Schweinerei geht weiter: Hunderten Leiharbeitern in der Fleischbranche wurden feste Jobs versprochen – doch einige erhielten jetzt Verträge, in denen sie auf Ansprüche verzichten.

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„Nicht unüblich“: Die Schlachter sollen Nachtzuschläge, Überstunden, Urlaubs- und Krankengeld hergeben. 

Quelle: Ingo Wagner

Garrel. Die Freude unter den überwiegend rumänischen Arbeitern war groß. Sie sollten in die Schlachthofkantine kommen, Verträge unterschreiben. Viele dachten, jetzt würde das Versprechen wahr, das ihnen schon im vergangenen Jahr gegeben wurde: ein fester Job bei Böseler Goldschmaus. 400 Leiharbeiter will das Schlachtunternehmen aus Garrel im Kreis Cloppenburg bis Ende 2017 nach und nach fest einstellen. Doch die Arbeiter irrten sich.

Unterschrift nachts um 2 Uhr

Nicht nur die Uhrzeit war seltsam. Es war nach Angaben von Zeugen zwischen 2 und 3 Uhr nachts. Auf der anderen Seite des Tisches saßen auch nicht Vertreter von Böseler Goldschmaus. Dort saßen Mitarbeiter des ungarischen Subunternehmers aus Cloppenburg, der seit Jahren schon Hunderte Schlachter als Leiharbeiter zu Böseler Goldschmaus schickt.

Die Vertreter des Subunternehmers legten tatsächlich neue Arbeitsverträge vor, aber nicht mit Böseler Goldschmaus. Neuer Arbeitgeber sollte statt einer slowakischen Firma ein Unternehmen aus Cloppenburg sein - ein weiteres im Unternehmensgeflecht des Subunternehmers. Kenner rechnen dem Ungarn beide Firmen zu, obwohl er im Handelsregister nicht mehr auftaucht. Die Verträge sind befristet bis Ende 2018.

Doch damit nicht genug. Die Fleischer sollten vier weitere Vereinbarungen mit Unternehmen des Ungarn unterzeichnen, die es in sich haben. Da ist vor allem eine Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag: In dem Papier, das der HAZ vorliegt, verzichten die Parteien auf alle bestehenden Ansprüche - auf „rückständigen Lohn, Nacht-, Urlaubs-, Feiertags-, Überstunden-, Krankheitsvergütungen und Rückerstattung zu viel gezahlter Vergütungen“.

Ein Hamburger Rechtsanwalt antwortet, wenn man den Subunternehmer um Auskunft bittet. Er hält solche Vereinbarungen für „nicht unüblich“ - zumal ja auch das Unternehmen auf möglicherweise zu viel gezahlte Vergütung verzichte.

Daniela Reim hält die Zusatzvereinbarung dagegen für einen Skandal. Reim arbeitet für die Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Oldenburg. Die Landesregierung hat sie geschaffen, um osteuropäische Leiharbeiter in der Fleischbranche vor Ausbeutung zu beschützen. Reim erhebt schwere Vorwürfe gegen den Ungarn: „Krankheitsgeld und Urlaubstage wurden oft nicht bezahlt, Überstunden nur manchmal.“ Vorwürfe, die der Subunternehmer immer zurückgewiesen hat. Ebenso wie den Vorwurf, er wolle mit Drohungen verhindern, dass seine Leiharbeiter fest zu Böseler Goldschmaus gehen. Von Böseler Goldschmaus wollte sich auf Anfrage niemand äußern.

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