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Stromtrasse Südlink kommt doch unter die Erde

Bundesregierung findet Kompromiss Stromtrasse Südlink kommt doch unter die Erde

"Sämtliche Monstertrassen sind vom Tisch": Die Bundesregierung hat einen Kompromiss zum Bau der umstrittenen Stromautobahn Südlink erarbeitet, die auch mitten durch die Region Hannover verlaufen soll. Demnach kommen die Kabel nun doch unter die Erde – doch auf die Stromkunden kommen damit Mehrkosten in Milliardenhöhe zu.

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In der Politik und bei Bürgerinitiativen stießen die Beschlüsse auf Zustimmung.

Quelle: dpa / Symbolbild

Hannover. Die großen Stromautobahnen von der Küste nach Süddeutschland werden großteils unter der Erde verlaufen. Zudem sollen für neue Höchstspannungsleitungen verstärkt bereits vorhandene Trassen genutzt werden. Auf diesen Kompromiss haben sich Union und SPD bei einem Spitzengespräch im Kanzleramt verständigt. Damit seien „sämtliche Monstertrassen vom Tisch“, sagte CSU-Chef Horst Seehofer am Donnerstag. Auf die Stromkunden kommen damit Mehrkosten in Milliardenhöhe zu, weil Erdkabel deutlich teurer sind als Freileitungen.

Bürgerinitiativen begrüßen neuen Plan

In der Politik und bei Bürgerinitiativen stießen die Beschlüsse auf Zustimmung. „Wir haben einen Paradigmenwechsel eingefordert und jetzt genauso bekommen“, sagte Tjark Bartels, Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont und Sprecher eines Bündnisses von mehr als 20 Kommunen entlang der geplanten Südlink-Trasse. Bisher waren für die über 800 Kilometer lange Strecke, die quer durch die Region Hannover und den Landkreis Hildesheim führt, überwiegend Freileitungen vorgesehen.

Tennet hofft jetzt auf steigende Akzeptanz

Auch der zuständige Netzbetreiber Tennet begrüßte die neue Planungsgrundlage. Der Einsatz von Erdkabeln könne die Akzeptanz von Südlink bei den Anliegern erhöhen, hieß es. Bisher wollte Tennet knapp ein Drittel der Leitungen unterirdisch verlegen – jetzt könnte es auch die Hälfte der gesamten Strecke werden, sagte eine Unternehmenssprecherin. Damit ließen sich alle „sensiblen Bereiche“ umgehen. Tennet hoffe, dass die geplanten Änderungen nicht zu einer Verzögerung des Projektes führten, das 2022 abgeschlossen sein soll.

Gesamtkosten werden auf Verbraucher umgelegt

Intern zeigen sich die Netzbetreiber jedoch skeptisch. Die Verlegung von Erdkabeln sei technisch mit erheblich größeren Risiken behaftet als der Bau von Freileitungen – und auch viel teurer. Bei einfachen Bodenverhältnissen lägen die Kosten mindestens dreimal höher, sie könnten aber auch auf das Achtfache steigen, heißt es in einem Schreiben, das der HAZ vorliegt. Zudem sei die Nutzungsdauer eines Erdkabels deutlich geringer als bei einer Freileitung. Die Gesamtkosten des Netzausbaus von Nord nach Süd wurden bisher auf bis zu 10 Milliarden Euro geschätzt – sie werden im Wesentlichen über die Stromrechnungen auf die Verbraucher umgelegt.

„Die Mehrkosten sind gerechtfertigt, da die Maßnahme zu mehr Akzeptanz und zu einem schnelleren Ausbau führt“, heißt es im Beschluss des Koalitionsausschusses. Diese Einschätzung teilen auch die betroffenen Kommunen. „Der Verzicht auf moderne Technik aus vordergründigen Einspargründen bringt das Land nicht voran“, sagte Landrat Bartels. Auch mögliche Verzögerungen seien kein Grund, auf eine großzügige Verkabelung zu verzichten, erklärte der hannoversche SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch: „Zeitverzögerungen entstehen – wenn überhaupt – durch die ursprünglich unprofessionelle Herangehensweise von Tennet.“ Die Bundesnetzagentur hatte kürzlich diverse Fehler im Genehmigungsantrag für die Südlink-Trasse entdeckt und Tennet zum Nacharbeiten aufgefordert.

Große Freude in der Region Hannover

Die hannoverschen Vertreter der Koalitionsfraktionen äußerten sich gestern beinahe euphorisch zu den Verhandlungsergebnissen aus dem Kanzleramt. Diese seien ein „Durchbruch“, sagte der Burgwedeler CDU-Bundestagsabgeordnete Hendrik Hoppenstedt. Er geht davon aus, dass mit diesem Beschluss der Bau der gefürchteten Riesenmasten quer durch die Region vom Tisch ist: „Ich bin ziemlich sicher, dass wir eine der Regionen sind, die für Erdverkabelung prädestiniert sind“, sagte Hoppenstedt.
Matthias Miersch (SPD) weist die von Tennet geäußerte Kritik an Erdkabeln zurück. Auch mögliche Verzögerungen seien kein Grund, auf eine großzügige Verkabelung zu verzichten, erklärte er. „Zeitverzögerungen entstehen – wenn überhaupt – durch die ursprünglich unprofessionelle Herangehensweise von Tennet.“
Die Bürgerinitiative aus Pattensen-Jeinsen stellte erfreut fest, dass der Protest der Bürger die Spitzen von CDU, SPD und CSU offenbar erreicht habe. „Wir hoffen nun aber auch, dass diese Vereinbarung nicht nur in Bayern gelten wird“, schreiben die Initiatoren.

fx

Kaum Erfahrung mit Erdkabeln

„Deutlich mehr Schwachpunkte“: Mit der Verlegung von Erdkabeln haben die Netzbetreiber bisher wenig Erfahrung – zumindest an Land. Auf See gehören lange Kabel schon lange zum Standard, allerdings seien die Bedingungen auf dem Meeresgrund nicht mit denen im Binnenland vergleichbar, heißt es bei den Unternehmen. Auf See ließen sich Leitungen über 100 Kilometer an einem Stück verlegen, an Land müsse man hingegen jeweils „Lauflängen“ von nur einem Kilometer miteinander verbinden – größere Längen ließen sich mechanisch nicht handhaben. Die Verbindungen gelten bei Kabelsystemen als kritischer Punkt, folglich gebe es bei einer Verlegung Land systembedingt „deutlich mehr Schwachpunkte“ als auf See, erklären die Netzbetreiber. Das könne auch Folgen für die Versorgungssicherheit haben – zumal die Ausfallzeiten im Fall einer Reparatur bei Erdkabeln deutlich höher sei als bei einer Freileitung. Die Breite der Kabeltrasse schätzen die Betreiber auf 15 bis 20 Meter – in der Bauphase könne sie allerdings auch doppelt so breit ausfallen.

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Diskussion zum Südlink
Der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann begrüßt die Entscheidungen aus Berlin.

Die Bundesregierung verständigte sich vor knapp zwei Wochen, große Teile der geplanten Stromtrasse Südlink unterirdisch zu verlegen, um eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen. Im Regionshaus wurde beraten, wie es jetzt mit dem Südlink weitergehen soll.

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