Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Tatverdächtiger bestreitet Mord an Familienvater
Nachrichten Der Norden Tatverdächtiger bestreitet Mord an Familienvater
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:42 15.03.2018
Jörg W. sitzt derzeit in Untersuchungshaft in Bayern. Quelle: Polizei
Anzeige
Stadthagen/Hille

Nach dem Mord an dem 30-jährigen Fadi S. aus Stadthagen (Kreis Schaumburg) streitet der Tatverdächtige Jörg W. die Tat ab. Der 51-Jährige sitzt derzeit in Untersuchungshaft in Bayern.

Derweil beschäftigt die Ermittler der Aufenthaltsort eines 71-jährigen Hillers. Er ist der Nachbar von W. In dessen leer stehendem Gehöft hatte die Polizei am Freitag den Leichnam des zweifachen Familienvaters aus Stadthagen gefunden.

Offenbar ist der Rentner dort seit mehr als einem Jahr nicht mehr angetroffen worden. Wenn sich Nachbarn und Familienmitglieder nach dem Mann erkundigten, soll der 51-jährige W. gesagt haben, dass der Mann in Bayern einen Alkoholentzug macht. So konnte W. die Angehörigen offenbar über diesen Zeitraum beruhigen.

Beamte untersuchen Umfeld

Wie die Polizei in Bielefeld berichtet, wird derzeit das Umfeld des Tatverdächtigen untersucht. Dabei steht unter anderem der Aufenthaltsort des 71-jährigen Nachbarn im Fokus der Ermittlungen. Vernehmungen von Angehörigen sowie Nachbarn, eine „umfangreiche Spurensicherung und die Auswertung vorhandener Asservate werden von den Kripo-Beamten seit Ende letzter Woche intensiv fortgeführt“, heißt es dazu.

Eine 18-köpfige Mordkommission mit dem Titel „Wilhelm“ arbeitet mit Hochdruck an dem Mord- sowie dem neuen Vermisstenfall. Sitz der Ermittlungsgruppe ist Bielefeld, da der Tatort in Nordrhein-Westfalen liegt.

Familie kritisiert Polizeiarbeit

Während vonseiten der Familie des Opfers Kritik an der Polizeiarbeit laut wird, bezieht diese deutlich Stellung. Den Vorwurf, den Vermisstenfall nicht ernstgenommen zu haben, will die Führung der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg nicht unkommentiert stehen lassen. Nachdem am Sonntag die Vermisstenanzeige bei der Dienststelle eingegangen ist, sei bereits am Montagmorgen eine Ermittlungsgruppe eingerichtet worden. Als am Montag auch die zweite Person in Hille als vermisst gemeldet wurde, sei am Dienstagmorgen im Lageraum der Inspektion in Nienburg eine 16-köpfige Einsatzleitung eingerichtet worden, die bis Freitag rund um die Uhr besetzt gewesen sei. Mit den beiden dazugehörigen Ermittlungsgruppen in Stadthagen und Minden waren bis Freitagnachmittag nach Behördenangaben insgesamt mehr als 500 Polizeibeamte eingesetzt, in der Spitze haben 128 Ermittler gleichzeitig gearbeitet.

Da die Polizei nicht ausschließen konnte, dass eine dritte Person oder aber eine Personengruppe am Verschwinden der Männer beteiligt war und möglicherweise eine Entführung vorlag, verzichteten die Behörden auf eine Öffentlichkeitsfahndung. „Ansonsten hätten wir möglicherweise Leben und Gesundheit der beiden gefährdet“, betont Polizeisprecher Axel Bergmann.

Kommissariat wird abgesichert

Da sich die Wut der trauernden Verwandten am Freitag nach Aussage der Polizei auch deutlich gegen die Einsatzkräfte gerichtet hatte, baten die Stadthäger Beamten Dienststellen der Umgebung um Hilfe. Polizisten aus Wunstorf und Minden sicherten präventiv das Kommissariat an der Vornhäger Straße ab. Während des Wochenendes waren sechs bis acht Polizisten der Bereitschaftspolizei Hannover vor Ort. Die Lage blieb jedoch ruhig, wie Bergmann betont. Die Familie des Opfers erklärt mit Nachdruck, keine Drohungen gegen die Polizisten ausgesprochen zu haben.

Zum Stand der Ermittlungen macht die Polizei derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Angaben. Fakt ist allerdings, dass zwischen Opfer und mutmaßlichem Täter eine Geschäftsbeziehung herrschte.

Der gelernte Maurer Fadi S. wollte gemeinsam mit dem 51-Jährigen einen Renovierungsbetrieb gründen. Die Familie des 30-Jährigen Mordopfers kannte W. nach eigenen Angaben nicht persönlich. Der Zwei-Meter-Mann soll in der Vergangenheit in der Fremdenlegion aktiv gewesen sein. Auf einem Foto posiert der 51-Jährige mit einer Pistole in der Hand.

Der Tatort, das heruntergekommene Gehöft im Hiller Ortsteil Neuenbaum, rückte in den Fokus der Ermittlungen, da der weiße Audi des Vermissten vor dem Gebäude gefunden wurde. Einen Tag zuvor, am Donnerstag, waren die Beamten bereits mit Leichenspürhunden in Hille unterwegs. Dabei untersuchten sie das Wohnhaus von W. und dessen Ehefrau. Ohne Erfolg. Einen Tag später dann der grausige Fund: Die Polizisten stießen in der Scheune auf den Leichnam des jungen Vaters. Wie Fadi S. getötet wurde, will die Polizei nicht sagen. Der Hiller will es zumindest nicht gewesen sein.

Jörg W. soll im Laufe der Woche nach Bielefeld verlegt werden. Wann er weiter verhört wird, ist unklar. Auch zu den weiteren Ermittlungen äußerte sich der zuständige Staatsanwalt Veit Walter nicht.

Trauerfeier über drei Tage

Am Montag endete die drei Tage währende Trauerfeier für den Vater zweier zwei und fünf Jahre alter Kinder. Dazu waren Hunderte Verwandte aus dem gesamten Bundesgebiet gekommen. Sie gehören einer libanesischen Großfamilie an. Das Opfer selbst wurde in der Kreisstadt geboren und galt als bestens integriert – ebenso wie die Stadthäger Verwandten.

Von Verena Insinger

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Was ist mit Liam Colgan geschehen? Seit vier Wochen ist der 29-jährige verschwunden. Die Polizei hält es inzwischen für möglich,  dass der Schotte in Hamburg einem Unglück zum Opfer gefallen ist. 

12.03.2018

„Hartz IV bedeutet nicht Armut“ – mit dieser umstrittenen Äußerung hat der designierte Gesundheitsminister Jens Spahn am Wochenende die Debatte beherrscht. Er hat dafür viel Kritik erhalten – nun kommt eine Einladung aus Niedersachsen.

14.03.2018

Mindestens zehn Menschen haben sich im Goslarer Stadtteil Oker am Sonntag teilweise mit Waffen bekämpft. Ein Mann wurde dabei schwer verletzt.

12.03.2018
Anzeige