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Höchste Pegelstände nach unten korrigiert
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Hochwasser in Lüchow-Dannenberg Höchste Pegelstände nach unten korrigiert

Das Elbe-Hochwasser könnte für Niedersachsen deutlich weniger bedrohlich werden als bisher befürchtet. Die Prognosen für die höchsten Pegelstände wurden am Donnerstag erneut um rund einen halben Meter nach unten korrigiert. Trotzdem bleibt die Anspannung, die Helfer sind im Dauereinsatz.

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Hannovers Helfer bleiben länger in Magdeburg

Lauenburg rüstet sich für ein Rekordhochwasser, das für Sonntag erwartet wird.

Quelle: dpa

Lüchow-Dannenberg. Für Hitzacker werden nun für Dienstag und Mittwoch Höchststände von 7,65 Metern vorhergesagt, 1,15 Meter weniger als noch vor zwei Tagen. Die Altstadtinsel dort wird deshalb nach derzeitiger Planung frühestens Sonntag evakuiert. Außerdem könnte der Hochwasser-Höhepunkt eventuell schon Mitte der Woche überschritten sein, sagte ein Sprecher des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

Das Rekord-Hochwasser an der Elbe bedroht die Deiche in Niedersachsen. Es bestehe die Gefahr, dass die Deiche durchweichten, warnte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Donnerstag in Lüneburg. "An einzelnen Orten wird der Höchststand nach derzeitiger Prognose wahrscheinlich erst Freitag oder Samstag kommender Woche erreicht werden", sagte NLWKN-Sprecher Achim Stolz.

"Mit den Prognosen von heute Morgen dürfte die Spundwand in Hitzacker hoch genug sein, allerdings kann sich der Hochwasserspiegel noch anders entwickeln, als jetzt erwartet". Umweltminister Stefan Wenzel

Die Behörden hatten frühere Angaben über die Höchststände der Flut nach unten korrigiert. So wird für die besonders gefährdete Ortschaft Hitzacker im Kreis Lüchow-Dannenberg statt eines Höchststandes von 8,80 Metern nun mit 8,15 Metern gerechnet. Auch dann würden die Wassermassen noch fast einen halben Meter höher stehen als jemals zuvor. Einsatzkräfte waren rund um die Uhr damit beschäftigt, die Elbdeiche zu sichern.

Im Landkreis Lüneburg sollen die Deiche mit rund einer Million Sandsäcken auf 70 Kilometern Länge um 30 Zentimeter erhöht werden. Dort waren bereits 2500 Helfer im Einsatz, darunter auch 1200 Bundeswehr-Soldaten. In Lüchow-Dannenberg sah es ähnlich aus. "Bei uns sind rund 3800 Kräfte im Einsatz, Tendenz steigend", erklärte Jenny Raeder, Sprecherin der Hochwasser-Pressestelle des Landkreises. 660 Soldaten seien im Einsatz.

Die Schulgebäude und Turnhallen in den Gemeinden Gusborn, Dannenberg, Neu Darchau, Clenze, Gartow und Lüchow würden zur Unterbringung von Tausenden Einsatzkräften aus ganz Niedersachsen benötigt, wie der Landkreis mitteilte. Die Grundschule Hitzacker und die Bernhard-Varenius-Schule in Hitzacker sollen von Freitag an bis zum 14. Juni für die Schüler ihre Pforten schließen.

Die Bewohner der Lauenburger Altstadt dagegen können nun doch vorerst in ihren Häusern bleiben. Aufgrund der günstigeren Hochwasserprognosen habe der Krisenstab die ursprünglich für Freitag angeordnete Evakuierung ausgesetzt, sagte ein Sprecher des Krisenstabes am Donnerstag. Bei dem angekündigten Wasserstand sei eine generelle Gefährdung sei nicht zu befürchten, sagte der Sprecher. Die Vorbereitungen zur Evakuierung sollen jedoch weitergehen. „Damit können wir kurzfristig neu entscheiden, falls sich die Prognose wieder ändern sollte,“ sagte Schütt. Das Fahrverbot in der Altstadt bleibt bestehen. Auch die Sperrung der Altstadt für Fußgänger von Sonnabend, 8.00 Uhr, bis Montag, 8.00 Uhr, soll aufrechterhalten werden. Ursprünglich waren die Behörden davon ausgegangen, dass das Hochwasser der Elbe am nächsten Donnerstag einen Pegelstand von 9,75 Metern erreichen könnte.

Schon am Mittwochabend rückten 1600 Soldaten in die Bereiche Lüneburg und Dannenberg aus. Eine Panzerlehrbrigade aus Munster bereitet sich mit Personal und Material auf einen Einsatz an der Elbe vor. Aus vielen Landesteilen setzten sich Einsatzkräfte Richtung Elbe in Bewegung.

Das kommt mit dem Elbhochwasser auf Niedersachsen zu

Welche Wassermassen werden wann in Niedersachsen erwartet?

Bereits von diesem Freitag an erwartet der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz stark ansteigende Wasserstände. Mit dem höchsten Pegelstand wird in der zweiten Hälfte der kommenden Woche gerechnet. Die Experten gehen von einem langgestreckten Hochwasserscheitel aus, was ein langanhaltendes Hochwasser bedeutet. Die Pegelstände werden voraussichtlich nur langsam wieder nach unten gehen.

Weshalb wird ein Durchweichen von Deichen befürchtet?

Die Deiche bestehen aus einem Sandkern, der an der Wasser- und Landseite mit einer Lehmschicht abgedeckt und mit Gras bepflanzt wird. Entscheidend für die Stabilität der Deiche ist, wie lange hohe Wasserstände Druck auf den Deich ausüben. Selbst wenn der Wasserstand bereits sinkt, kann es nach einem lange anhaltenden Hochwasser zum Durchweichen von Deichen kommen. Gefährdeter sind noch nicht ertüchtigte und erhöhte Deiche, aber auch anderenorts gibt es neuralgische Punkte, an denen Wasser durchsickern kann. Deichwachen, Feuerwehr und Bundeswehr halten die Stabilität der Deiche im Blick.

Was ist der Unterschied zu den Hochwassern von 2002, 2006 und 2011?

Der Unterschied zu den bisherigen Jahrhunderthochwassern ist die erwartete Höhe, die nach den derzeitigen Prognosen bisherige Rekorde übertreffen könnte. In Hitzacker etwa wird am kommenden Mittwoch/Donnerstag ein Pegelstand von 8,15 Metern erwartet, 45 Zentimeter mehr als der bisherige Spitzenwert. Bezahlt machen werden sich allerdings wohl die Investitionen in den Hochwasserschutz. Seit 2002 flossen 146 Millionen Euro in Deichertüchtigungen oder etwa die Schutzeinrichtungen in Hitzacker. Außerdem ermöglicht die lange Vorlaufzeit es diesmal den Einsatzkräften, sich zahlreich und intensiv auf die Flut zu rüsten. Als erstes rücken meist Bleckede und Hitzacker in den Fokus.

Sind auch andere Orte in Niedersachsen von der Flut bedroht?

Hitzacker und Bleckede waren bei den vergangenen Hochwassern die neuralgischen Punkte. Vor allem die vom Wasser von Elbe und Jeetzel umschlossene Altstadt von Hitzacker rückt dann in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Mit 27 Fahrzeuge etwa starteten am Mittwochabend 130 Feuerwehrleute aus der Grafschaft Bentheim Richtung Lüneburg. „Für Niedersachsen wird es sehr schlimm“, sagte am Mittwochabend auch der Hochwasser-Experte Martin Socher aus dem Umweltministerium in Sachsen mit Blick auf die Auswirkungen der Elbe-Flut.

Aufgrund des Hochwassers rief der Landkreis Lüchow-Dannenberg dazu aus, Altölbestände in der Deponie in Woltersdorf zu entsorgen.

Spendenkonto

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg hat anlässlich des aktuellen Hochwassers ein Spendenkonto eingerichtet. Die dort eingehenden Spenden sollen vom Hochwasser betroffenen Personen und Einrichtungen zugute kommen.

Das Konto läuft bei der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg (BLZ 258 501 10) unter dem Namen „Hochwasser 2013“. Die Kontonummer ist 230 182 040.

Auch das Deutsche Rote Kreuz sammelt Spenden für die Betroffenen des Hochwassers:

Spendenkonto: 41 41 41
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ: 370 205 00
Stichwort: Hochwasser
Auch eine Online-Spende ist möglich unter www.drk.de/onlinespende.

Hochwasser ist keine Gefahr für Gorleben

Die Sicherheit im Atomzwischenlager Gorleben ist nach Angaben des Betreibers nicht durch das drohende Rekord-Hochwasser an der Elbe gefährdet. „Das Lager liegt vier Meter höher als der Ort Gorleben, wir erwarten nicht, dass das Wasser bis zu uns kommt“, sagte der Sprecher der Gesellschaft für Nuklearservice, Jürgen Auer, der dpa in Hannover. Das Transportbehälterlager ist rund drei Kilometer von der Elbe entfernt. „Selbst wenn das Lager überflutet würde, besteht keine Gefahr“, betonte Auer. Die 120 Tonnen schweren Atommüllbehälter könnten weder aus der Halle geschwemmt werden, noch könnte Radioaktivität das Wasser kontaminieren.

   „Wir beobachten die Situation und die Entwicklung aber dennoch sehr aufmerksam“, betonte Auer. Derzeit sei die Lage aber so entspannt, dass sich einige Mitarbeiter des Zwischenlagers sogar an den Sicherheitsvorbereitungen direkt an der Elbe einbringen könnten. Dort bereiten sich die Helfer auf das Jahrhundert-Hochwasser vor. Die Pegelstände werden vermutlich in der zweiten Hälfte der kommenden Woche den Höhepunkt überschreiten. Für die besonders gefährdete Ortschaft Hitzacker unweit Gorlebens im Kreis Lüchow-Dannenberg wird ein Rekord-Höchststand von 8,15 Metern erwartet.

Die Fließgeschwindigkeit der Elbe

Bei einer mittleren Wasserführung benötigt das Wasser der Elbe für die 586 Kilometer von der deutsch-tschechischen Grenze bis zur Schleuse in Geesthacht (Schleswig-Holstein) vor den Toren Hamburgs im Schnitt acht Tage. Das entspricht einer Fließgeschwindigkeit von etwa 3 Kilometern pro Stunde. Beim Elbe-Hochwasser im August 2002 wanderte der Scheitelpunkt der Flut die gut 500 Kilometer von Dresden bis nach Lauenburg (Schleswig-Holstein) in sieben Tagen flussabwärts.

In der Unterelbe von Geesthacht bis nach Cuxhaven ist der Fluss bedeutend schneller unterwegs. Den 142 Kilometer langen Abschnitt legt sein Wasser mit mehr als 5 Kilometern pro Stunde zurück. Allerdings gibt es in dem von Ebbe und Flut abhängigen Flussabschnitt besonders starke Schwankungen. So können im Hamburger Hafen bis zu acht Stundenkilometer erreicht werden.

Verschiedene Faktoren beeinflussen die Fließgeschwindigkeit. Flache Ufer mit starker Vegetation – besonders belaubte Büsche – verlangsamen etwa das Tempo. Begradigte und durch Ausbaggern vertiefte Flüsse fließen dagegen bedeutend schneller.

Innerstetalsperre bewahrt Hildesheim vor Rekord-Hochwasser

Die Innerstetalsperre im Harz hat den Landkreis Hildesheim vor einem Rekord-Hochwasser  bewahrt. Wären in dem Stausee nicht zwei Hochwasserwellen zurückgehalten worden, wäre der Pegel in Heinde beim jüngsten Hochwasser Ende Mai noch über den Rekordstand von 2007 gestiegen, teilten die Harzwasserwerke am Donnerstag mit.

Dank des Einstaus sei der Pegel am 27. Mai "nur" auf 6,42 geklettert und damit um 33 Zentimeter unter der Höchstmarke aus dem Jahr 2007 geblieben. Der Innerstestausee bei Langelsheim im Kreis Goslar hat ein Fassungsvermögen von rund 19,3 Millionen Kubikmetern. Die Talsperre ist derzeit zu gut 90 Prozent gefüllt.

dpa/mhu

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Niedersachsen erwartet Rekordhochwasser
Foto: Einsatzkräfte der Feuerwehr bauen in Hitzacker eine insgesamt 560 Meter lange Hochwasserschutzwand auf.

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Niedersachsen in Zahlen

  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
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