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Tausende wollen Komparsenrolle in George-Clooney-Film ergattern
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Casting im Harz Tausende wollen Komparsenrolle in George-Clooney-Film ergattern

Die Hoffnung auf eine Mini-Rolle im neuen Film von George Clooney mobilisiert die Massen. Tausende Menschen stehen Schlange, um eine Statisten-Rolle im neuen Film des Hollywood-Stars zu ergattern.

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Zettel ausfüllen, Fotos machen und das wars: Tausende haben sich beim Casting für den neuen George-Clooney-Film vorgestellt.

Quelle: Hagemann

Goslar. Die Bewohner Goslars werden vor Ehrfurcht ihr Haupt gesenkt haben: Heinrich II. besuchte zu Beginn des 11. Jahrhunderts Goslar und machte es zu seiner Pfalz. Goslar wurde Kaiserstadt. Und Heinrich, italienischer König und später römisch-deutscher Kaiser, brachte der reichen Bergbaustadt Ruhm und Ehre. Aber gegen George Clooney hätte er wohl alt ausgesehen.

Sonnabend, tausend Jahre nach Heinrich: Über Goslar liegt dichter Nebel. Viele Hundert Menschen stehen am Vormittag in einer Schlange, die hinter dem Bahnhof beginnt und sich bis zum Eingang des Hotels „Zum Achtermann“ zieht. Sprühregen legt sich auf die Wartenden. Doch die meisten haben gute Laune. Denn sie hoffen, im neuen Film von George Clooney mitzuspielen. Hollywood im Harz.

Clooney dreht „The Monuments Men“ ab April nicht nur in den Filmstudios Babelsberg, sondern auch in Goslar. Nicolas Cage war schon im Harz, Otto Waalkes drehte hier seine „Sieben Zwerge“, das Bergwerk Rammelsberg war die Kulisse für „Das Wunder von Lengede“. Aber Clooney, das ist ganz großes Kino. Der Regisseur weilt gerade in Berlin, lässt in Goslar von einer Agentur 2000 Komparsen, also Laiendarsteller suchen. Die sollen die menschliche Kulisse bilden, wenn Clooneys Filmhelden eine spektakuläre Schatzsuche am Ende des Zweiten Weltkriegs spielen.

Die Breite Straße in Goslar soll einen belgischen Ort in den vierziger Jahren darstellen, der von den Deutschen besetzt ist. Als die Alliierten einziehen, werden sie von den Einwohnern als Befreier gefeiert. Clooney sucht für die Szenen besonders Männer – nicht zu groß, nicht zu dick – die ansehnliche Soldaten darstellen. Und weil Krieg Menschen tötet und verletzt, werden explizit Komparsen mit fehlenden Gliedmaßen gesucht.

Um 11 Uhr lassen Sicherheitskräfte den ersten Schwung von Bewerbern in das Hotel. Im Großen Saal gibt es DIN-A5-Zettel. Vorne ist mit Edding eine Nummer notiert, hinten sollen die Bewerber ihre Daten eintragen. Name, Alter, Kleidergröße, Tattoos, besondere Fähigkeiten. Dann geht es mit dem Zettel in eine von fünf neuen Schlangen, an deren Ende jeweils ein Mitarbeiter im 30-Sekunden-Takt Fotos macht.

Die Schauspielkandidaten kommen ins Gespräch. „Schade, dass der George nicht da ist“, sagt ein junges Mädchen zu ihrer Freundin. „Ach, ihr auch hier“, sagt ein älterer Herr, der Bekannte entdeckt hat. Ein Gruppengefühl ist spürbar. Unverbindlich und für eine gute Sache: wie Blutspenden, nur cooler. Michael Hoffmann schaut etwas ratlos. „Was hab’ ich denn wohl für eine Kleidergröße?“ Sein Neffe Justin, 14 Jahre alt, weiß das auch nicht. Die beiden füllen trotzdem den Fragebogen aus. Hoffmann kann dort eintragen, dass er kein Novize ist. „Ich habe als Schüler bei den Domfestspielen in Bad Gandersheim mitgemacht“, sagt der 42-Jährige. Bei der Bundeswehr war er nicht, wollte keine Waffe in die Hand nehmen, wie er sagt. Aber für den Film würde er das schon machen. „Der Clooney, das wäre schon was.“

Dann geht es ganz schnell, Justin ist dran. Er hält den Zettel mit der Nummer 372 vor sich. Klick. Legt den Zettel weg, noch mal Klick. Dann folgt sein Onkel, Nummer 374. Klick, Klick.Schon nach eineinhalb Stunden haben 1000 Menschen einen Fragebogen abgeholt. „Das ist Wahnsinn“, sagt Anja Mews von der Berliner Casting-Agentur Filmgesichter. Um 17 Uhr ist dann Schluss, mehr als 4000 Bewerber sind da registriert. Mews muss mehrere Hundert Menschen ungecastet nach Hause schicken.

Vor dem Hotel steht Hans-Jürgen Bode. Der Nieselregen scheint ihm nichts auszumachen. Auch nicht die Blicke der Umstehenden. Dieser dunkle Ledermantel, das ist doch nicht etwa ...? „Der ist original“, sagt Bode. „Mein Onkel war bei der SS ­– aber nur als Fahrer.“ Der Onkel sei 1943 im Krieg gestorben. Der Neffe trägt heute den Mantel. „Ohne Abzeichen, versteht sich.“ Bode hat ein kantiges Gesicht. Das Lächeln ist breit, freundlich. Er trägt zum Mantel schwarze Lederschuhe, schwarze Anzughose. Bode weiß um seine Wirkung. Er war gerade im Casting-Saal. Dort wollte er sich den Mantel für das Foto ausziehen. Er solle den ruhig mal anbehalten, habe ihm dann einer von der Agentur gesagt. „Ich werde wohl dabei sein“, sagt Bode nüchtern.

Gerd Schild

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