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Der Norden Tauziehen um Schatz in Syke
Nachrichten Der Norden Tauziehen um Schatz in Syke
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12:06 26.04.2012
Um einen Schatz aus der Bronzezeit streiten sich Stadt, Kreis und Archäologen. Quelle: dpa
Syke

In Syke ist der Goldrausch ausgebrochen. Archäologen buddeln sich zurzeit quer durch Niedersachsen, um Zeugnisse längst vergangener Zeiten entlang einer geplanten Gaspipeline zu bergen - doch was sie in der Kleinstadt bei Bremen entdeckten, übertraf alle Erwartungen: 117 Schmuckstücke aus reinem Gold. Klar, dass so ein Schatz Begehrlichkeiten weckt.

Die Fachwelt spricht von einem spektakulären Fund. Auch die Bürger in Syke sind begeistert - allen voran Bürgermeister Harald Behrens (FDP). Er will mit dem Schatz aus der Bronzezeit mehr Besucher in seine Stadt locken. Doch das Landesamt für Denkmalpflege hat andere Pläne, und auch der Kreis Diepholz will sich die Chance nicht entgehen lassen, bei dem Schatz ein Wörtchen mitzureden.

Syke liegt inmitten einer idyllischen Landschaft mit grünen Flusstälern und dichtem Wald. Bei Radfahrern und Wanderern ist die Gegend beliebt. Dennoch ist die 24 000-Einwohner-Gemeinde bisher kein Touristenmagnet. Das könnte sich jetzt ändern, hofft Bürgermeister Behrens: „Wir müssen die Zugkraft des Goldschatzes nutzen.“

Auch wie das gehen könnte, darüber hat er sich schon Gedanken gemacht. Ein prähistorisches Dorf könnte er sich vorstellen und Ausgrabungen für Hobby-Archäologen. „Das ganze Drumherum muss erlebbar sein“, fordert Behrens. Dass der Schatz in der Erlebnis-Schau zu sehen sein wird, ist für ihn selbstverständlich. In absehbarer Zeit wird das aber wohl nicht möglich sein.

Denn das Landesamt für Denkmalpflege in Hannover will die uralten Geschmeide so schnell nicht rausrücken. „So was findet man nur einmal im Leben - wenn überhaupt“, sagt der zuständige Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf. Immerhin handelt es sich um den größten Goldfund aus der Bronzezeit in Mitteleuropa.

Die Experten werden in den nächsten Jahren den fast zwei Kilo schweren Schatz ausgiebig untersuchen. Mit speziellen Analysen wollen sie die Art des Goldes, Herstellung und Abnutzungsspuren feststellen. „Mit diesen Ergebnissen wollen wir die damaligen Handelsverbindungen rekonstruieren“, erläutert der Archäologe.

Das Gold stammt wahrscheinlich aus Zentralasien. Unklar ist noch, ob die Schmuckstücke dort oder in Nordeuropa gefertigt wurden. In einem Beutel waren sie in der Erde vergraben. Wollte der Besitzer sie verstecken? Handelt es sich um Diebesgut? Oder um eine Opfergabe? Diese Fragen soll ein bis zu drei Jahre dauerndes Forschungsprojekt beantworten, das die Denkmalpfleger beantragen werden.

2013 soll der Goldschatz dann erstmals im Landesmuseum in Hannover zu sehen sein - und dort soll er nach Ansicht des Archäologen auch dauerhaft bleiben. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums gibt es aber noch keine Pläne, was anschließend mit den wertvollen Exponaten passiert. „Alles Weitere ist zurzeit noch gar kein Thema“, sagt Sprecher Christian Stichternath. Eins steht aber fest: Am künftigen Ausstellungsort muss der Schatz sicher vor Dieben sein und gut konserviert werden können.

Das Kreismuseum in Syke könnte die strengen Kriterien erfüllen, ist Landrat Cord Bockhop (CDU) überzeugt. Dafür soll es einen Anbau erhalten, in dem alle Fundstücke gezeigt werden. Dass das Gold nach der Schau im Landesmuseum zunächst nach Syke kommt, sei schon vereinbart. Und mit den Archäologen in Hannover werde man sich sicherlich auch einigen. „Eigentümer ist zwar das Land. Aber der Schatz wurde hier gefunden, gefühlt gehört er deshalb uns.“

dpa/sag

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