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Der Norden Telefonbücher - hilfreich oder Altpapier?
Nachrichten Der Norden Telefonbücher - hilfreich oder Altpapier?
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11:07 30.03.2016
Das Telefonbuch hat eine Auflage von 100 Millionen Stück. Quelle: dpa
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Braunschweig

Die Anfangseuphorie hielt sich in Grenzen: „Buch der 99 Narren“ nannten die Berliner ihr erstes Telefonbuch, als es 1881 auf den Markt kam - in Anspielung auf die knapp 100 dort aufgelisteten Personen. Auch in Braunschweig glaubte niemand so recht an den Erfolg. Gerade einmal 14 Telefonbesitzer waren im ersten Telefonbuch aufgelistet. Nur dank der hinzugefügten vierseitigen Beschreibung für die Nutzung des Verzeichnisses, wurde aus dem Projekt noch etwas.
Die Skepsis war also groß. Bekanntermaßen traten die Telekommunikation und das dazugehörige Telefonbuch trotzdem den Siegeszug an. Auf der Suche nach einem Klempner oder aber der Sommerliebe aus dem Mallorca-Urlaub 1980 durchblätterten im Lauf der Jahre Millionen Menschen die dünnen Seiten. Heute reicht ein Blick ins Internet. Niemand muss mehr mit dem Finger die Einträge entlangfahren, während er das Alphabet vor sich hin murmelt.

Und trotzdem stapeln sich in den Hausfluren von Mehrfamilienhäusern, im Supermarkt oder in eigens dafür errichteten Abholstationen jedes Jahr wieder die Telefonbücher, die dann irgendwie auch mitgenommen werden. Nur, warum?
„Ich selbst gucke ja eher selten ins Telefonbuch“, meint der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Auskunfts- und Verzeichnismedien (VDAV) mit dem nachschlagenswerten Namen Rhett-Christian Grammatik. „Je älter der Nutzer und je ländlicher seine Wohngegend, desto mehr aber greift er zum Telefonbuch“, fasst Grammatik eine Nutzerstudie seines Verbands von 2015 zusammen.

Höhere Nachfrage auf dem Land

Regional gebe es riesige Unterschiede. In Berlin benutzen gerade mal 28 Prozent der Menschen das gedruckte Telefonbuch noch. In ländlich geprägten Bundesländern wie Brandenburg oder Sachsen-Anhalt sind es dagegen noch 70 Prozent. So eine rechte Erklärung hat auch Uwe Calm vom Braunschweiger Oeding Verlag für den Gebrauch der gedruckten Bücher nicht. „Das Buch ist einfach zur lieben Gewohnheit geworden, ohne dass man registriert, dass es da auch noch andere Möglichkeiten gibt“, meint er.

Deshalb halten auch die Verlage an den Büchern fest. „Für eine Seite Anzeige zahlt Ihnen heute niemand mehr 15 000 Euro“, sagt Heiko Hanslik vom Verband vft, der die freien Telefonbuchverlage vertritt. „Aber gerade Telefonbücher für den lokalen Raum werden noch zehn Jahre und vielleicht mehr existieren.“

„Sie können blättern und stöbern“

Viele in Deutschland werden sich freuen. Denn laut einer repräsentativen Umfrage von YouGov unter Internetnutzern plädiert nicht einmal jeder Vierte für die Abschaffung des Telefonbuchs, obwohl fast die Hälfte der Befragten die speziellen Telefonbuch-Seiten im Internet für Auskünfte nutzt.

Droht dem Telefonbuch also demnächst ein ähnliches Schicksal wie der Schallplatte oder der Schreibmaschine? Bei denen sich die Nutzer zwar über den nostalgischen Charakter freuen, die aber doch letztlich einfach unpraktisch sind? „Sie können blättern und stöbern“, sagt Calm über den altmodischen Touch des Buches. „Vielleicht entdecken Sie etwas, was sie gar nicht gesucht hatten und verlieren sich ein bisschen. Das hat doch was.“ Er glaube an das Telefonbuch, erklärt er.

Die Zahlen geben Calm bislang recht: Mit einer Auflage von 100 Millionen Stück hat das Telefonbuch es geschafft, den gleichen Bekanntheitsgrad wie Bundeskanzlerin Angela Merkel zu erreichen - 97,5 Prozent. Es könnte also noch etwas dauern, bis die Bücher ganz in der Schublade verschwinden. Denn bei beiden gilt bislang: Woran sich die Menschen einmal gewöhnt haben, daran halten sie fest.

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