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Der Norden Terrorakt? Ägypten schweigt zu Mord an Peinerinnen
Nachrichten Der Norden Terrorakt? Ägypten schweigt zu Mord an Peinerinnen
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00:17 26.03.2018
Die beiden Peinerinnen wurden am Strand dieser Hotelanlage in Hurghada ermordet.  Quelle: Christina Rizk
Hildesheim/ Kreis Peine

 Im Fall der am Strand des Urlaubsortes Hurghada ermordeten zwei Frauen aus dem Landkreis Peine versucht die Hildesheimer Staatsanwaltschaft jetzt mit Hilfe der Bundesregierung, für ihre Ermittlungen Unterstützung aus Ägypten zu bekommen. Wie Sprecher Christian Gottfriedsen auf Anfrage erklärte, hat die Anklagebehörde jetzt ein formelles Rechtshilfeersuchen auf den Weg gebracht. Der Versuch, mithilfe des Bundeskriminalamtes an Informationen zu gelangen, war zuvor gescheitert.

Täter soll IS-Unterstützer sein

Die beiden 56 und 65 Jahre alten Frauen waren am 14. Juli vergangenen Jahres an einem Hotelstrand in Hurghada von einem 28-jährigen Ägypter erstochen worden. Ein weiteres Opfer des Mannes, eine Frau aus der Tschechischen Republik, erlag zwei Wochen später ihren schweren Verletzungen. Täter soll ein 28-jähriger Ägypter sein, der noch vor Ort von Hotelmitarbeitern überwältigt wurde. Die ägyptischen Behörden hatten den Mann unmittelbar nach der Tat als Unterstützer der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) bezeichnet, seither aber zu Fall und Täter keine weiteren Auskünfte gegeben.

Die Staatsanwaltschaft Hildesheim ermittelt in dem Fall, weil zwei der Todesopfer aus dem Landkreis Peine und damit aus ihrem Zuständigkeitsbereich stammen. Wenn der Täter in Ägypten gar nicht oder weniger hart als in Deutschland verurteilt werden sollte, könnte er hier erneut vor Gericht gestellt werden.

Die beiden am Freitag im ägyptischen Ferienort Hurghada erstochenen deutschen Frauen stammen nach Informationen der HAZ aus Niedersachsen.

Die ägyptischen Justizbehörden halten sich in dem Fall weiter äußerst bedeckt, weshalb die Staatsanwaltschaft in Hildesheim mit ihren Ermittlungen nicht vorankommt – und auch nicht erfährt, ob der mutmaßliche Täter in Ägypten vielleicht sogar schon vor Gericht steht oder bereits verurteilt wurde. Die Hoffnung, „über Polizeikanäle“ an Informationen zu gelangen, erfüllte sich für Oberstaatsanwalt Gottfriedsen und seine Kollegen bislang jedenfalls nicht.

Keine Einschätzung der ägyptischen Behörden

Damit haben sie die Akten zum Messermord in dem Urlaubsort am Roten Meer weiter auf den Tisch. Denn nur wenn Ägypten die Tat offiziell als terroristisch einstufen würde, würde die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen übernehmen.

Doch die ägyptischen Behörden haben auch acht Monate nach der Bluttat noch keine Einschätzung des Falls abgegeben, auch Informationen zu ihren Ermittlungen wurden nicht übermittelt. Das hatte bereits im vergangenen Jahr zu einem diplomatischen Eklat geführt, als die tschechische Botschafterin in Kairo der dortigen Justiz vorwarf, den Fall bewusst zu verschleppen, um dem Tourismus nicht zu schaden.

Sollte dies das Kalkül der ägyptischen Behörden sein, könnte es sogar aufgehen. Gerade in Hurghada berichteten Hotels gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erst vor wenigen Tagen fast von einer Verdopplung der Buchungszahlen.

Der formelle Weg, den die Hildesheimer Ermittler nun beschreiten, könnte sich erneut über Monate hinziehen. Das Rechtshilfeersuchen geht über das niedersächsische Justizministerium an das Bundesamt für Justiz, dann ans Auswärtige Amt, von dort an die deutsche Botschaft in Kairo und von dort ans ägyptische Justizministerium. Ob und wann die Angehörigen der Opfer aus dem Landkreis Peine je Klarheit über die Hintergründe der tödlichen Attacke bekommen werden, ist also noch nicht abzusehen. 

Von Tarek Abu Ajamieh

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