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Der Norden De Maizière besucht Flüchtlingslager in Friedland
Nachrichten Der Norden De Maizière besucht Flüchtlingslager in Friedland
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10:23 25.08.2015
Das ehemalige Grenzdurchgangslager im Landkreis Göttingen wird seit Januar 2011 als Erstaufnahmeeinrichtung genutzt, davor war es Anlaufpunkt für Spätaussiedler und jüdische Zuwanderer. Quelle: dpa
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Friedland

Knapp eine Woche nach der deutlich nach oben korrigierten Flüchtlingsprognose will Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) das niedersächsische Aufnahmelager Friedland besuchen. Dort will er sich am Dienstag ein eigenes Bild über die Situation in der seit Monaten extrem überfüllten Einrichtung machen. Geplant ist nach Angaben des Bundesinnenministeriums zunächst ein Rundgang durch das Lager, anschließend will er zudem an einem Kurs für Flüchtlinge teilnehmen und mit Flüchtlingen und Spätaussiedlern sprechen.

Ursprünglich wollte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius ebenfalls an dem Termin teilnehmen. Nach HAZ-Informationen hat der Minister aber aus persönlichen Gründen alle Termine für diese Woche abgesagt.

Das ehemalige Grenzdurchgangslager im Landkreis Göttingen wird seit Januar 2011 als Erstaufnahmeeinrichtung genutzt, davor war es Anlaufpunkt für Spätaussiedler und jüdische Zuwanderer. Es hat eine Kapazität von 700 Betten. Wegen des hohen Zustroms an Flüchtlingen nach Deutschland müssen derzeit aber auch viele Menschen in Zelten, Mietcontainern und in angemieteten Hotels leben. Dadurch wurde die Kapazität auf derzeit rund 1370 Betten erhöht. Dann mussten aber sogar zum Teil mehr als 2000 Menschen untergebracht werden. Jetzt sind dort mehr als 3000 Menschen in der Einrichtung untergebracht, sagte Lagerleiter Heinrich Hörnschemeyer am Dienstag.

Die Situation in den vier niedersächsischen Erstaufnahmelagern ist im Moment sehr angespannt. Seit Monaten sind fast alle Einrichtungen hoffnungslos überfüllt. Mehr als 8000 Menschen leben in den Lagern in Bramsche, Friedland, Braunschweig und Osnabrück, eigentlich haben die Lager nur eine Kapazität von 2274 Betten. Zudem kann dass das Lager in Osnabrück noch nicht voll belegt werden kann, da in dem ehemaligen Bundeswehr-Klinikum die Umbauarbeiten noch andauern. Das Land hofft, mit weiteren Aufnahmelagern die Situation zu entspannen. Ab November werden im ehemaligen Kloster Blankenburg bis zu 600 Menschen Platz finden.

Alleine im ersten Halbjahr 2015 sind nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 180.000 Asylantrage in Deutschland gestellt worden. Derzeit liege die Zahl bundesweit schon bei mehr als 336.000, während es im Gesamtjahr 2014 rund 203.000 Anträge waren. In der vergangenen Woche hatte de Maizière die Prognosen für das laufende Jahr von 450.000 auf mehr als 800.000 Flüchtlinge nach oben korrigiert. Am 24. September wollen Bund und Länder ihr weiteres Vorgehen bei einem Flüchtlingsgipfel beraten.

Zeitgleich mit dem Besuch will in Hannover die Diakonie über den Umgang mit minderjährigen Flüchtlingen informieren, die ohne Begleitung ihrer Eltern oder anderer Erziehungsberechtigter nach Deutschland kommen. Auch ihre Zahl steigt seit Jahren kontinuierlich an. Ab 2016 sollen die Mädchen und Jungen, deren Betreuung besonders personal- und kostenintensiv ist, nach dem sogenannten Königssteiner Schlüssel auf die Bundesländer verteilt werden. Dieser errechnet sich zu zwei Dritteln aus dem Steueraufkommen und zu einem Drittel aus der Bevölkerungszahl. Auf Niedersachsen würden dann rund zehn Prozent der Jugendlichen verteilt. Bisher werden sie dort untergebracht, wo sie zuvor aufgegriffen worden waren.

dpa

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