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Der Norden Thüringer Eichsfeldkreis möchte zu Niedersachsen gehören
Nachrichten Der Norden Thüringer Eichsfeldkreis möchte zu Niedersachsen gehören
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12:16 16.02.2013
Von Klaus Wallbaum
Nach einer Bürgerbefragung wären die meisten Bewohner des Eichsfeldkreises bereit für den Wechsel ins benachbarte Niedersachsen. Quelle: Dralle
Hannover

Der Eichsfeldkreis in Thüringen hat 105 000 Einwohner, achtzig Prozent davon sind katholisch – und wenn es nach dem Willen von Landrat Werner Henning (CDU) geht, sollte dieses Gebiet bald niedersächsisch sein.

„Uns hier liegt Göttingen sowieso viel näher“, sagt Henning – und verknüpft das mit einer Warnung an seine CDU/SPD-geführte Landesregierung in Erfurt: „Sollten die sich dort gegen uns stellen, dann wird eine Lawine losgetreten. In einer Bürgerbefragung sind die meisten für Niedersachsen.“ Der Westen sei eben „attraktiver, schicker, bürgerlicher und kultureller“.

Es hat seinen Grund, dass der CDU-Mann aus Thüringen lospoltert: In Erfurt reift der Gedanke, den Eichsfeldkreis mit Nordhausen zu fusionieren, die selbstbewussten Eichsfelder würden so ihre bisherige Eigenständigkeit einbüßen. Deshalb kommt nun der Anschluss an Niedersachsen ins Gespräch, der 1990 „ganz ernsthaft“, wie Henning beteuert, schon diskutiert wurde: Hätten die DDR-Bürger in der ersten freien Volkskammerwahl die PDS gewählt, „dann hätten wir uns allein auf den Weg gemacht“. Mit Kanzler Helmut Kohl und Niedersachsens Regierungschef Ernst Albrecht habe er das damals „alles schon besprochen“, erklärt der Landrat.

Nach Niedersachsen orientiert sich Henning übrigens nicht nur, weil der Westen lockt. Vielmehr wittert er die Chance, eine 200 Jahre alte historische Entscheidung wieder umzukehren. Der Wiener Kongress besiegelte in der Nach-Napoleon-Zeit die Aufteilung dieses Gebietes. Zwei Drittel gingen zu Preußen, das ist das Areal des jetzigen Thüringer Kreises, ein Drittel wurde dem Königreich Hannover zugeordnet. 40 000 Eichsfelder leben gegenwärtig auf niedersächsischer Seite im Kreis Göttingen, die größere Stadt dort ist Duderstadt. Bei einem Wechsel des Eichsfeldkreises nach Niedersachsen wären beide Teile wieder vereint: eine katholische Enklave in einer stark protestantisch geprägten Umgebung.

Aber was landsmannschaftlich so gut klingt, passt nicht ins politische Kalkül. Die Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hat kein Interesse, den Eichsfeldkreis abzugeben – ihr Freistaat droht dann auf lange Sicht zu zerbröseln: Viele Kreise im Süden liebäugeln bereits mit einem Wechsel nach Bayern.

Auch Niedersachsens künftiger Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) möchte sich ungern die Ostdeutschen ins Land holen, die bei Kreistagswahlen zu 54,1 Prozent CDU und nur zu 10,7 Prozent SPD gewählt haben. Außerdem plant der Kreis Göttingen, zu dem die Westeichsfelder zählen, gegenwärtig eine Fusion mit dem benachbarten Osterode. Eine Erweiterung um den Eichsfeldkreis würde dabei nur stören.

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