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Der Norden Eine Kita und Fitnesshalle für die Flüchtlinge
Nachrichten Der Norden Eine Kita und Fitnesshalle für die Flüchtlinge
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19:39 30.09.2015
Mit seinem Besuch wollte Schweiger sich ein Bild von der Flüchtlingsunterkunft machen. Quelle: dpa
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Osnabrück

Til Schweiger schaut sich alles ganz genau an. Die Kleiderkammer, das Spielzeugzimmer, den Fahrradschuppen. Gemeinsam mit Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und Musiker Thomas D. von den Fantastischen Vier ist der Schauspieler in die Osnabrücker Flüchtlingsunterkunft gekommen, weil er sich hier mit seiner Stiftung engagieren will. Die Bewohner schauen neugierig, machen Fotos und freuen sich offensichtlich über die Aufmerksamkeit.

Mit seinem Besuch wollte sich Schweiger ein Bild von der Flüchtlingsunterkunft machen, in Gesprächen mit Helfern, Leitung und Flüchtlingen herausfinden, woran es fehlt, wo geholfen werden kann. Denn helfen, daran ließ der 51-Jährige gestern keinen Zweifel, will er – und zwar möglichst schnell. Bildung und Beschäftigung stehen dabei im Vordergrund.

Sich abreagieren zu können sei für die Menschen wichtig, betonten Schweiger und Pistorius. Das zeigten auch die jüngsten Auseinandersetzungen in Flüchtlingsheimen. Die Menschen nach ethnischen Gruppen zu trennen bezeichnete Pistorius als „Unsinn“ und erntete Zustimmung vom Schauspieler: „Ich würde gerne mal 1000 Deutsche auf so engem Raum zusammenstecken, die alle Christen sind. Die würden sich die Köpfe einhauen.“

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Gemeinsam mit Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und Musikerkollege Thomas D. hat Til Schweiger am Mittwoch eine Flüchtlingsunterkunft in Osnabrück besucht. Auf dem Gelände will Schweiger nun mit seiner Stiftung Kitaräume,  Räume für Sprachunterricht und einen Fitnesssraum errichten.

Mithilfe seiner Stiftung „Til Schweiger Foundation“ soll nun zunächst der Bau einer Kita auf dem Gelände unterstützt werden, ebenso sollen Räume für Sprachunterricht entstehen. Schweiger, Pistorius und Thomas D. kündigten zudem an, eine kaum genutzte Werkhalle zu einem Fitnessraum für die Flüchtlinge umbauen zu wollen.

Etwa 450 von ihnen leben derzeit in Osnabrück auf dem Gelände eines ehemaligen Bundeswehrkrankenhauses. Die Flüchtlinge kommen vor allem vom Balkan, aus dem Irak, Syrien und Afrika. Mit einer syrischen Familie und einem jungen Mann aus dem Sudan sprachen Schweiger, Thomas D. und Pistorius vor dem Rundgang – Gespräche, die ihnen offenbar nahe gingen. „Das war sehr berührend“, sagte der Schauspieler. „Mich bewegt so etwas, weil ich mir vorstellen könnte, was das für mich und meine Familie bedeuten würde.“

Ursprünglich hatte Schweiger geplant, in einer Kaserne in Osterode ein „Vorzeigeflüchtlingsheim“ einzurichten. Der Plan liegt allerdings zurzeit auf Eis. Es ist unklar, ob das Gebäude wegen einer möglichen Schadstoffbelastung überhaupt nutzbar ist. Die Pläne für die Unterkunft im Harz sind nach Angaben von Pistorius zwar nicht vom Tisch. Damit schnell geholfen werden kann, schwenkte man aber schließlich auf Osnabrück um. „Die Erstaufnahmeeinrichtung ist noch im Aufbau, hier kann man einiges beeinflussen. Deswegen ist der Standort ideal“, so der Innenminister.

Pistorius lobte das Engagement der Prominenten. „Es geht dabei nicht um ein paar Hunderttausend Euro mehr“, sagte der Innenminister. Viel wichtiger sei die Stimme, die erhoben werde. „Ich wünschte mir, dass es in Deutschland mehr Menschen mit Promi-Status geben würde, die diesen auch nutzen.“ Wie viel Geld am Ende aus der Schweiger-Sitftung in das Heim fließen wird, blieb noch offen. Schweiger und Pistorius betonten, die Stiftung stehe am Anfang des Engagements. „Wir sehen unsere Aufgabe auch darin, Leute zu finden, die uns sponsern können – nicht nur mit Manpower, sondern auch mit Geld“, sagte Schweiger. Er selbst finanziert seine Stiftung mit 100.000 Euro von seinem eigenen Geld, Rapper Thomas D. gab die gleiche Summe hinzu. Dazu kommen Sponsoren wie Bundestrainer Joachim Löw, der 25 000 Euro von der Sportstiftung beisteuerte.

Je nachdem, wie groß der Anteil der weiteren Sponsoren sei, würde sich am Ende die Beteiligung der Foundation in Osnabrück ergeben, so Schweiger. Thomas D. ergänzte: „Wir geben so viel, wie es kostet.“

von Sabine Gurol

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