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Der Norden "Ich trainiere, so oft ich kann"
Nachrichten Der Norden "Ich trainiere, so oft ich kann"
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10:28 15.03.2016
Symbolbild Quelle: dpa
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Osnabrück/Hamburg

Keita Mamdou (20) liebt es, Sport zu treiben. Deshalb ist der neue Fitnessraum im Osnabrücker Flüchtlingshaus genau richtig für ihn: "Ich trainiere so oft ich kann", sagt der junge Mann von der Elfenbeinküste. Währenddessen stemmen seine muskulösen Arme die Hantel im schnellen Takt immer wieder über seinen Kopf. "Die Ausstattung mit modernsten Geräten im Wert von rund 70.000 Euro ist top", sagt Ralph Bode, Vorsitzender des Stadtsportbundes Osnabrück. Bezahlt hat das Ganze die Til-Schweiger-Foundation mit Unterstützung eines kommerziellen Anbieters.

Der Fitnessraum ist Teil des größten Vorhabens der im vergangenen Jahr gegründeten Stiftung. Der Schauspieler hatte das Projekt bei einem Besuch in der Erstaufnahme-Einrichtung im September persönlich vorgestellt. Dazu gehört auch der demnächst beginnende Bau eines Kindergartens, für den eine halbe Million Euro zur Verfügung gestellt werden. Im Spätsommer hatte Schweiger sich in Begleitung von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) die Räumlichkeiten des ehemaligen Bundeswehrkrankenhauses zeigen lassen. Beim Blick in die einstige Garage für Militärfahrzeuge bestimmte er kurzerhand und zur Überraschung der Verantwortlichen von der Diakonie: "Hier muss ein Fitnessraum hin." Ihm sei es vor allem wichtig, dass die Flüchtlinge über den Sport eine Möglichkeit bekämen, sich abzureagieren: "Die können den ganzen Tag nur sitzen und warten und können nicht arbeiten." Schweigers Spontaneität hatte die Diakonie als Betreiber erfreut, aber zunächst auch etwas unter Druck gesetzt.

Nun stehen die Geräte endlich an Ort und Stelle. Montags, mittwochs und freitags ist der Raum geöffnet, immer unter Aufsicht eines Trainers oder Übungsleiters. Mamdou steht meistens schon vor der Tür. Er ist vor drei Monaten aus Westafrika geflohen. Seit ein paar Wochen lebt er in der Erstaufnahme-Einrichtung. "Ich will mich fit halten. Denn eigentlich spiele ich Fußball."

Bei der Suche nach einem passenden Verein hat ihm Philipp Karow geholfen. Er ist Koordinator für Flüchtlingsprojekte beim Osnabrücker Stadtsportbund. Sport hält er für einen wichtigen Integrationsmotor. "Da spielen sprachliche Barrieren keine Rolle." Der Landessportbund Niedersachsen finanziert Karows halbe Stelle. Auch in Hannover, Lüneburg und demnächst in Göttingen helfen Koordinatoren bei der Vermittlung zwischen Migranten und Vereinen. Im Internet unter www.sport-integriert-niedersachsen.de informiert der Sportbund über Integrationsangebote von der Nordsee bis zum Harz. Allein in Osnabrück haben mittlerweile zehn Vereine spezielle Projekte für Flüchtlinge. Auch der Leiter der Erstaufnahme-Einrichtung in Osnabrück, Konrad Bramm, hält es für wichtig, dass die Flüchtlinge Sport treiben können: "Hier leben viele Menschen unterschiedlicher Nationalitäten auf engem Raum. Die verstehen sich nicht alle immer." Beim Sport hätten sie die Chance, unabhängig von ihrer Herkunft etwas gemeinsam zu tun. "Das bringt sie einander näher."

Demnächst soll noch ein eingezäuntes Soccer-Feld zum Fußball-Spielen gebaut werden. Dafür hat sich Bundestrainer Jogi Löw stark gemacht, der sich ebenfalls für die Til-Schweiger-Foundation engagiert. Ein Basketball-Feld existiert bereits. Eine Gymnastikhalle wird überwiegend von Frauen und Kindern genutzt. Im Fitnessraum wird es in Kürze eine eigene Zeit nur für Frauen geben.

Keita Mamdou hat seinen Freund Adem Yahiya Missery mitgebracht. Er stammt aus dem Sudan und ist schon ein paar Monate länger in Deutschland. Er war im Erstaufnahmelager Braunschweig und lebt nun in einer Gemeinschaftsunterkunft in Osnabrück. Der 23-Jährige trainiert zum ersten Mal im Fitnessraum und ist begeistert. "Mein Freund hat mir gesagt: Das ist gut für Dich! Also probiere ich es heute mal aus. Und es ist richtig toll. Ich werde jetzt immer kommen."

Martina Schwager/epd

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