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Der Norden Tod eines Dealers lässt Bürgermeister keine Ruhe
Nachrichten Der Norden Tod eines Dealers lässt Bürgermeister keine Ruhe
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19:55 02.01.2017
„Ich fühle mich schuldig“, sagt der 78  Jahre alte Henning Scherf. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
Bremen

„Ich fühle mich schuldig, dass ich den Tod dieses Menschen möglich gemacht oder zumindest dieses Verfahren gerechtfertigt habe“, sagte Scherf. Mehrere Länderpolizeien hatten in den 1990er-Jahren mit dem Einsatz von Brechmitteln gegen jene Drogendealer begonnen, die bei Polizeikontrollen ihre in Kügelchen verpackten Rauschmittel verschluckten. So sollten die Drogen als Beweismittel sichergestellt werden. Der Tod des 35-jährigen mutmaßlichen Dealers in Bremen zum Jahreswechsel 2004/2005 hatte weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus Aufsehen erregt.

Ein Polizeiarzt hatte dem sich heftig wehrenden Mann aus Sierra Leone gewaltsam Wasser eingeflößt, das in die Lunge gelangte und schließlich zum Atemstillstand führte. Ziel der Maßnahme war es, damit das Erbrechen der zuvor verschluckten Drogenkügelchen zu erreichen. Der 35-Jährige starb zwei Wochen später.

Scherf sagte dazu jetzt, er habe sich immer vor die Polizei und diese Methode gestellt, auch wenn andere gesagt hätten: „Das dürft ihr nicht, das ist Folter.“ Heute räume aber auch er ein, „dass es ein Fehler war“, so Scherf in dem Interview, in dem es vor allem um das Thema Altern ging.

Prozess gegen Arzt eingestellt

2006 stufte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Zwangsvergabe von Brechmitteln als „unmenschlich und erniedrigend“ ein. Bis dahin gab es nach Berechnungen des Bremer Landgerichts allein in Bremen, Berlin, Hamburg und Frankfurt mindestens 1600 Brechmitteleinsätze, davon bis zu 5 Prozent unter Zwang. Eine unbekannte Zahl weiterer Einsätze anderenorts kam noch hinzu.

Der in Bremen verantwortliche Polizeiarzt stand dreimal wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Zwei Prozesse endeten mit Freispruch, beide Male kassierte der Bundesgerichtshof das Urteil. Das dritte Verfahren wurde 2013 gegen eine Geldauflage eingestellt. Der Arzt musste 20 000 Euro an die Mutter des Getöteten zahlen.

In dem letzten Prozess war erstmals auch Scherf als Zeuge geladen, der von 1995 bis 2005 Bürgermeister und Justizsenator war. Scherf sagte damals vor Gericht, es habe seines Wissens bis zu dem tragischen Unglücksfall keinerlei Probleme mit dem Einsatz von Brechmitteln gegeben. „Das war Alltag, strafrechtlicher und beweissichernder Alltag.“

Scherf selbst musste später 5000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen, weil er in dem Landgerichtsprozess gegen den Polizeiarzt falsche Angaben dazu gemacht hatte, warum er als Zeuge zu spät zur Verhandlung erschienen war.

Von Eckhard Stengel und Vera Jansen

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