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„Tor zur Freiheit“ bekommt Museum

Friedland „Tor zur Freiheit“ bekommt Museum

In Friedland wird in einem neuen Museum im historischen Bahnhof die Geschichte von Flucht und Vertreibung erzählt – und von den Einzelschicksalen der mehr als 4 Millionen Menschen, für die das Lager Friedland bisher zum „Tor zur Freiheit“ wurde. Am 18. März wird die Ausstellung eröffnet. 

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Kinder, die im Zweiten Weltkriegs von ihren Eltern getrennt wurden, gehören auch zur Historie des Grenzdurchgangslagers. Kurator Joachim Baur hat die Exponate zusammengestellt.

Quelle: Heidi Niemann

Friedland. Eine Puppe, ein Brustbeutel, ein Bolzenschneider, ein Koffer, eine Unterhose – derartige Gebrauchsgegenstände erwartet man nicht unbedingt in einem Museum. In Friedland (Kreis Göttingen) gehören die Gegenstände jedoch zu den beeindruckendsten Exponaten eines neues Museums. Die scheinbar unscheinbaren Dinge erzählen von Flucht und Vertreibung – und von den Einzelschicksalen der mehr als 4 Millionen Menschen, für die das Lager Friedland bisher zum „Tor zur Freiheit“ wurde. Am 18. März wird die Ausstellung eröffnet.

Das neue Museum ist im historischen Bahnhof untergebracht, der im September 1945 zur ersten Anlaufstation für Flüchtlinge, Heimkehrer und Vertriebene wurde. Allein im ersten Jahr nach der Gründung des Grenzdurchgangslagers trafen dort 500 Sonderzüge mit mehr als 420.000 Menschen ein. Immer wenn ein Zug einfuhr, läutete die Glocke, bis alle im Lager angekommen waren. Es gibt wohl kaum ein Museum, das so eng mit dem aktuellen Weltgeschehen verknüpft ist: Direkt vor dem Museum halten auch heute die Züge, in denen derzeit unter anderem Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan sitzen.

Gewaltige Bevölkerungsverschiebungen im Jahr 1945

Die Dauerausstellung unter dem Titel „Abschied – Ankunft – Neubeginn“ erzählt die Geschichte des Lagers und berichtet von den individuellen Erfahrungen von Flucht, Vertreibung, Migration und Integration. Erste Station ist die ehemalige Schalterhalle. Dort bekommt man einen Eindruck von den gewaltigen Bevölkerungsverschiebungen im Jahr 1945. Beim Rundgang wird vor allem eines deutlich: Friedland ist ein Ort, an dem Menschen und Institutionen enorme Herausforderungen bewältigt haben. Weil so viele Menschen eintrafen, wurden sie in den ersten Monaten zunächst in leerstehenden Schweineställen untergebracht. Trotz zerstörter Infrastruktur gelang es, den riesigen Ansturm zu bewältigen und in geordnete Bahnen zu lenken.

In einem Raum reihen sich Karteikästen bis unter die Decke. Sie symbolisieren die Arbeit des DRK-Suchdienstes, der dabei half, in den Kriegswirren auseinandergerissene Familien zusammenzuführen und vermisste Angehörige wiederzufinden. Die Ausstellungsmacher haben auch zahlreiche Tondokumente von Zeitzeugen zusammengetragen. „Es ist das größte Zeitzeugenprojekt in der Geschichte Niedersachens“, sagt Oliver Krüger, Projektleiter des Innenministeriums. Ein Mann erzählt, wie er als Junge mit seiner Mutter regelmäßig nach Friedland gefahren ist in der Hoffnung, dass sein Vater zurückkommt. Vergebens: Als die Busse mit den aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Soldaten eintrafen, war sein Vater nie dabei. Fotos, Tondokumente und Wochenschau-Ausschnitte vermitteln einen Eindruck von der Begeisterung, mit der die letzten Soldaten 1955 empfangen wurden. „Die Ankunft der letzten Spätheimkehrer war auch ein großes Medienereignis“, sagt der Kurator des Ausstellungsprojekts, Joachim Baur.

Friedland als Indikator für die Weltlage

Im Obergeschoss wird deutlich, wie Friedland zu einem Indikator für die Weltlage wurde. Millionen von Aussiedlern aus Osteuropa, Tausende Flüchtlinge aus Ungarn, Chile, Vietnam und Sri Lanka – für sie alle war das Lager ebenso ein Ort des Neuanfangs wie für die Einwohner des DDR-Grenzortes Böseckendorf, die in einer konzertierten Aktion in den Westen flohen. Der Bolzenschneider, mit dem sie den Zaun durchtrennten, ist in einer Vitrine ausgestellt.

Besonders eindrucksvoll ist ein kleiner Raum, in dem sieben Habseligkeiten zu sehen sind, die Menschen auf der Flucht bei sich trugen. Ein Exponat ist die Unterhose eines syrischen Flüchtlings. Die Unterhose hatte eine angenähte Geheimtasche, in der er sein Geld versteckte.

Von Heidi Niemann

Zur Eröffnung des Museums findet am 19./20. März jeweils ab 11 Uhr ein Bürgerfest statt. Besucher können bei freiem Eintritt an zahlreichen Führungen teilnehmen. Weitere Informationen finden Sie hier

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