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Um diese Kirche gibt es seit 250 Jahren Streit

Duingen Um diese Kirche gibt es seit 250 Jahren Streit

Das Schiff gehört der Kirchengemeinde – der Turm hingegen der politischen Gemeinde, dem Flecken Duingen. So ist es mittlerweile seit 250 Jahren. Der Turm müsste saniert werden. Aber wer soll das zahlen? Ein ewiger Streit ohne Aussicht auf eine baldige Lösung.

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Quelle: Ajamieh

Duingen. Es ist höchste Zeit, diesem Unsinn ein Ende zu bereiten, darin sind sich Kirchenvorsteher und Bürgermeister einig. Doch am Wie scheiden sich die Geister. Die Kirche will den Turm haben, aber nicht bezahlen. Der Flecken will den Turm loswerden – aber nicht vorher sanieren. Die Herren werden nicht handelseinig. Das war im Jahr 1760.

Gut 250 Jahre später sind die Duinger noch keinen Schritt weiter als zur Zeit Friedrichs des Großen. Wer einen Beweis für die These sucht, dass sich Geschichte wiederholt, der ist in der Katharinenkirche genau richtig, wo er auf dem Weg durch das Schiff nach vorn eine unsichtbare Grenze zwischen Staat und Kirche übertritt. Denn noch immer gehört der flache Gebäudeteil der Katharinen-Gemeinde, der Kirchturm aber dem Flecken. Und wieder können sich beide Seiten nicht übers Geld einigen.

Wolfgang Schulz sitzt in seinem Büro im Duinger Rathaus und verschränkt die Arme: „In meiner Amtszeit wird das nichts mehr!“ Schulz geht nach der Kommunalwahl im September in den Ruhestand, in den letzten Monaten sind ihm andere Projekte wichtiger. „Wir haben gute Angebote gemacht. Aber so von oben herab, wie die Kirche uns behandelt hat, wird das auch nichts mehr. Wenn die was von uns wollen, müssen sie sich bewegen.“ Den Gemeinderat weiß er dabei hinter sich.

Dabei schien vor vier Jahren ein Ende der jahrhundertelangen Trennung nah. Der damalige Pastor Andreas Pasewark beklagte den Zustand des Turms, forderte die Gemeinde zum Handeln auf und stieß auf offene Ohren. „Das lässt sich kaum mehr aufschieben“, sagte Verwaltungschef Schulz damals mit Blick auf das Dach und einige marode Fenster. Ausgiebige Verhandlungen in Duingen, Hildesheim und selbst beim Landeskirchenamt in Hannover folgten. Der klamme Flecken wollte sich zunächst mit der Kirche die Kosten teilen – geschätzt rund 250.000 Euro.

Das lehnte die Kirche ab. Wem der Turm gehöre, der sei auch dafür zuständig. Man sei gern bereit, Architekten und Denkmalschutzexperten zu empfehlen. Zudem können man sich vorstellen, „gegebenenfalls auf eine Ablösezahlung für die Übernahme zu verzichten“, erinnert sich Schulz an die Offerte der Kirche und regt sich immer noch darüber auf: „Wir sollten unseren Turm komplett sanieren und dann der Kirche überlassen“, empört er sich. 20 Kilometer weiter nördlich sitzt Helmut Jost an seinem Schreibtisch im Hildesheimer Kirchenamt und atmet einmal tief durch. Er ist für das Bauwesen im Kirchenkreis zuständig, die Duinger Kirche beschäftigt ihn seit Jahren. „Der Flecken fühlt sich von oben herab behandelt? Das wundert mich doch sehr“, sagt er. Die Kirche habe sich offen und auch großzügig gezeigt. „Ich hoffe, dass wir wieder ins Gespräch finden. Aber der Anstoß muss aus Duingen kommen.“

Der Blick in die Geschichte lässt Bürgermeister Schulz noch eine andere Variante vorschlagen, die der Kirche kaum gefallen dürfte: „Wenn wir hier von Denkmalschutz reden – wir können den Turm natürlich auch in seinen Urzustand versetzen, schließlich sah er die längste Zeit nicht so aus wie heute, sondern hatte ein flaches Satteldach. Das wäre halb so teuer.“

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