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Der Norden Dieser Wolf hat keine Scheu vor Menschen
Nachrichten Der Norden Dieser Wolf hat keine Scheu vor Menschen
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00:16 20.02.2016
Der Wolf soll sich selbst durch Würfe mit Erdklumpen nicht in die Flucht schlagen lassen haben. Quelle: Stratenschulte/Symbolfoto
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Munster

Er wurde von Kameras des Flüchtlingscamps Fallingbostel aufgezeichnet, verfolgte in der Gemeinde Breloh eine Frau mit ihrem Kind und nähert sich Menschen mittlerweile schon auf weniger als zwei Meter. Einer der Wölfe mit Sender aus dem Rudel Munster versetzt Bürger und Politiker in Aufruhr. Das Umweltministerium befürchtet, dass von diesem Tier eine Gefahr für Menschen ausgehen könne, wenn man nicht einschreite.

Der Wolf habe sich wiederholt Menschen genähert, auf bis zu 1,80 Meter, und habe sich selbst durch Würfe mit Erdklumpen nicht in die Flucht schlagen lassen, heißt es in einem Schreiben des Umweltministeriums an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), das der HAZ vorliegt. Diese Meldungen „lassen befürchten, dass von diesem Wolf Gefahren für Menschen ausgehen, wenn keine wirkungsvollen Gegenmaßnahmen getroffen werden“, heißt es in der E-Mail. Der Wolf müsse wieder lernen, „Fluchtdistanz“ zu wahren.

„Das ist nicht normal“, sagte Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz der HAZ zum Verhalten des Wolfs. Aggressivität habe das Tier bislang nicht gezeigt. Aber die Gleichmut gegenüber Menschen, „das ist das erste Mal in Deutschland, das so etwas passiert“, so die Grünen-Politikerin. Deshalb habe das Umweltministerium sich entschlossen, die neue Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf in Berlin zu kontaktieren, um weitere Schritte abzusprechen. Ob mit Gummigeschossen verscheuchen, einfangen oder abschießen – wie genau gegen den Wolf vorgegangen werden soll, das sagte Kottwitz nicht.

„Wir haben das Tier durch Peilung im Auge“

Rund um den Truppenübungsplatz Bergen wurden Mitarbeiter des Wolfsbüros bereits am Wochenende aktiv: Sie untersuchten und dokumentierten Spuren des Wolfes. Aktuell werde der Munsteraner Wolf genauer beobachtet. „Wir haben das Tier durch Peilung im Auge“, so Kottwitz.

Doch auch ohne die Funkpeilung kann man den Weg, den der Wolf in den vergangenen Tagen zurückgelegt hat, leicht nachverfolgen. Am Montag tauchte er in dem Ort Breloh nahe Munster (Heidekreis) auf und näherte sich einer Spaziergängerin mit Kinderwagen und Hund. „Die beiden Tiere standen sich Nase an Nase gegenüber“, berichtete ihr Mann der „Celleschen Zeitung“. Selbst als die Frau sich umdrehte, folgte ihr der Wolf zunächst, ehe er eine andere Richtung einschlug. Später wurde er noch von einem Anwohner fotografiert.

In der vergangenen Woche zeichneten Infrarot-Kameras das Tier auf, wie es sich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag unmittelbar an einem Zaun zur Flüchtlingsunterkunft Fallingbostel zum Schlafen hinlegte. „Der Wolf ist gut eine Stunde lang auf dem Video zu sehen“, sagte der zuständige Kasernenkommandant Olaf Lentzen der HAZ. Er habe danach den Zaun überprüfen lassen, der sei intakt. Im Flüchtlingscamp selbst sei das Tier nicht gewesen. Die Bewohner habe er nicht informiert. „Noch ist dieser Wolfsbesuch ein Einzelfall.“ Doch sollte das Tier öfter in der Nähe der Unterkunft auftauchen, will Lentzen den Landrat einschalten und notfalls auch fordern, den Wolf zu entfernen.
Im Januar hatte die Begegnung zwischen einem Wolf mit Sender und einem Hund in Wardböhmen (Kreis Celle) Schlagzeilen gemacht.

Die Problemwölfin aus Goldenstedt

Schon im vergangenen Jahr war der Streit um eine Wölfin groß. Die Problemwölfin von Goldenstedt aus dem Landkreis Vechta entzweite Schäfer und Umweltministerium.

Immer wieder hatte das Tier Schafe gerissen und ließ sich auch durch hohe Zäune und Passanten nicht stören. Wie oft die Wölfin zuschlug, darüber gehen die Meinungen stark auseinander. Das Wolfsbüro des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) spricht von 31 toten Tieren, die der Wölfin eindeutig zuzuordnen seien. Laut den Schäfern sollen es über 80 Schafe gewesen sein.

Die Tierhalter forderten, den Wolf zu schießen, das lehnte der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) mehrmals ab. Der Abschuss sei nur die allerletzte Möglichkeit. Nun ist geplant, das Tier mit einem Sender auszustatten. Die Ausschreibung dafür läuft aber noch.

von Manuel Lauterborn und Heiko Randermann 

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