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Der Norden Unbekannter erschießt Seeadler-Weibchen
Nachrichten Der Norden Unbekannter erschießt Seeadler-Weibchen
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00:16 19.02.2016
Derzeit gibt es 44 Seeadler-Paare in Niedersachsen. Die Tiere gehören zu einer geschützten Art. Quelle: Patrick Pleul
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Balje

Seeadler gelten als äußerst gefährdet. In Niedersachsen gibt es derzeit noch 44 Paare. „Hier zählt jedes einzelne Tier“, sagt Peter Görke von der Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen (AAN). Das Weibchen nahe Balje habe noch einen Ast im Schnabel gehabt, es sei während des Nestbaus abgeschossen worden. Das Projektil, das bislang nicht gefunden wurde, habe die rechte Schulter durchbohrt und sei an der linken Hüftseite wieder ausgetreten. Nun soll das Seeadler-Weibchen im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin untersucht werden.

Für den Nabu sind tote Greifvögel kein Einzelfall. Obwohl sie streng geschützt seien, habe es in den vergangenen 15 Monaten in Niedersachsen neun weitere Fälle gegeben, in denen versucht worden sei, die Tiere mit Fallen oder per Abschuss zur Strecke zu bringen. Bundesweit seien es sogar 51 Fälle gewesen. Der Nabu hat auch eine Begründung dafür: Die Tötungen hätten durch den Ausbau der Windkraft zugenommen, stellen die Naturschützer fest.

Beim Bau neuer Windräder müssen je nach Vogelart bestimmte Abstände zu den Lebensräumen der Tiere gewahrt werden. Die Staatlichen Vogelschutzwarte der Länder empfehlen etwa 500 Meter beim Baumfalken, einen Kilometer beim Uhu und beim Seeadler drei Kilometer Abstand zwischen Windkraftanlage und Vogelhorst. Seit 2010 gibt es laut Nabu 40 Fälle, bei denen der Verdacht besteht, dass Horste zerstört wurden, um ein Hindernis für Windkraftanlagen aus dem Weg zu räumen.

Nahe Balje wurden in den Jahren 2004 und 2005 insgesamt vier Seeadler vergiftet. „Dass auch hier Tiere abgeschossen werden, damit hätte ich nie gerechnet“, sagt Vogelexperte Görke, der den Bezug zur Windkraft ebenfalls herstellt. „Überall, wo es Windkraft gibt, haben wir auch Probleme mit den geschützten Tierarten.“

„Einen guten Kilometer Luftlinie“: So schätzt Hermann Bösch, Bürgermeister von Balje, die Distanz zwischen dem Horst des Seeadler-Weibchens und dem Windpark Hörne ein. Der Windpark wurde allerdings bereits 1999 gebaut, noch bevor die Greifvögel in diesem Gebiet nisteten.

Jetzt beginnt die Suche nach dem Täter. Wird er gefasst, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Für Hinweise haben mehrere Vereine und Spender eine Belohnung in Höhe von insgesamt 10 000 Euro ausgesetzt. Eine vom Nabu geforderte Schwerpunktstaatsanwaltschaft, die Umweltstrafsachen aus ganz Niedersachsen gebündelt bearbeiten würde, lehnt das Land allerdings ab. Ein erhöhtes Kriminalitätsaufkommen könne nicht festgestellt werde, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums. Den aktuellen Fall verurteilten aber sowohl das Landwirtschafts- als auch das Umweltministerium als „einen Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten“.

von Manuel Lauterborn und Heiko Randermann

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