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Der Norden Führen zwei Haare zum vierfachen Mörder?
Nachrichten Der Norden Führen zwei Haare zum vierfachen Mörder?
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00:15 16.12.2016
Mitten im Wald, in der sogenannten Göhrde bei Lüchow-Dannenberg, lagen
 1989 zwei getötete Paare – der Mörder ist auch 27 Jahre später unbekannt. Quelle: dpa
Lüchow Dannenberg

Als 1989 im Waldgebiet Göhrde im Landkreis Lüchow-Dannenberg innerhalb weniger Wochen zwei Liebespaare brutal ermordet wurden, begann Jens Fuhrmann gerade sein Studium in Lüneburg. Er erinnert sich genau an die Angst und Aufregung, die sich breitmachten. „Aber jeder hat angenommen, dass die Polizei den Täter schnell finden würde.“ Doch sie fand ihn nicht – bis heute. Die als Göhrde-Morde bekannt gewordenen Gewalttaten sind nach 27 Jahren immer noch ungeklärt.

Warum sind die Ermittlungen der Polizei bisher ergebnislos? Wie passen all die kuriosen Zufälle und Parallelen der Fälle zusammen? Diese Frage treibt den heute 50-jährigen Fuhrmann immer noch um. Er hat sich privat auf Spurensuche begeben, seine Recherchen zu den Göhrde-Morden füllen dicke Ordner, auf einer Internetseite sammelt er Informationen. „Ich will den Fall nicht lösen, aber etwas in Bewegung bringen.“ Mittlerweile hat auch die Polizei den Fall neu aufgerollt, und neue Spuren wecken leise Hoffnungen.

Die Toten lagen schon länger

Zum Ort des Schreckens wurde die Göhrde am 12. Juli 1989: Auf einer Lichtung in dem Waldgebiet finden drei Beerensammler zwei Leichen, von Ästen und Reisig überdeckt. Tiere haben die Körper angefressen – sie müssen bereits länger dort liegen. Bei den Toten handelt es sich um ein Ehepaar aus Hamburg, den 51-jährigen Peter Reinold und seine 45-jährige Frau Ursula. Seit dem 21. Mai galten die beiden als vermisst, ihr Auto wird nach wenigen Tagen im 60 Kilometer entfernten Winsen/Luhe gefunden. An der Kopfstütze des Fahrersitzes finden die Beamten zwei Haare. Wenige Tage später wird bekannt, dass in der Göhrde ein weiteres Paar umgebracht und verstümmelt worden ist. Tatzeitpunkt ist der 12. Juli – ausgerechnet der Tag, an dem die Polizei den Wald auf der Suche nach Indizien für den ersten Mordfall durchstreift hatte. Der Mörder hat den Bezirksvertreter der Zahlenlotterie in Uelzen, Bernd-Michael Köpping, erschossen und seine Begleiterin, die 45-jährige Ingrid Warmbier, erschlagen.

Schnell ist klar: Es muss einen Zusammenhang zwischen den Gewaltakten geben. Die Lüneburger Polizei verstärkt die Sonderkommission auf 27 Beamte, die mit Reiterstaffeln und Fußstreifen die Göhrde durchkämmen. Hinweise zur Aufklärung der Morde werden mit 50 000 Mark belohnt. Wo sonst Wanderer im Grün Erholung suchen, stehen Kolonnen von Polizeifahrzeugen. Am 1. Dezember 1989 sucht die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ nach Hinweisen.

War es ein Auftragsmord?

Jens Fuhrmann hat mit den Polizeibeamten von damals gesprochen. Auch sie beschäftigt bis heute, dass der Fall noch immer ungelöst ist. „Ich recherchiere auch für sie“, sagt der Lüneburger Unternehmensberater. Er hat mit den Angehörigen der Opfer gesprochen und ist viele Stunden lang durch die düstere Göhrde gestreift. Immer wieder hat Fuhrmann die Taten rekonstruiert – er hat Strecken ausgemessen, den Sonnenstand beobachtet, die Zeit gestoppt. „Für mich setzt sich langsam vieles wie ein Puzzle zusammen“, sagt er, auch wenn er mit seinen Erkenntnissen oft allein ist. Aufmerksam verfolgt er die Ermittlungen der Polizei. Sie hat im vergangenen Februar eine zweiköpfige Sonderermittlungsgruppe eingerichtet, um die Fälle erneut aufzurollen. Fuhrmann glaubt, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis sie gelöst sind.

Alle Hoffnungen hängen derzeit an den zwei Haaren aus dem Fahrzeug des ersten Opferpaares. Die Polizei Lüneburg bewahrt sie auf – so lange bis die Kriminaltechnik den wurzellosen Strähnen die wichtige DNA entlocken kann.
Darüber, wer der Mörder ist, gab es immer wieder Spekulationen. Bei den entsetzten Bewohnern rund um den Tatort nährten die ungelösten Mordfälle früh Gerüchte. Fuhrmann kennt sie alle. Hinter vorgehaltener Hand sprach man von einem Auftragsmörder, der eigentlich auf das unverheiratete Paar Köpping und Warmbier angesetzt worden war, und sich beim ersten Doppelmord schlichtweg in den Personen getäuscht hatte. „Das hält sich hier so“, beobachtet Fuhrmann, der seine Recherchen in einem Buch zusammengeschrieben hat. „Der Auftragsmord, der keiner war“ soll im kommenden Jahr erscheinen.
Der Theorie vom Friedhofsgärtner als Serienkiller steht der leidenschaftliche Ermittler skeptisch gegenüber: „Das wäre viel zu einfach.“ Im Frühjahr 2016 hieß es, neue Spuren zum Göhrde-Mörder seien aufgetaucht. Schon früh war Kurt-Werner W., ein polizeibekannter Sexualstraftäter, ins Visier der Ermittlungen gerückt. Doch für die Göhrde-Morde fehlten konkrete Hinweise. 1993 beging er Selbstmord. 13 Jahre später führte jedoch die Spur einer Sonderkommission im Fall der 1989 ebenfalls im Raum Lüneburg verschwundenen Birgit Meier wieder zu ihm. Und plötzlich waren Verbindungen zu weiteren Tötungsdelikten denkbar. Was, wenn der Friedhofsgärtner Birgit Meier und die beiden Paare ermordet hat?

Polizei prüft die Akte erneut

„Es wird geprüft, ob es auch eine Verbindung zum Mordfall Birgit Meier und dem involvierten Kurt-Werner W. gibt“, sagt Kai Richter von der Polizeidirektion Lüneburg. Fuhrmann hält die Spur für wenig plausibel: „Das Täterverhalten passt nicht. W. hat ein anderes Strafregister – er ist kein Serienmörder.“

Die Ermittlungskommission Göhrde geht vielen Spuren nach. Sie hat sich die Akte erneut vorgenommen, außerdem werden verschiedene Beweismittel von damals mit moderner Kriminaltechnik auf Spuren untersucht. Zu Ergebnissen schweigt die Polizei. „Wenn es eine Chance gibt, dann ist es die DNA“, sagt Fuhrmann. Seine Euphorie spart sich der in seiner Stadt als „Göhrde-Jäger“ bekannte Fuhrmann auf: „Für den Moment, in dem alles bewiesen ist.“

Linda Tonn

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