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Vamos, ab ins Emsland!

Nachwuchsmangel Vamos, ab ins Emsland!

Im Emsland finden mittelständische Unternehmen keinen Nachwuchs - und wollen jetzt junge Spanier anwerben. Nach Praktikum und Deuschkursus haben sie Chance auf einen Ausbildungsplatz.

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Bietet Ausbildungsplätze in einem hoch spezialisierten Unternehmen: Heinrich Wagener aus Sögel mit seinem Azubi Heinz Oldiges, der eine energiesparende Ablufthaube für Kreuzfahrtschiffe zusammenbaut.

Sögel/Dörpen. Wenn man den Ausbildungsmarkt im westlichen Niedersachsen mit dem Gezerre um junge Talente im Profifußball vergleicht, dann könnte man sagen, die Unternehmer aus dem Emsland steigen in das internationale Transfergeschäft ein. Die Auftragsbücher sind voll, die Nachfrage nach jungen Auszubildenden ist groß, und doch finden viele Unternehmen im Emsland kaum noch jungen Leute, die eine Ausbildung im Handwerk absolvieren wollen. „Die besten sind gleich weg, das ist wie im Fußball“, sagt Heinz-Hermann Husmann, der in Dörpen Anlagen und Geräte für die Entsorgungswirtschaft und Recyclingtechnik baut.

Gegen die ganz großen Unternehmen im Emsland wie die Meyer Werft in Papenburg oder Nordland Papier in Dörpen kann der Mittelständler mit 110 Angestellten um die Azubis nicht konkurrieren: „Die schließen schon Verträge in den Schulen ab.“ Er sucht derzeit Kandidaten für fünf Ausbildungsplätze. Darum schaut sich Husmann jetzt in Spanien um.

Ein Pilotprojekt soll Unternehmern wie Husmann dort bei der Suche helfen. Es nennt sich „Internationale Ausbildungsoffensive“ und fußt auf einer bestechenden Idee: Im Emsland, wo bei drei Prozent Arbeitslosigkeit quasi Vollbeschäftigung herrscht, fehlen Fachkräfte, während in der spanischen Region Murcia fast die Hälfte der Jugendlichen ohne Chance auf einen Ausbildungsplatz ist.

14 junge Spanier kommen nach Ostern ins Emsland - zunächst für ein Praktikum und einen Deutschkursus, und wenn sie bleiben wollen, dann können sie im August eine Ausbildung beginnen. 120 junge Spanier hatten Interesse signalisiert, 70 ernsthafte Bewerbungen sind bei der Unternehmergemeinschaft „Wachstumsregion Ems-Achse“ in Papenburg eingetroffen, etwa 30 Unternehmen wollen einen Spanier einstellen. „Wir sind optimistisch, dass wir bis zum Ausbildungsbeginn am 1. August weitere Kandidaten mit Deutschkenntnissen finden“, sagt der Geschäftsführer der „Ems-Achse“, Dirk Lüerßen. Noch unbesetzte Ausbildungsplätze werden über die Partner der „Ems-Achse“ in Spanien und die spanische Botschaft weiter angeboten.

Husmann steht seit einigen Wochen im Kontakt mit einem jungen Mann aus Spanien, der bereits eine Lehre als Schweißer abgeschlossen hat. „Ich kann mich nicht beschweren“, sagt David Martínez Sánchez. „Ich habe Arbeit in einem Supermarkt“, was besser sei als arbeitslos zu sein. Dennoch hat er den Job als Kassierer gekündigt, um ins Emsland zu kommen. „In Spanien sehe ich keine Zukunft.“ Im Emsland schon.

Das ist das Ziel: Die Azubis aus Spanien sollen bleiben und den Mangel an Fachkräften zumindest verkleinern. Sie erhalten hier die dreijährige Ausbildung im Unternehmen und in der Berufsschule. Sie bekommen das volle Tarifgehalt und sogar 350 Euro extra, für die die Unternehmen aufkommen.

„Wir brauchen die Spanier langfristig“, sagt der Samtgemeindebürgermeister von Sögel, Günter Wigbers. Darum müsse man die jungen Leute auch integrieren. „Nach Feierabend ist Deutschland auch noch ein fremdes Land.“ Entscheidend werde daher sein: „Wie kommen die jungen Spanier hier klar? Wie kommen die Unternehmen mit ihnen zurecht? Und wie wirkt der kulturelle Unterschied?“ Dennoch ist er zuversichtlich, dass das Projekt ein Erfolg wird, allein im Interesse des Wachstums in der Region: „Die Unternehmen könnten mehr aufträge abwickeln, wenn sie mehr Leute hätte.“ Wigbers hatte im vergangenen Dezember die Idee zum Spanien-Projekt, nachdem er in der Zeitung von der hohen Jugendarbeitslosigkeit in der Region Murcia gelesen hatte. „Das System ist einfach: Hier haben wir Bedarf - dort gibt es einen Überhang.“

Dringenden Bedarf meldet auch Heinrich Wagener aus Sögel an. Drei Stellen hat er zu besetzen in einem Unternehmen, das jungen Leuten eine echte Perspektive bietet. Der Ingenieur stellt in seinem Unternehmen hoch spezialisierte, patengeschützte Sonderkonstruktionen her, wie etwa eine für die Meyer Werft in Papenburg entwickelte Ablufthaube. Die Energiesparhauben könnten, wenn sie ausgereift sind, zum Beispiel in die Küchen der Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft eingebaut. „Weniger Luft muss aufbereitet werden, das spart Energie und Treibstoff“, sagt Wagener. Er beschäftigt derzeit 40 Mitarbeiter sucht dringend zwei bis drei Azubis, die im Unternehmen bleiben sollen. „Bis vor drei Jahren hatte ich noch das Doppelte bis Dreifache an Bewerbern“, sagt der Unternehmer. Im vergangenen Jahr waren es drei, in diesem Jahr lag nur eine Bewerbung auf seinem Schreibtisch. Auch Wagener würde einen jungen Menschen aus Spanien einstellen, wenn er einen geeigneten Interessenten fände. Er hatte einen jungen Mann im Auge, den er zum Konstruktionsmechaniker ausbilden wollte. Der Spanier hat im letzten Moment einen Rückzieher gemacht. Dennoch glaubt Wagener an das Projekt: „Ich bin überzeugt, dass das klappt.“

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