Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Vater wegen Baby-Misshandlung verurteilt

Hamburger Landgericht Vater wegen Baby-Misshandlung verurteilt

Der Richter ringt angesichts der Tat um Worte: Ein junger Vater schüttelt sein erst drei Monate altes Baby so heftig, dass es seitdem blind, taub und gelähmt ist. Wegen dieser schweren Misshandlung hat das Hamburger Landgericht den 27-Jährigen nun zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt.

Voriger Artikel
Flammen zerstören Ferienhaus
Nächster Artikel
Handwerker unter Kellergewölbe verschüttet

Der Angeklagte Sascha K. (links) steht neben seinem Anwalt Peter Jacobi (rechts) und einem Referendar aus der Kanzlei von Jacobi. Er wurde zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt.  

Quelle: dpa/Archiv

Hamburg. Der 27-Jährige aus Hamburg-Finkenwerder habe sich der schweren Misshandlung Schutzbefohlener und der schweren Körperverletzung schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Weißmann am Donnerstag bei der Urteilsverkündung.

Nach Überzeugung der Strafkammer schüttelte der Vater das Baby in der Nacht zum 29. April so heftig, dass es gravierende Hirnschäden erlitt. Das Kind ist seitdem schwerstbehindert und liegt auf einer Palliativstation.

Staatsanwaltschaft prüft Antrag auf Revision

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von acht Jahren Haft gefordert, die Nebenklage mindestens zehn Jahre. Der Verteidiger hatte auf fünf Jahre Haft plädiert. Das Gericht verurteilte den Angeklagten auch zu einer Therapie in einer Alkoholentzugsklinik. Zunächst müsse er aber 21 Monate im Gefängnis verbringen. Ferner muss der Vater seinem Kind 100.000 Euro Schmerzensgeld zahlen und weitere Kosten übernehmen. 

Der Angeklagte nahm das Urteil an. Die Staatsanwaltschaft werde einen Antrag auf Revision prüfen, sagte ein Sprecher der Behörde. Die Vertreterin der Nebenklage deutete an, dass sie das Urteil akzeptieren könnte.

Vater schüttelte Baby mindestens fünf Minuten lang

Zu Beginn der Urteilsbegründung erklärte Weißmann, die Strafkammer habe schon viele Grausamkeiten gehört, aber dieser Fall überschreite alles. "Es fällt mir schwer, das Geschehene in Worte zu fassen." Nach Überzeugung des Gerichts steht fest, dass der Angeklagte sein Kind in der Nacht aus dem Bett nahm und es mindestens fünf bis zehn Minuten lang kräftig hin- und herschüttelte. Es habe nach Angaben einer Gutachterin 10 bis 30 Schüttelbewegungen gegeben, wobei der Kopf des Säuglings peitschenartig vor- und zurückgeschnellt sein müsse.

Warum der Vater das Kind so heftig schüttelte, blieb im Prozess unklar. Der Angeklagte hatte in der Nacht auf Facebook gepostet, dass er "stinksauer" sei. Er hatte vor Gericht auch angegeben, dass er das Baby anfangs nicht leiden konnte und eifersüchtig gewesen sei. An das Schütteln konnte sich er sich nicht erinnern, er hatte aber zugegeben, das schlafende Kind nachts aus dem Bettchen im Kinderzimmer genommen zu haben. 

Weil es weinerlich war, sei er wütend geworden und habe dem Baby ein bis drei Schläge mit dem Handballen gegen den Kopf gegeben. Diese Misshandlung ist nach Überzeugung der Gutachter aber nicht die Ursache für die schweren Hirnverletzungen. Als der Vater das Kind am nächsten Morgen wieder hochnahm, sackte es zusammen und atmete nicht mehr. Er weckte die Mutter und alarmierte die Rettungskräfte. Das Geständnis und die Rettungsbemühungen wertete das Gericht zugunsten des Angeklagten. Der Richter erklärte zudem: "Dass Sie reuig sind, nehmen wir Ihnen ab."

Kind ist blind, taub und teilweise gelähmt

Gegen den 27-Jährigen sprächen aber die schweren Folgen der Tat. Aufgrund des Schütteltraumas sei die Großhirnrinde des Kindes praktisch verschwunden. Das Kind sei blind, taub und an Armen und Beinen spastisch gelähmt. Es sei bereits siebenmal operiert worden. Die Schäden seien aber nach Auskunft der Ärzte irreversibel.

Vor der Tat hatten Vater und Mutter den ganzen Tag über am PC und Handy gespielt, viel Alkohol getrunken und sich schließlich gestritten. Aufgrund des Alkoholkonsums in Verbindung mit einer Persönlichkeitsstörung sah das Gericht eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit. Die Kammer sei auch deswegen unter der Strafforderung der Staatsanwaltschaft geblieben, weil der Angeklagte noch eine Haftstrafe von 15 Monaten in Belgien zu verbüßen habe.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der Norden

Finden Sie, dass es momentan zu viele schlechte Nachrichten gibt? Das möchten wir gerne ändern, und zwar mit Ihrer Hilfe. Gemeinsam mit dem NDR, den Kieler Nachrichten, der Ostsee-Zeitung in Rostock und dem Hamburger Abendblatt sammeln wir die guten Nachrichten der Leser und Hörer. Teilnehmer können einen exklusiven Besuch der Elbphilharmonie in Hamburg gewinnen.  mehr

So schön ist Niedersachsen aus der Luft

Von Harz über Heide bis zur Nordsee: Die schönsten Luftaufnahmen von Niedersachsen.

Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
Eislandschaften in Niedersachsen

Mit der Kamera festgehalten: Frostiges Niedersachsen bei Minusgraden.