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Der Norden Vater wegen Baby-Misshandlung verurteilt
Nachrichten Der Norden Vater wegen Baby-Misshandlung verurteilt
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16:35 26.11.2015
Der Angeklagte Sascha K. (links) steht neben seinem Anwalt Peter Jacobi (rechts) und einem Referendar aus der Kanzlei von Jacobi. Er wurde zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt.   Quelle: dpa/Archiv
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Hamburg

Der 27-Jährige aus Hamburg-Finkenwerder habe sich der schweren Misshandlung Schutzbefohlener und der schweren Körperverletzung schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Weißmann am Donnerstag bei der Urteilsverkündung.

Nach Überzeugung der Strafkammer schüttelte der Vater das Baby in der Nacht zum 29. April so heftig, dass es gravierende Hirnschäden erlitt. Das Kind ist seitdem schwerstbehindert und liegt auf einer Palliativstation.

Staatsanwaltschaft prüft Antrag auf Revision

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von acht Jahren Haft gefordert, die Nebenklage mindestens zehn Jahre. Der Verteidiger hatte auf fünf Jahre Haft plädiert. Das Gericht verurteilte den Angeklagten auch zu einer Therapie in einer Alkoholentzugsklinik. Zunächst müsse er aber 21 Monate im Gefängnis verbringen. Ferner muss der Vater seinem Kind 100.000 Euro Schmerzensgeld zahlen und weitere Kosten übernehmen. 

Der Angeklagte nahm das Urteil an. Die Staatsanwaltschaft werde einen Antrag auf Revision prüfen, sagte ein Sprecher der Behörde. Die Vertreterin der Nebenklage deutete an, dass sie das Urteil akzeptieren könnte.

Vater schüttelte Baby mindestens fünf Minuten lang

Zu Beginn der Urteilsbegründung erklärte Weißmann, die Strafkammer habe schon viele Grausamkeiten gehört, aber dieser Fall überschreite alles. "Es fällt mir schwer, das Geschehene in Worte zu fassen." Nach Überzeugung des Gerichts steht fest, dass der Angeklagte sein Kind in der Nacht aus dem Bett nahm und es mindestens fünf bis zehn Minuten lang kräftig hin- und herschüttelte. Es habe nach Angaben einer Gutachterin 10 bis 30 Schüttelbewegungen gegeben, wobei der Kopf des Säuglings peitschenartig vor- und zurückgeschnellt sein müsse.

Warum der Vater das Kind so heftig schüttelte, blieb im Prozess unklar. Der Angeklagte hatte in der Nacht auf Facebook gepostet, dass er "stinksauer" sei. Er hatte vor Gericht auch angegeben, dass er das Baby anfangs nicht leiden konnte und eifersüchtig gewesen sei. An das Schütteln konnte sich er sich nicht erinnern, er hatte aber zugegeben, das schlafende Kind nachts aus dem Bettchen im Kinderzimmer genommen zu haben. 

Weil es weinerlich war, sei er wütend geworden und habe dem Baby ein bis drei Schläge mit dem Handballen gegen den Kopf gegeben. Diese Misshandlung ist nach Überzeugung der Gutachter aber nicht die Ursache für die schweren Hirnverletzungen. Als der Vater das Kind am nächsten Morgen wieder hochnahm, sackte es zusammen und atmete nicht mehr. Er weckte die Mutter und alarmierte die Rettungskräfte. Das Geständnis und die Rettungsbemühungen wertete das Gericht zugunsten des Angeklagten. Der Richter erklärte zudem: "Dass Sie reuig sind, nehmen wir Ihnen ab."

Kind ist blind, taub und teilweise gelähmt

Gegen den 27-Jährigen sprächen aber die schweren Folgen der Tat. Aufgrund des Schütteltraumas sei die Großhirnrinde des Kindes praktisch verschwunden. Das Kind sei blind, taub und an Armen und Beinen spastisch gelähmt. Es sei bereits siebenmal operiert worden. Die Schäden seien aber nach Auskunft der Ärzte irreversibel.

Vor der Tat hatten Vater und Mutter den ganzen Tag über am PC und Handy gespielt, viel Alkohol getrunken und sich schließlich gestritten. Aufgrund des Alkoholkonsums in Verbindung mit einer Persönlichkeitsstörung sah das Gericht eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit. Die Kammer sei auch deswegen unter der Strafforderung der Staatsanwaltschaft geblieben, weil der Angeklagte noch eine Haftstrafe von 15 Monaten in Belgien zu verbüßen habe.

dpa

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