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Geheimnisverrat nach Rachemord?

Verdener Oberstaatsanwalt vor Gericht Geheimnisverrat nach Rachemord?

Es geht um einen Rachemord an einem Blumenhändler in Schwanewede bei Bremen, Recherchen einer Journalistin zu Ermittlungsfehlern in dem Fall – und genervte Polizisten, die daraufhin das Telefon der Redakteurin des „Weser Kurier“ abhören wollten. Jetzt steht ab März ein ehemaliger Verdener Oberstaatsanwalt vor Gericht.

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Verdener Oberstaatsanwalt vor Gericht: Er soll interne Informationen an eine Journalistin verraten haben

Quelle: dpa (Symbolbild)

Verden. Der 59 Jahre alte Jurist soll das Abhör-Ansinnen der beiden hochrangigen Polizisten der Polizeiinspektion Verden/Osterholz abgelehnt und dann an die Zeitung verraten haben. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg wirft ihm daher die Verletzung von Dienstgeheimnissen vor. Dem ehemaligen Oberstaatsanwalt Hansjürgen S. drohen bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Am 30. Januar 2009 war der 43 Jahre alte Blumenhändler Hussein E. auf offener Straße mit elf Schüssen hingerichtet worden – offenbar aus Rache von Mitgliedern eines kurdisch-libanesischen Familienclans aus Bremen. E., den in Schwanewede alle nur „Rocco“ nannten, war Jahre zuvor an einer Messerstecherei in Bremen beteiligt gewesen, bei der ein 18-jähriges Mitglied des Clans ums Leben kam. Knapp zwei Monate nach dem Rachemord konnte die Polizei einen Tatverdächtigen ermitteln, doch der damals 47 Jahre alte Heisem M. setzte sich in die Türkei ab. Dort ist er für deutsche Ermittlungsbehörden seither nicht greifbar. Der Haftbefehl ist inzwischen aufgehoben.

Im Jahr 2009 berichtete der „Weser Kurier“ breit über den Rachemord und veröffentlichte dabei auch immer wieder Interna aus den Ermittlungen. Eine der Geschichten handelte etwa davon, dass die Polizei schon Monate vor der Tat Erkenntnisse darüber gehabt haben soll, dass der Blumenhändler Hussein E. in Lebensgefahr schwebte.
Die beiden Ermittler Martin E. und Uwe J. waren genervt. Sie sprachen Ende März 2009 bei der Verdener Staatsanwaltschaft vor. Man möge die Telefonverbindungen der Bremer Journalistin auswerten und auch bei ihr eine Durchsuchung durchführen, um den Informanten zu enttarnen. Die zuständige Staatsanwaltschaft Verden lehnte unter Hinweis auf die Pressefreiheit ab.

So steht es in einem Vermerk, den Oberstaatsanwalt Hansjürgen S. laut „Weser Kurier“ am 1. April 2009 anfertigte. Etwa zwei Jahre später wurde er der Bremer Tageszeitung zugespielt. Sie brachte ihn im April 2011 auf ihrer Titelseite: „Polizeibeamte wollten ,Weser-Kurier‘ bespitzeln“. Das Landgericht Verden hatte die Anklage gegen den Oberstaatsanwalt zunächst mangels hinreichenden Tatverdachts abgelehnt, die Staatsanwaltschaft beschwerte sich darüber beim Oberlandesgericht Celle, das die Hauptverhandlung in Lüneburg eröffnete. Wegen Überlastung des Gerichts beginnt der Prozess nun erst im März.

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