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Der Norden Nordsee wird für Pottwale zur Todesfalle
Nachrichten Der Norden Nordsee wird für Pottwale zur Todesfalle
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00:17 16.01.2016
Von Michael B. Berger
„Es tut weh, sie tot am Strand zu sehen“: Einer der Pottwale vor Wangerooge. Die Tiere sollen nun zerlegt werden. Quelle: Peter Kuchenbuch-Hanken
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Wangerooge

Staatssekretärin Almut Kottwitz hat in ihrem Leben schon Einiges gesehen - einen gestrandeten Pottwal allerdings diese Woche zum ersten Mal. „Das sind schon wunderschöne Tiere“, sagt die Umweltbeamtin. „Da tut es einem richtig weh, sie tot am Strand liegen zu sehen.“

Das Exemplar, das Kottwitz diese Woche am Strand von Wangerooge besichtigte, dürfte eines von elf jungen Pottwallbullen gewesen sein, deren Reise in die Arktis in der Nordsee tödlich endete. Das durchschnittlich knapp 100 Meter tiefe Meer ist für die Wale „meist die Todesfalle“, sagt Kottwitz, da sie gewohnt seien, sich in wesentlich tieferen Gewässern zu orientieren. Außer den auf Wangerooge gelandeten Walkadavern tauchten zwei tote Tiere mittlerweile vor Helgoland auf, ein weiteres nahe Büsum, eines in der Wesermündung sowie fünf auf der niederländischen Insel Texel. Ob über diese elf Tiere hinaus noch weitere Pottwale in der Nordsee gescheitert sind, soll ein Überwachungsflug zeigen, der am heutigen Donnerstag stattfinden werde, erläuterte Kottwitz.

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Die Staatssekretärin aus dem Niedersächischen Umwelt Ministerium, Almut Kottwitz, besucht die gestrandeten Wale. Das Ministerium prüft, wie die Tiere fachgerecht geborgen und entsorgt werden können.

Die Wale vor Helgoland wurden mittlerweile aus der See gezogen, damit sie nicht zu Hindernissen im Schiffsverkehr werden. Die Wanderooger Wale sollen zerlegt werden. Das Skelett eines der beiden Tiere soll präpariert und später auf Wangerooge ausgestellt werden. Kottwitz schätzt, dass das Land Niedersachsen rund 80 000 Euro zahlen muss, um die Wale zu zerlegen und zu präparieren. Die Reste des zweiten jungen Pottwales sollen von einem holländischen Spezialisten zerlegt werden, bevor sie in der Tierkörperbeseitigungsanstalt in Ostfriesland enden.

Zuvor musste der holländische Spezialist allerdings noch mit einem langen Speer anrücken, um den riesigen Walkadaver, in dem sich Fäulnisgase gebildet haben, zu „entlüften“, wie Kottwitz sagt. Das Wort von der „Walexplosion“ kommt der feinfühligen Beamtin dann doch zu gewaltig vor, obwohl Youtube-Dokumentationen von ähnlichen „Entlüftungen“ auf den Faröern zeigen, wie explosionsartig die riesigen Walgedärme nach außen platzen können. Die „Entgasung“ auf Wangerooge verlief komplikationsfrei, hieß es indes am Abend.

Die Umweltfachfrau glaubt übrigens nicht, dass der rege Schiffsverkehr oder Umweltbelastungen die Tiere orientierungslos gemacht hatten. Das Phänomen des Walsterbens sei bereits seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Seit 1990 seien insgesamt 80 Pottwale an den Küsten Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande gefunden worden, heißt es beim Nationalpark Wattenmeer. Die Experten dort rechnen damit, dass alle diese Woche aufgefundenen Wale zu einer Gruppe gehören, die auf dem Weg vom bis zu neun Kilometer tiefen Atlantik ans Nordkap vor England falsch abgebogen sind. „Tragisch“, findet Kottwitz.

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