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Der Norden „Salafistische Zentren erhalten regen Zulauf“
Nachrichten Der Norden „Salafistische Zentren erhalten regen Zulauf“
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00:17 02.01.2016
Beobachtet einen regen Zulauf bei Salafisten: Verfassungsschutzpräsidentin Maren Brandenburger. Quelle: dpa/Archiv
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Hannover

Der Prozess gegen zwei Syrien-Rückkehrer aus Wolfsburg ist gerade mit einer Haftstrafe für die beiden jungen Angeklagten ausgegangen. Wie viele Niedersachsen sind bislang in den Krieg in Syrien ausgereist?

Derzeit sind den niedersächsischen Sicherheitsbehörden, also Polizei und Verfassungsschutz, mehr als 65 Islamisten aus Niedersachsen bekannt, die in Richtung Syrien und Irak ausgereist sind. Unter den Ausgereisten befinden sich etwa zehn Personen, die an Hilfskonvois in Richtung Syrien teilgenommen haben. Die Feststellung, ob die Zielrichtung eines Konvois die humanitäre Hilfe oder aber eine dschihadistische Unterstützung beinhaltet, ist im Einzelfall nur schwer möglich. Die weiteren Personen sind ausgereist, um sich tatsächlich oder mutmaßlich an Kampfhandlungen terroristischer Organisationen zu beteiligen oder sich auf andere Weise dem Widerstand gegen das Assad-Regime anzuschließen. Nicht in allen Fällen liegen Erkenntnisse vor, dass sich diese Personen tatsächlich in Syrien aufhalten oder aufgehalten haben.

Wie viele Rückkehrer gibt es?

Insbesondere Rückkehrer aus dem Kriegsgebiet stehen im Fokus der niedersächsischen Sicherheitsbehörden. Circa 20 der ausgereisten Islamisten aus Niedersachsen sind zwischenzeitlich zurückgekehrt. Unter den Rückkehrern befinden sich auch die etwa zehn Konvoi-Teilnehmer. Zu Personen im niedrig einstelligen Bereich liegen Erkenntnisse vor, dass sie an Kampfhandlungen teilgenommen oder sich in Ausbildungslagern aufgehalten haben. Die Zahl der aus Niedersachsen stammenden Ausgereisten, die mutmaßlich in Syrien oder dem Irak verstorben sind, liegt im niedrigen zweistelligen Bereich.

Erhält die Szene derzeit Zulauf oder stagniert die Lage?

Nach wie vor ist der Salafismus die derzeit dynamischste islamistische Bewegung weltweit, was sich auch in Niedersachsen bemerkbar macht, wo insbesondere die salafistischen Zentren im Umfeld größerer Städte einen regen Zulauf verzeichnen. Der Niedersächsische Verfassungsschutz zählt derzeit für Niedersachsen 520 Salafisten, mit weiter steigender Tendenz.

Verhindern die Geschichten der Flüchtlinge und der Rückkehrer Rekrutierungsversuche der Dschihadisten, weil sie der IS-Propaganda entgegenwirken?

Insgesamt zeichnet sich eine verringerte Ausreisedynamik in Richtung Syrien und Irak ab. Inwieweit es hier eine Wechselwirkung dieser Entwicklung in Bezug auf Rückkehrer oder Flüchtlinge gibt, lässt sich nicht abschließend beurteilen.

Wo liegen die regionalen Schwerpunkte der Szene?

Die salafistischen Schwerpunkte sind in unterschiedlichen Regionen Niedersachsens verteilt zu finden. Insbesondere entfalten Salafisten ihre Aktivitäten von größeren Städten aus. Dazu gehören vor allem die Räume Wolfsburg/Braunschweig, Hildesheim/Göttingen und Hannover mit den salafistisch dominierten Moscheen Deutschsprachige Muslimische Gemeinschaft Braunschweig, Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim und Deutschsprachiger Islamkreis Hannover.

Salafisten sind nicht automatisch Dschihadisten - wie teilt sich die Szene in Niedersachsen auf?

Der Großteil der 520 Salafisten in Niedersachsen wird dem politischen und nicht dem gewaltbereiten Salafismus zugerechnet. Die Übergänge zum dschihadistischen Salafismus sind jedoch fließend.

Zur Person

Maren Brandenburger hat an der Leibniz-Universität Hannover Politikwissenschaften und Geschichte studiert. Seit 1996 beschäftigt sie sich mit den Themen Extremismus und Terrorismus. 2003 wurde sie Pressesprecherin des Verfassungsschutzes, seit 2013 ist sie Präsidentin der Behörde.

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