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Blinde Lehrerin bangt um ihren Arbeitsplatz

Verkauf von Förderschule Blinde Lehrerin bangt um ihren Arbeitsplatz

Der geplante Verkauf einer Förderschule in Celle bringt ein ganz persönliches Inklusionsprojekt in Not: Die blinde Lehrerin Iris Nehrenberg soll ihre Räume schon bis Oktober geräumt haben.

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„Mit uns ist gar nicht geredet worden“: Lehrerin Iris Nehrenberg ist für ihren Schulleiter unersetzlich. Foto: privat

Celle. Seit 20 Jahren unterrichtet Iris Nehrenberg im Celler Ortsteil Garßen Schüler, die es mit dem Lernen schwer haben. Sie gibt den Gehandicapten Lese- und Sprachförderung. Sie berät gestresste Eltern und auch gestresste Schüler an der Erich-Kästner-Förderschule, obwohl sie selbst schwerbehindert ist. Denn Iris Nehrenberg ist blind. Doch dieses „ganz besondere wahre Projekt von Inklusion“ (Schulleiter Frank-Peter Viering) ist gefährdet. Denn die Schule soll verkauft werden, Iris Nehrenberg schon bald ihren Projekt­raum verlieren - und damit ihre „Insel“, wie sie sagt.

Nehrenbergs Tragik ist, dass die Erich-Kästner-Schule in Celle zu den Förderschulen gehört, die das Land im Zuge ihres Inklusionskonzeptes ganz aufgeben will. Dieses sieht vor, dass auch lernschwache Kinder an „normalen“ Schulen unterrichtet werden sollen. Bis 2018, sagt Nehrenberg, sollte sie nach den bisherigen Verabredungen aber weiter an der Schule arbeiten können. Damit habe sie leben können. „Da kam aber Knall auf Fall letzte Woche die Mitteilung, dass die Schule einige Räume schon in vier Wochen geräumt haben soll.“ Ab Anfang Oktober sollten nämlich Umbaumaßnahmen für den neuen Eigentümer, die Lebenshilfe Celle, beginnen. Nehrenberg wird bei ihrem Unterricht von einer Arbeitsplatzassistentin unterstützt, sie benötigt eine besondere Raumgestaltung, bei der sie genau weiß, wo die Dinge liegen. „Ich brauche auch eine gute Anbindung zu den Klassenräumen.“

Schulleiter Viering lobt die Qualifikationen seiner Lehrerin, der es gerade wegen ihrer schweren Behinderung gelinge, einen engen Kontakt zu den gehandicapten Schülern aufzubringen. Sie sei an der Schule unersetzlich geworden, sagt der Schulleiter, auch weil sie sich als Kontakt- und Beratungslehrerin durch viele Fortbildungen besonders qualifiziert habe. „Und sie verkörpert geradezu den Inklusionsgedanken.“ Die Anordnung des Kreises Celle, wegen anstehender Brandschutzmaßmahmen bis zu den Herbstferien einige Bereiche räumen zu müssen - darunter auch die „Insel“ Nehrenbergs - komme überraschend. „Das kam wie eine Anordnung - mit uns ist gar nicht geredet worden“, beschwert sich der Schulleiter.

Das sieht Reinhard Toboll, zuständiger Amtsleiter beim Kreis Celle, anders. Man habe bereits im März 2015 die Schule darüber informiert, dass einige Teile sukzessive geräumt werden müssten. Für seit Jahren fällige Brandschutzmaßnahmen habe man nur das Nötigste getan, weil man gewusst habe, dass die Förderschule irgendwann geschlossen werde. Womöglich sei die Schule in stillschweigendem Einvernehmen davon ausgegangen, bis 2018 so weiterarbeiten zu können. „Aber für den unsanierten Teil, in dem die Lehrerin arbeitet, läuft die Betriebsgenehmigung aus.“ Er könne „die Dramatik des Falls nicht erkennen“, meint der Celler Amtsleiter: „Wir werden natürlich versuchen, eine Lösung zu finden, einen anderen Raum.“

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