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Der Norden Diese Ausstellung ist preisgekrönt
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00:50 20.04.2018
Die Ausstellung „Cuxhaven und der Fisch" im Windstärke 10 ist preisgekrönt. Quelle: Windstärke 10 Wrack- und Fischereimuseum Cuxhaven
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Cuxhaven

Noch ein Brecher. Und die See brodelte mit über zehn Meter hohen Wellen gewaltig, und der Wind wehte. Keine gemütlichen Szenen, die die Küsten Grönlands jenen Männern zu bieten hatten, die wochenlang den Stürmen trotzten, um Fisch zu fangen. Der Job eines Fischers war noch in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einer der gefährlichsten überhaupt.  Schwerstarbeit auf schwankenden Planken. „An die 2500 Menschen sind seit Beginn der Deutschen Hochseefischerei Mitte des 19. Jahrhunderts ums Leben gekommen“, sagt Jenny Sarrazin, Leiterin des Cuxhavener Fischerei- und Wrackmuseums. „Das waren mehr als im deutschen Bergbau.“

Erst musste der Fisch „eingebürgert“ werden, bevor er auf dem Teller landete 

„Windstärke 10“ heißt das seit fünf Jahren existierende Museum in Cuxhaven, das die Niedersächsische Sparkassenstiftung kürzlich mit ihrem Museumspreis auszeichnete und das bis zum September in einer Sonderausstellung einer ganz sonderbaren Beziehung nachgeht: „Cuxhaven und der Fisch“. Noch bis in die siebziger Jahre hinein war der Hafen an der Elbmündung von der Fischindustrie geprägt, die allerdings mit schwindenden Fangquoten nach und nach aus der Stadt verschwand – bis auf einige Betriebe, die mit Erfindungsgeist und cleveren Methoden dem Niedergang einer ganzen Branche trotzten. 

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Die Ausstellung „Cuxhaven und der Fisch" im Wrack- und Fischereimuseum in Cuxhaven.

Die Ausstellung zeigt, dass der Fisch als vollwertiges Nahrungsmittel zunächst bei den Deutschen eingebürgert werden musste, bevor er auf den Tellern landete. Plakate mit Sprüchen wie „Euer eiskalter Freund Frischfisch möchte bei Euch warm werden“ warben für den neuen Nahrungsmittelzweig, in dem Anfang des 19. Jahrhunderts keiner so recht arbeiten wollte. Kein Wunder: die Arbeit war kalt, es stank, und die Jobs waren überdies schlecht bezahlt. In der Not Frauen für die Tätigkeit einer Rollmopsdreherin oder Fischwerkerin zu bekommen, bauten die Cuxhavener in den 20er Jahren sogar ein spezielles Frauenwohnheim mit zunächst 280, später sogar 410 Betten. Dass die Straße Elfenweg hieß, war kein Zufall, denn so nannten die Einheimischen die aus Gelsenkirchen oder Burgdorf zugezogenen ledigen Frauen. In der Ausstellung steht ein Modell dieses Wohnheimes. „Das wurde auf der Leipziger Messe ausgestellt, um zu zeigen, dass Cuxhaven den Fischwerkerinnen eine Heimstatt bot, denn ohne Not ging keine in die Fischindustrie“, sagt Sarrazin. Historische Fotos geben einen Einblick in das Innere der Betriebe, zeigen den Siegeszug des Dosenfisches oder die Kunst der Rollmopswickelung.

Museum bietet auch „Gänsehautmomente“

Doch noch interessanter sind die Abschnitte des Museums, die die Entwicklung des Fischfanges beleuchten, der früher auf Dampf getriebenen Seitentrawlern geschah, wie etwa der 1939 in Dienst gestellten „Otto Flohr“, die im Krieg zum Minensucher umgebaut wurde. In nachgebauten Kojen, anhand von Modellen und alten Fotos bekommt man einen plastischen Eindruck davon, wie die 24-köpfige Mannschaft eines solchen Seitenfängers unter Deck hauste. Da waren die Heckfänger, die ab Mitte der 60er Jahre eingesetzt wurden, wesentlich komfortabler. Diese Frischfroster revolutionierten den Fischfang auf ihre Weise. Denn nun mussten die Schiffe nicht spätestens nach 23 Tagen wieder im Heimathafen sein, um zu verhindern, dass Veterinäre ihren auf Eis gelegten Frischfang nur noch als „Gammel“ einstuften. Dank moderner Fischverarbeitung und Tieffrostung schon auf See, konnten die Fabrikschiffe monatelang unterwegs sein – die „Vollfroster“ rasierten allerdings die Fischfangbestände auf bis dato unerhörte Weise.

Anhand von Schiffsmodellen, in Gesprächen mit leibhaftigen Kapitänen oder aber auch in kleinen Übungen mit Netzmachern wie dem Pensionär Klaus Hankel können sich große und kleine Kurgäste in dem Cuxhavener Museum unterrichten lassen. Das Museum vermittelt übrigens auch plastische Eindrücke von einem der größten Schiffsfriedhöfe an der Nordseeküste,  der Deutschen Bucht. Mehrere tausend Wracks liegen hier – vom Auswandererschiff „Cimbria“, das 1883 mit 401 Passagieren und 92 Mann Besatzung vor Cuxhaven sank, über das Feuerschiff „Elbe 1“, das im Oktobersturm 1936 mit 15 Mann an Bord kenterte. Von der „Cimbria“ ist noch die gewaltige, zwölf Tonnen schwere  (Ersatz-)Schiffsschraube zu sehen, von anderen Unglücksschiffen der Funkverkehr zu hören. „Gänsehautmomente“, sagt die Chefin des Museums, das bisher jährlich 43 000 bis 45 000 Besucher anzieht.

Von Michael B. Berger

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