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Der Norden War das Mathe-Abitur viel zu schwer?
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00:15 14.05.2016
Von Saskia Döhner
War das Mathe-Abi in diesem Jahr zu schwer?  Quelle: dpa/Symbolfoto
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Hannover

Eltern, Schüler und auch Lehrer kritisieren, dass die Aufgaben der diesjährigen Klausur viel zu kompliziert, unverständlich formuliert und in der vorgegebenen Zeit überhaupt nicht zu lösen gewesen seien. Das Kultusministerium prüft Konsequenzen. Als eine Möglichkeit wird erwogen, den Benotungsschlüssel nachträglich zu ändern, damit die Schüler bei besseren Zensuren landen.

Bei den Prüfungen soll Stoff abgefragt worden sein, der nicht im Lehrplan vorkam. Außerdem, so heißt es, seien die Aufgaben sehr komplex gewesen. Einige Pädagogen berichteten, selbst sie hätten die Aufgaben nicht in den vorgeschriebenen 220 (Grundkurs) oder 300 Minuten (Leistungskurs) geschafft. Nach der ersten Korrektur liegen die Ergebnisse vieler Abiturienten dem Vernehmen nach bis zu anderthalb Noten unter dem bisherigen Schnitt der Schüler. Wer also beispielsweise bei einer 2 minus stand, hat im Abitur lediglich eine 4 geschrieben.

„Selbst Teilnehmer und Gewinner aus bundesweiten Mathematikwettbewerben sind frustriert aus der diesjährigen Abiturprüfung gegangen“, sagte Oliver Gossel, Vorsitzender des Verbandes der Elternräte der Gymnasien. „Selbstverständlich sollen die Abiturprüfungen in allen Fächern das bisherige Niveau halten“, fügte er hinzu, „aber in diesem Jahr sind die Aufgaben in Mathematik anscheinend über dieses Ziel weit hinausgeschossen. Sie erscheinen zu komplex, sind durchgängig mit zu viel Text überfrachtet und selbst von den leistungsstärksten Schülern kaum in angemessener Zeit erfassbar.“

„Die Prüfungen sind unglücklich gelaufen“, sagte Wilhelm Bredthauer, Leiter der Goetheschule in Hannover. Er ist auch Vorsitzender des Landesverbandes zur Förderung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts. Acht eng beschriebene Seiten Aufgabentext seien viel zu viel. Die meisten Schüler hätten nicht verstanden, was sie überhaupt rechnen sollten. Normalerweise seien Prüfungen psychologisch so aufgebaut, dass am Anfang ein einfacherer Teil stehe, damit die Abiturienten mit einem Gefühl der Sicherheit weitermachen könnten. Dies fehle dieses Jahr völlig. Selbst bei dem Part, der mit Taschenrechnern gelöst werden durfte, hätten Schüler Schwierigkeiten gehabt – weil die Geräte bis zu fünf Minuten brauchten, bis eine Funktion berechnet war.

Eine Sprecherin des Kultusministeriums sagte, es habe im Vorfeld keine Hinweise darauf gegeben, dass der Schwierigkeitsgrad zu hoch sein könnte. Die Aufgaben seien von einer Fachkommission erarbeitet worden. Nachdem beim Land aber eine Reihe von Beschwerden eingegangen seien, werde die Kommission die Aufgaben noch einmal überprüfen und geeignete Maßnahmen vornehmen. Als wahrscheinlich gilt eine Heraufsetzung des Bewertungssschlüssels. So könnte das Land drohende Klagen von Eltern verhindern.

Eine Prüfung für alle

Vier schriftliche Prüfungen, eine mündliche: Niedersachsen hat seit zehn Jahren ein landesweites Zentralabitur. Das heißt: In allen Schulen werden am selben Tag dieselben Klausuren geschrieben. In Mathematik, Deutsch und Englisch haben die Schüler zum Teil sogar die gleichen Aufgaben wie Abiturienten in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen. Von 2017 an soll es einen gemeinsamen Aufgabenpool für alle Bundesländer geben.

In vier Fächern müssen die Abiturienten Klausuren schreiben, drei davon in einem Leistungskurs und eine in einem Grundkurs. Hinzu kommt dann noch eine mündliche Prüfung in einem fünften Fach. Bei der Auswahl der Fächer ist die sogenannte ABC-Regel zu beachten. Das bedeutet, dass die Schüler in allen Bereichen ihr Können unter Beweis stellen müssen – also sprachlich-künstlerisch (Deutsch, Englisch, Latein, Kunst, Musik, Darstellendes Spiel und weitere Fremdsprachen), gesellschaftswissenschaftlich (Geschichte, Erdkunde, Religion, Politik) und naturwissenschaftlich (Mathematik, Physik, Informatik, Chemie, Biologie). Um Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache kommt man im Abitur nicht herum.

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