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Der Norden Warum musste der beliebte Lehrer sterben?
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14:49 11.02.2016
Tatort Celle: In diesem Haus im Stadtteil Klein Hehlen wurde der Lehrer erschlagen aufgefunden. Quelle: dpa
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Celle

„Er war für unsere Jungs ein toller Lehrer, Freund und Gesprächspartner“, schreibt eine Mutter auf Facebook. In weiteren Beiträgen trauern ehemalige und aktuelle Schüler um „ihren Lieblingslehrer“, einen Pädagogen, „wie man ihn sich nicht anders wünschen konnte“. Trauer und Fassungslosigkeit in Celle sind groß, nachdem am Dienstag ein 55-jähriger Oberschullehrer erschlagen in seinem Haus gefunden worden war. Getötet durch die Einwirkung „stumpfer Gewalt gegen den Kopf“, wie die Obduktion mittlerweile ergeben hat. Eine brutale Tat, für die allerdings die Polizei bislang kein Motiv hat.

Der Deutsche iranischer Herkunft war nicht nur bei den Schülern beliebt, sondern auch in den Flüchtlingseinrichtungen in Celle-Scheuen und -Wietzenbruch, in denen er sich ehrenamtlich engagierte. „Wir sind bestürzt und entsetzt“, sagte Michael Lukas, Sprecher der Malteser, die die Betreuung in der Scheuener Einrichtung übernommen haben. Der 55-Jährige habe in der Unterkunft von Anfang an als Ehrenamtlicher mitgearbeitet und sich vor allem als Dolmetscher engagiert. Nach Angaben der Polizei hatte er zwischenzeitlich auch Flüchtlinge bei sich zu Hause aufgenommen, zum Tatzeitpunkt sollen aber keine bei ihm gewohnt haben. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen. Wir hoffen, dass der Fall so schnell wie möglich aufgeklärt wird“, sagt Lukas. Seit Anfang des Monats hatte der Pädagoge außerdem Sprachkurse an der Integrierten Gesamtschule in Celle übernommen. Doch warum musste der beliebte Mathe-, Physik- und Chemielehrer sterben?

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 Ein Lehrer ist vermutlich in seinem Haus in Celle erschlagen worden.

„Wir stehen mit unseren Ermittlungen noch ganz am Anfang“, sagt Polizeisprecher Thorsten Wallheinke. Aus dem Haus des Mannes sei nichts geraubt worden. Einen Hinweis darauf, dass die Tat mit seiner Flüchtlingsarbeit zu tun habe, gebe es nicht: Weder für einen möglichen fremdenfeindlichen Hintergrund noch dafür, dass der Täter möglicherweise unter den Flüchtlingen zu suchen sei, „lässt sich derzeit eine Bestätigung finden“, so der Polizeisprecher.
Erst vor wenigen Wochen war der 55-jährige Lehrer in den Celler Stadtteil Klein Hehlen gezogen. Die Außenwände des Einfamilienhauses sind frisch saniert, das Dach nagelneu, das Grundstück noch von den Baugeräten aufgewühlt, Paletten und Planen liegen herum. Der Lehrer lebte in dem Einfamilienhaus nach Angaben der Polizei allein, soll aber laut einem Bericht der „Celleschen Zeitung“ mit einer Lehrerin liiert gewesen sein. Familienangehörige in der näheren Umgebung sind der Polizei nicht bekannt.

Weil der Pädagoge am Dienstagmorgen nicht im Unterricht erschien und auch nicht ans Telefon ging, hatte sich ein Kollege aufgemacht, um ihn zu Hause aufzusuchen. Mit einem Ersatzschlüssel, der bei den Nachbarn hinterlegt war, verschaffte er sich Zutritt zu dem Haus und machte so den grausigen Fund.

Die Polizei hat gestern mit mehreren Dutzend Beamten eine Wiese und einen Bachlauf in der näheren Umgebung der Siedlung abgesucht. Eine heiße Spur oder gar die Tatwaffe fanden sie dabei nicht. Auch Nachbarn, Kollegen und Freunde wurden von der Mordkommission befragt, doch auch das sei ohne Ergebnis geblieben, sagt Wallheinke. Die Polizei geht davon aus, dass der 55-Jährige in seinem Haus erschlagen wurde. In der Nachbarschaft wurde aber von niemandem etwas Auffälliges bemerkt.

In Celle versuchen Schüler und Kollegen, die schreckliche Neuigkeit zu verarbeiten. An der Gesamtschule wurde eine Trauerfeier abgehalten. Die Landesschulbehörde hat ein Krisen-Notfallteam an die Oberschule geschickt, an der der 55-Jährige angestellt war. Das Team bietet Schülern und Lehrern psychologische Beratung an.

von Heiko Randermann und Manuel Lauterborn

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