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Was passierte bei der Wolfsburger Polizei?

Disziplinarverfahren und Versetzungen Was passierte bei der Wolfsburger Polizei?

Ermittlungen gegen Wolfsburgs Polizeichef, ein Disziplinarverfahren gegen den Braunschweiger Polizeipräsidenten und ein plötzlicher Jobwechsel der Wolfsburger Kripo-Chefin haben für viel Unruhe bei der Polizei gesorgt. Nun hat Braunschweigs Polizeipräsident Michael Pientka erstmals Fehler eingeräumt.

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Der Wolfsburger Polizeichef Hans-Ulrich Podehl wurde nach Hannover versetzt.

Quelle: Roland Hermstein

Braunschweig/Hannover. „Ich sehe mich gefordert, mich vor meine Mitarbeiter zu stellen und die Polizei insgesamt“, sagte Pientka in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Er wolle mit seinen Stellungnahmen auch mit Gerüchten aufräumen. Doch auch er gab am Freitag nicht alle Details des Falles preis.

In einer Erklärung teilte Pientka mit, dass er am 8. Juni von „einem Fehlverhalten“ des damaligen Wolfsburger Polizeichefs Hans-Ulrich Podehl gegen die Leiterin des Zentralen Kriminaldienstes in Wolfsburg, Imke Krysta, erfahren habe. Daraufhin habe er Krysta zu einem Gespräch gebeten. Um was für Vorwürfe es geht, wollte Pientka nicht sagen. Aus Polizeikreisen ist aber zu hören, dass dem 60-jährigen Podehl vorgeworfen wird, der 35-jährigen Kripoleiterin massiv nachgestellt zu haben. Der ehemalige Wolfsburger Polizeichef ist zurzeit krankgeschrieben und für Presseanfragen nicht zu erreichen.

Pientka räumt ein, dass er nach dem Gespräch eine falsche Entscheidung getroffen hat: Auf ihren eigenen Wunsch habe er die Kripo-Chefin noch am Tag des Gesprächs auf einen anderen Posten beim Polizeipräsidium in Braunschweig gesetzt und Podehl auf seinem Posten belassen. Erst am 27. Juli wurde Podehl in die Zentrale Polizeidirektion nach Hannover versetzt. Gleichzeitig leitete das Innenministerium ein Disziplinarverfahren gegen ihn ein.

Er habe bei dem Gespräch mit Krysta noch nicht alle Informationen gehabt, sagt Pientka. „Mit den mir heute vorliegenden Erkenntnissen hätte ich selbst bereits am 8. Juni zu einer anderen Bewertung kommen, ein Disziplinarverfahren einleiten sowie Herrn Podehl vorübergehend von seinen Aufgaben freistellen müssen“, schreibt der Polizeipräsident in seiner Erklärung. Krysta hätte dann in Wolfsburg bleiben können. So sei hingegen der Eindruck entstanden, „Frau Krysta sei das Fehlverhalten zuzurechnen, beziehungsweise sie habe die Ursache dafür gesetzt. Das ist jedoch falsch, und hierfür entschuldige ich mich.“ Pientka sagte, er habe Krysta bereits einen Brief geschrieben, in dem er um Entschuldigung bitte. Außerdem wolle er mit ihr reden, um sie zu einer Rückkehr auf ihren alten Posten zu bewegen.

Der Braunschweiger Polizeipräsident räumte ein, dass der Fall der Reputation der Polizei schade. Daher sei sein Wunsch, „dass wir schnell zu einem Ergebnis kommen“.

Das Disziplinarverfahren gegen Polizeipräsident Pientka, der 2013 von Innenminister Boris Pistorius auf diesen Posten gesetzt worden war, werde fortgeführt, teilte das Ministerium mit. Allerdings werde es vorerst ruhen, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass gegen Podehl ein strafrechtliches Ermittungsverfahren eingeleitet wird - die Staatsanwaltschaft Braunschweig ist gebeten worden, den Fall zu prüfen. In diesem Fall hätten die staatsanwaltlichen Ermittlungen Vorrang.

Podehl ist nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe an die Zentrale Polizeidirektion in Hannover versetzt worden. Er stand in Wolfsburg kurz vor einer Beförderung zum Leitenden Polizeidirektor.

BDK und DPolG: ein dilettantischen Umgang

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) und die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) warfen dem Innenministerium einen dilettantischen Umgang mit dem Fall vor. Pientkas Pressekonferenz sei eine „Verhöhnung der Rechtsstaatlichkeit“: „Bislang haben weder Staatsanwaltschaft noch disziplinarische Ermittlungen irgendein Ergebnis offenbart, und der Polizeipräsident erklärt nach Monaten, wer hier verfehlt hat und wer nicht“, sagt Ulf Küch, Landesvorsitzender des BDK.

Der stellvertretende DPolG-Landeschef Alexander Zimbehl fordert, dass die Ermittlungsarbeiten forciert werden, um schnell Klarheit zu schaffen. „Der Raum für Spekulationen ist jetzt schon groß genug und wurde auch durch diese Pressekonferenz heute weiter intensiviert. Damit muss Schluss sein“, so Zimbehl. Beide Gewerkschaften fordern, dass Pistorius sich in den Fall einschaltet.

von Heiko Randermann und Kevin Nobs

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