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Wasser für 350 Menschen abgestellt

Unbezahlte Rechnungen Wasser für 350 Menschen abgestellt

Etwa 350 Bewohner von zwei Wohnblöcken in Delmenhorst haben seit Dienstag in ihren Wohnungen kein Wasser mehr. Die Eigentümergesellschaft habe Wasser- und Gasrechnungen der örtlichen Stadtwerke nicht bezahlt, jetzt gebe es Schulden von rund 185.000 Euro

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„Die Bewohner trifft keine Schuld“: In zwei Hochhausblocks wurde das Wasser abgestellt. Den Menschen bleibt nur der Hydrant draußen.

Quelle: Giewald

Delmenhorst. Auf dem Balkon und im Bad stehen große Kübel und ein Wäschekorb voll mit Wasser. Als die Mieter der Wohnung in einem heruntergekommenen Wohnblock in Delmenhorst mittels Aushängen an den Hauseingängen davon erfuhren, dass ihnen in Kürze das Wasser abgestellt wird, wollten sie vorsorgen. Doch lange wird es nicht reichen. Drei Familien teilen sich die 60 Quadratmeter große Wohnung mit einem kleinen Bad – jede Familie hat ein Zimmer. Insgesamt leben 14 Menschen in der Wohnung, darunter acht Kinder.
Wut und Ohnmacht

Zwei Hochhäuser in dem Delmenhorster Problemviertel Wollepark sind seit gestern ohne Wasser, es trift rund 350 Bewohner. Die Stadtwerke haben ihre Ankündigung wahr gemacht und den Hahn zugedreht, weil Rechnungen in Höhe von etwa 185.000 Euro von der Eigentümergesellschaft nicht gezahlt worden sein sollen.

„Bei den Betroffenen herrscht eine Stimmung zwischen Ohnmacht, Resignation und Wut“, beschreibt Franz-Josef Franke, Kreisgeschäftsführer des Diakonischen Werks in Delmenhorst, die Situation. Zusammen mit Integrationslotsen betreut er die Menschen in den Häusern. „Viele verstehen nicht, wie es zu der jetzigen Situation kommen konnte.“
Auch Franke selbst hält den Zustand für „untragbar“. „Was mich aber am meisten ärgert, ist, dass Leute betroffen sind, die nichts dafür können“, sagt er. „Denn viele bekommen direkt über das Jobcenter die Mieten und Nebenkosten bezahlt.“ Auch Aladag Vahap vom Verein Integrationslotsenteam ist sich sicher, dass die Mieter gezahlt haben. „Wahrscheinlich hat der Vermieter das Geld nicht übergeben“, sagt er. „Die Bewohner haben keine Schuld.“ Und eine Helferin des Diakonischen Werks ergänzt: „Die Vermieter sammeln die Miete häufig in bar ein. Sie üben ziemlichen Druck aus.“

Die Stadt Delmenhorst sprach gestern von einem „zumutbaren Zustand“ für die Bewohner. Die Wasserversorgung sei ja, wenn auch nicht direkt in der Wohnung, sichergestellt. Tatsächlich können sich die Bewohner Wasser fürs Kochen oder Duschen über ein Standrohr eines Hydranten holen. Der Hydrant liegt allerdings einige Meter weit entfernt von den betroffenen Wohnblöcken. Zudem kündigte die Stadt an, Dixi-Toiletten an den Hauseingängen aufstellen zu wollen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Lage im Wollepark eskaliert: Bereits im Jahr 2015 hatten die Stadtwerke gedroht, die Versorgungsleistungen wegen Nichtzahlung einzustellen. Dazu ist es damals nicht gekommen, weil die Stadt selbst am Ende die offenen Forderungen von rund 80.000 Euro beglichen hat. Diese Summe stellte sie der Eigentümergesellschaft in Rechnung – und wartet bis heute auf eine Rückerstattung. „Wir sehen den Ball jetzt bei der Eigentümergesellschaft“, sagte die Stadtsprecherin.

Kaum rechtliche Möglichkeiten

Seitens der Anwohner gibt es bislang keine Versuche, juristisch gegen die Stadtwerke vorzugehen, wie Gerichtssprecher Thomas ­Pünjer bestätigte. Er sieht für die Mieter aktuell auch wenig rechtliche Möglichkeiten. Ein Ausziehen käme für viele nicht infrage, da sie Angst hätten, ihre komplette Existenz zu verlieren. So bleibt für die Hochhausbewohner nur die Hoffnung, dass die Eigentümergesellschaft schnellstmöglich die Forderungen begleicht.    

Das Problemviertel 

Der Wollepark gilt als sozialer Brennpunkt in der Stadt Delmenhorst. Erst in der vergangenen Woche stellten Polizeibeamte dort Personalien von mehr als 230 Personen fest und vollstreckten zwei Haftbefehle. „Die Maßnahme gehört zu einem Stufenkonzept, das die Polizei seit Juli vergangenen Jahres mit der Stadt in dem Bereich umsetzt“, teilte eine Polizeisprecherin damals mit.
Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD) verfolgt seit Längerem das Ziel, auch mithilfe von mehr Polizeipräsenz geordnete Verhältnisse in dem Viertel, das überwiegend von Osteuropäern bewohnt wird, zu schaffen. Auch will sich die Stadt nicht, wie Jahnz betont, zum Spielball krimineller Vermieter machen lassen.   

Von Julia Polley

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