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Weltraumtechnik hilft bei Früherkennung von Waldbränden

Lüneburg Weltraumtechnik hilft bei Früherkennung von Waldbränden

Die Waldbrandgefahr in Niedersachsen ist so hoch wie selten zuvor – in Lüneburg hilft Weltraumtechnik bei der Früherkennung. Dabei wartet das AWFS, das Automatisierte Waldbrandfrüherkennungssystem, mit zwanzig Kameras an siebzehn Standorten auf. Ein Besuch in Lüneburg.

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Tausende Warnmeldungen am Tag: Eine speziell geschulte Forstwirtin wertet in Lüneburg Bilder von Überwachungskameras aus.

Quelle: dpa

Lüneburg. Hier laufen die Fäden zusammen, schon in diesem Raum soll die Katastrophe verhindert werden: Ein nüchternes Zimmer in einem Lüneburger Behördenzentrum, an den Wänden große Landkarten. Aufmerksam schauen fünf Mitarbeiter auf ihre Computerbildschirme. Im Sommer 1975 kam es nicht weit von hier in der Lüneburger Heide zu einer Brandkatastrophe, wie es sie in Deutschland seit 1904 nicht mehr gegeben hatte – sieben Menschen starben, 8000 Hektar Wald verbrannten, 5000 Hektar Moor und Heide wurden zerstört.

„Wir versuchen hier in der AWFS, die Brände schnell zu erkennen, damit so etwas nicht wieder passiert“, sagt Rüdiger Hengstwerth. AWFS ist das Automatisierte Waldbrandfrüherkennungssystem – zwanzig Kameras an siebzehn Standorten liefern Bilder, fast eine Million Hektar haben die fünf Mitarbeiter so im Blick. Wie seine Kollegen ist der 62-Jährige gelernter Forstwirt.

„Wenn Rauch hochzieht, muss man gucken – vielleicht ist es nur eine Beregnungsmaschine oder aufgewirbelter Staub“, sagt Fritz Buchholtz. Er schaut auf zwei Monitore, der linke zeigt fünf Panoramafotos übereinander, sie sind Schwarz-Weiß, unten blinkt immer wieder ein roter Balken auf. Das sind die Warnmeldungen, dann muss er gucken.

„Da können bis zu 3000 Meldungen am Tag kommen, normal sind 500“, sagt Buchholtz. „Das ist schon verantwortungsvoll.“ Wieder ein roter Balken. Ein Foto öffnet sich, Entwarnung – nur der Wasserstrahl einer Beregnungsmaschine in ausgedörrten Feldern. Es ist seit Tagen so heiß wie lange nicht mehr, dieser Tage wurde Warnstufe 5 auf dem Waldbrand-Gefahrenindex erreicht, mehr geht nicht. Wieder ein Balken, wieder Entwarnung, nur ein Auto auf einem ausgetrockneten Feldweg.

„Ungefähr 500 Brände haben wir so schon in einer frühen Phase erkennen können, allein im vergangenen Monat waren es 71“, sagt Reiner Baumgart, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten, denen das System untersteht. „Das Programm kommt aus der Raumfahrt“, erklärt er, baugleiche Kameras fotografieren dort Kometen. „Die Kameras machen immer drei Bilder hintereinander und vergleichen dann die Grauwerte. Bei Veränderungen macht das System eine Meldung.“ Ähnliche Anlagen gibt es auch in anderen Bundesländern, etwa in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. „Die Zusammenarbeit auch über Landesgrenzen klappt gut“, betont Baumgart.

Am Donnerstag etwa meldete der Turm Wittingen ein Feuer östlich von Salzwedel. „Eine Entfernung von 25 Kilometern, bei klarem Wetter ist das kein Problem für das System“, sagt Toni Jankowski. Auch dieser Brand konnte schnell gelöscht werden. „Ursache ist oft Brandstiftung“, sagt Hengstwerth. Immer wieder sei es aber auch Leichtsinn – weggeworfene Zigarettenkippen oder sorglos im trockenen Gras abgestellte Autos, unten die glühend heißen Katalysatoren.
Ab Gefahrenstufe 3 sind die Experten in der Waldbrandzentrale im Einsatz, bei Warnstufe 5 kann auch das Überwachungsflugzeug der Feuerwehr vom nahe gelegenen Flugplatz starten. Die Besatzung lotst dann auch die Feuerwehrleute an den Brandort. Nur bei höchster Waldbrandgefahr werden die Maschinen angefordert: Jetzt ist es wieder so weit, am Donnerstag war das Flugzeug in diesem Jahr zum ersten Mal oben.

„Wir haben perfektes Flug- und Sichtwetter“, sagt Pilot Gregor Szielasko, bevor er die rot-weiße Cessna startet. Bei einer Flughöhe von 500 Metern kann er 50 Kilometer weit blicken. Auch ein Förster und ein Beobachter der Feuerwehr sind an Bord. Reiner Baumgart war jahrelang als Beobachter im Einsatz. „Was wir jetzt brauchen, ist lang anhaltender Landregen“, sagt er.

Peer Körner (dpa)

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