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„Gorleben ist erledigt“ – oder nicht?

Wendland „Gorleben ist erledigt“ – oder nicht?

Auch wenn seit Jahren keine Atomtransporte mehr nach Gorleben rollen, so steht Gorleben nach wie vor auf der Karte für einen möglichen Endlagerstandort. Regierungschef Stephan Weil und Umweltminister Stephan Wenzel besuchten nun die Anti-Atom-Szene, um ihren Gorleben-Kurs zu erklären.

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Quelle: Philipp Schulze/dpa (Symbolbild)

Hannover. Das Gasthaus Wiese im wendländischen Wedelitz hat nicht nur zwei Gästezimmer und einen großen Saal - es hat auch eine rebellische Tradition. „Von hieraus haben wir immer unsere großen Demonstrationen nach Gorleben gestartet“, sagt Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Umweltschutz in Lüchow-Dannenberg. Gemeinsam mit der Bäuerlichen Notgemeinschaft hat er am Sonnabend zu einem ziemlich politischen „Frühschoppen“ zwei prominente Gäste geladen: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Umweltminister Stephan Wenzel (Grüne) sollen ihren Gorleben-Kurs erklären. „Wir haben da noch eine Menge Fragen“, sagt Ehmke.

Auch wenn seit Jahren keine Atomtransporte mehr nach Gorleben rollen, die Castor-Transportbehälter ins Zwischenlager am Wald bringen, so steht Gorleben nach wie vor auf der Karte für einen möglichen Endlagerstandort. Auch die Endlagersuchkommission des Bundes, die fast zwei Jahre beriet, hat das ehemalige Salzbergwerk nicht aus den Planungen genommen. Das durfte sie nach dem 2014 von Bundestag und Bundesrat verabschiedeten Standortauswahlgesetz auch nicht. Mit dem Gesetz sollte ein Neustart bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall eingeleitet werden.

„Das Vorhaben, Gorleben ganz zu streichen, ist aus unserer Sicht komplett gescheitert“, sagt Ehmke. Deshalb habe man die Arbeit der Kommission, in der Wissenschaftler, Politiker, Industrievertreter und sogar ein Bischof saßen, stets skeptisch begleitet. Anfang Juli dieses Jahres hat die Kommission ihren Bericht erstellt, dessen wesentliche Ergebnisse Weil und Wenzel nun den wendländischen Widerständlern erläutern wollen.

Umweltminister Wenzel ist der Meinung, dass in Gorleben kein Atommüllendlager mehr entstehen werde. „Wir haben jetzt die Chance, vierzig Jahre Irrweg hinter uns zu lassen“, glaubt der Minister. „Der Abschlussbericht der Kommission untermauert die Ansicht der Landesregierung, dass die alten Pläne der Atomindustrie und früherer Regierungen in Land und Bund Makulatur sind“, sagt Wenzel der HAZ. „Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn nach den jetzt gefundenen Kriterien die Wahl eines Endlagerstandortes dennoch auf Gorleben fiele.“ Denn es sprächen schon geologische Gründe gegen diesen Standort, etwa, dass man ein möglichst mächtiges und vollständiges Deckgebirge über dem Salzstock bräuchte, der dereinst als Endlager dienen könnte. Denn es müsse unbedingt verhindert werden, dass Wasser in den Endlagerstandort eindringt. „Die Landesregierung geht davon aus, dass man Standorte mit einem günstigeren Deckgebirge als Gorleben finden kann, sodass der Standort Gorleben in einem weiteren Suchverfahren ausgeschlossen werden kann.“

Und im Übrigen sei noch nicht geklärt, ob Salz wirklich das geeigneteste „Wirtsgestein“ zur Lagerung hochradioaktiven Mülls ist oder ob Ton oder Kristallin nicht besser wären. Das könne man jetzt in einem „ergebnisoffenen Vergleich“ klären.

In Gorleben, sagt Wenzel, sei nun wirklich die Erkundung des Bergwerkes eingestellt worden - gegen den heftigen Protest der Bergleute. Mittlerweile habe man sogar mit dem Rückbau einiger Gebäude begonnen.

Ob der Minister und sein sozialdemokratischer Ministerpräsident die Skeptiker überzeugen können, ist allerdings äußerst fraglich. Ehmke weist darauf hin, dass einige Bundesländer bereits erklärt haben, bei einer Suche in ihren Regionen ausscheren zu wollen. „Wir werden fragen: Wo hat Niedersachsen denn Bündnispartner?“ Und selbst für den Fall, dass Gorleben ausgeschlossen werden sollte - Ehmke glaubt es nicht -, sei an Niedersachsen „der Kelch noch längst nicht vorübergegangen“.

Denn Salzstöcke gebe es hier viele.

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