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Der Norden Wenn Wikipedia beim Schummeln hilft
Nachrichten Der Norden Wenn Wikipedia beim Schummeln hilft
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22:46 14.02.2013
Von Gabriele Schulte
Quelle: dpa
Hannover

Das berichtet der Philologenverband. „Statt am Unterricht teilzunehmen, pflegen viele Schüler in Zeiten der Still- oder Gruppenarbeit ihre Facebook-Kontakte“, sagte Horst Audritz, Geschäftsführer der Gymnasiallehrervertretung, am Donnerstag in Hannover. „Das geht in Klasse 5 schon los.“ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Landeselternrat bestätigen die Entwicklung.

Beispielsweise Geschichtsdaten lassen sich im Nu im Internet aufrufen. Wer etwa die Datenfundgrube Wikipedia einsetzt, kann sich einen Vorteil gegenüber den Mitschülern verschaffen - erst recht in einer Klausur. „Der gute Lehrer bemerkt das Schummeln in der Arbeit allerdings selbst“, meint Audritz vom Philologenverband. Wenn sich der Abschreibverdacht bestätige, gebe es das „Ungenügend“, eine Sechs, als Sanktion. „Denn das ist Betrug.“

Da es zur Handynutzung keinen Erlass des Kultusministeriums gibt, regelt jede Schule das auch an Waldorf- und anderen Privatschulen wachsende Problem selbst. Insbesondere vor Abiturklausuren, aber auch vor Klassenarbeiten, werden vielerorts Handys eingesammelt und auf einen vom Lehrer einzusehenden Tisch gelegt. Die Aufsicht soll zudem dafür sorgen, dass unter den Tischen kein Smartphone zum Einsatz kommt. An manchen Schulen wurde schon über Störsender diskutiert. Doch die Gerichte haben enge Grenzen gesteckt. Einem Gymnasium in Schleswig-Holstein, das beim Abitur mit Detektoren Handys ausfindig machen wollte, wurde dies kürzlich vom dortigen Kultusministerium untersagt.

Das niedersächsische Kultusministerium verweist auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. „Ein Lehrer darf niemandem das Handy aus der Hosentasche ziehen“, sagt eine Sprecherin. Auch ein Einziehen über mehrere Tage ist rechtlich nicht vorgesehen. Wenn jedoch die von Lehrern, Eltern und Schülern aufgestellte Schulordnung Handynutzung im Unterricht und vielleicht auch auf dem Pausenhof ausschließe, kämen bei einem Verstoß die üblichen „pädagogischen Mittel“ zum Tragen. In jedem Fall sind Kontrolle und Sanktionierung für Lehrer und Schulleitung sehr aufwendig.

Der Landeselternrat will das Thema Mediennutzung verstärkt zum Thema machen. „Dazu gehört auch das Problem des Cybermobbing“, meint Vorsitzende Sabine Hohagen. Zu bedenken sei, dass manche Lehrer gern Smartphones im Unterricht einsetzen.

An Niedersachsens Schulen sei die Handynutzung „unglaublich unterschiedlich geregelt“, bis hin zum absoluten Verbot, ein Handy mitzubringen. Dies aber wird von vielen Schülern als unzumutbarer Eingriff in Freiheit und Eigentumsrechte empfunden. Und auch viele Eltern pochen auf die ständige Erreichbarkeit ihrer Sprösslinge.

„Zum Teil helfen die Eltern sogar beim Schummeln während der Klassenarbeit“, hat GEW-Vorsitzender Eberhard Brandt erfahren; nicht nur Wikipedia könne Schülerfragen beantworten. Die Zunahme der Handys mit Internetnutzung bei immer jüngeren Schülern schaffe „ein massives Problem“. Beim Umgang damit müssten alle Seiten an einem Strang ziehen, auch wenn das viel Zeit und Kraft koste. „Das Vorbild der Eltern ist ganz wichtig“, meint der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft. Es gehe um Konzentration und einen achtsamen Umgang.

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