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Wer wird Welterbe?
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Altes Land und Rundlingsdörfer vorgeschlagen Wer wird Welterbe?

Das Alte Land und die Rundlingsdörfer im Wendland klopfen an dieTür der Unesco:Niedersachsen schickt beide ins Casting für den Welterbetitel..Die Sigwardskirche aus der Region Hannover wurde nicht nominiert - aus taktischen Gründen.

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In typischer Tracht vor einem altländischen Bauernhof: Niedersachsens Kultusministerin Wanka hat das Alte Land für das Uneso-Welterbe vorgeschlagen.

Quelle: dpa

Hannover. Die Straßen von Lübeln könnten in wenigen Jahren den selben Status genießen wie die Pyramiden von Gizeh. Das Halbdutzend Häuser des kleinen Ortes Loge wird dann womöglich in einem Atemzug mit dem Taj Mahal genannt werden, und die Höfe von Mammoißel und Schreyahn könnten einen ähnlichen kulturellen Stellenwert haben wie die Freiheitsstatue. Das Land Niedersachsen setzt sich dafür ein, dass 15 typische Rundlingsdörfer im Wendland, westlich von Lüchow, auf die Unesco-Welterbeliste kommen - ebenso wie die Landschaft Altes Land südlich von Hamburg.

Experten haben die beiden Aspiranten auf den begehrten Titel im Auftrag des Kulturministeriums aus fünf Bewerbern ausgewählt. „Dabei muss man auch taktische Überlegungen anstellen“, sagt Kulturministerin Johanna Wanka: So seien bereits zahlreiche Städte und Kirchen auf der Unesco-Liste vertreten, weitere Bewerbungen gelten fast als chancenlos. „Kulturlandschaften und bäuerliche Architektur sind hingegen unterrepräsentiert - ich denke, dass wir damit punkten können.“

Der Weg zum Titel ist allerdings lang und kompliziert: Die einzelnen Bundesländer können derzeit bis zu zwei Vorschläge für eine sogenannte „deutsche Tentativliste“ melden. Voraussichtlich im kommenden Jahr trifft die Kultusministerkonferenz dann eine Auswahl aus diesen Vorschlägen. Darunter könnten auch das Alte Land und die Rundlingsdörfer sein, doch das ist noch längst nicht ausgemacht. Die Unesco-Kommission in Paris arbeitet noch bis 2016 die derzeitige Tentativliste ab; sie muss dabei unter anderem darüber entscheiden, ob die Speicherstadt und das Chilehaus in Hamburg oder die Kulturlandschaft Unstrut mit der Stadt Naumburg als Welterbe anerkannt werden. Danach aber, also frühestens 2017, könnten die neuen Kandidaten aus Niedersachsen berücksichtigt werden.

Unmittelbare Vorteile bringt der Titel nicht - allerdings ist er prestigeträchtig und lockt Touristen an: „Er ist ein großer Werbefaktor“, sagt Kulturministerin Wanka. Außerdem würden Welterbestätten bei der Förderung durch Bund und Länder erfahrungsgemäß oft begünstigt. „Wir hoffen, dass wir unsere kleinteilige Kulturlandschaft, die sich teils über Jahrhunderte unverändert erhalten hat, mit dem Welterbetitel noch besser für kommende Generationen bewahren können“, sagt Hubert Schwedland, Bürgermeister der Samtgemeinde Lüchow im Wendland.

Die Rundlingsdörfer dort zeichnen sich durch einen zentralen Platz aus, um den herum die Giebel der Bauernhäuser fast kreisförmig angeordnet sind. Die Äcker hinter den Häusern sind wie Tortenstücke geschnitten, die auf ein Zentrum zulaufen. Auf Luftbildern sehen Rundlingsdörfer aus wie Sterne in der Landschaft. Sie sind meist eher klein: „Manche von ihnen haben nur ein paar Dutzend Einwohner“, sagt Samtgemeindebürgermeister Schwedland.

Dafür haben sie große geschichtliche Bedeutung: Die Dörfer, angelegt im Mittelalter, sind gewissermaßen das Ergebnis eines multikulturellen Zusammentreffens. „Im Mittelalter trafen slawische Einwohner mit deutschen Siedlern zusammen, die aus dem Westen kamen und eigene Rechts- und Siedlungsformen mitbrachten“, sagt der langjährige Kreisarchäologe Arne Lucke, der den Antrag auf den Unesco-Titel unterstützt. Dabei sei im Wendland diese in ihrer Art einmalige Siedlungsform entstanden: „Rundlingsdörfer sind platzsparend, das ermöglichte eine besonders effiziente Nutzung der Böden“, sagt Lucke. Noch vor gut 250 Jahren wurde im Wendland das slawische Dravänopolabisch gesproche: Erst 1756 starb mit 88 Jahren die Bäuerein Emerentz Schultze aus Dolgow, von der es heißt, sie habe als letzte perfekt „wendisch“ gesprochen.

Auch das Alte Land, berühmt als größtes Obstanbaugebiet Deutschlands, verdankt sein heutiges Gesicht Einwanderern, die vor Jahrhunderten kamen. „Im Grunde war es eine friedliche Landübernahme“, sagt Kersin Hinz, Vorsitzende vom Welterbeverein im Alten Land. Um 1200 kamen holländische Wasserbauexperten in das Land zwischen Elbe und Geest. Dieses war bis dahin ein kaum bewohnbares Sumpfgelände, das regelmäßig von der Elbe überflutet wurde.

Die Holländer bauten Deiche und Gräben - und diese prägen die Landschaft bis heute: „Beete, Wege, Straßen und Höfe wurden an ihnen im rechten Winkel ausgerichtet“, sagt Hinz. Experten sprechen von „linearen Landschaftsstrukturen“: „Man merkt, dass man im Alten Land ist, wenn man hineinfährt“, sagt Kerstin Hinz. Sollte der 140 Quadratkilometer große Landstrich den begehrten Titel bekommen, dürften noch viel mehr Besucher diese Erfahrung machen.

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Niedersachsen in Zahlen

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  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
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