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So arbeitet Niedersachsens traditionellster Bootsbauer

Werft Bültjer So arbeitet Niedersachsens traditionellster Bootsbauer

Bei Bültjer in Ditzum werden Boote noch ganz traditionell gebaut – die Werft ist die einzige ihrer Art weit und breit. Bootsbauer mag ein aussterbender Beruf sein. Doch auf der Bültjer Werft spürt man davon nichts. „Wir hatten in diesem Winter viele Aufträge“, sagt Bootsbaumeister Gerjet Bültjer.

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Aufträge aus den Niederlanden und dem Harz: Gerjet Bültjer, Bootsbaumeister auf der Bültjer Werft. 

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Ditzum. Zehn Uhr war ausgemacht, aber um zehn Uhr ist Gerjet Bültjer nicht da. In Ostfriesland ist jetzt Teezeit, wie ein Geselle im Blaumann und mit Strickmütze auf dem Kopf erklärt. „Der kommt gleich wohl.“

Kurz darauf fährt Bültjer tatsächlich vor. Auf einem schwarzen Fahrrad aus Holland und ebenfalls im Blaumann kommt er angeradelt. Bültjer war zu Hause bei seiner Frau. Tee trinken. „Wir lassen uns hier nicht jagen“, sagt der 36-Jährige, der wie sein Vater und wie einst sein Großvater Bootsbaumeister auf der Bültjer Werft ist. Eile liegt ihnen hier nicht. Allein schon, weil das Holz der Planken, aus dem ihre Boote gebaut sind, viel Zeit im Lager braucht: ein Jahr pro Zentimeter Stärke mindestens, sagt der Bootsbaumeister. Fast überall liegt es herum. Eiche vor allem, aber auch Iroko, Mahagoni, Lärche und Esche.

Holzboote seit 1899

Die Bültjer Werft liegt am kleinen Hafen von Ditzum an der Mündung der Ems im Landkreis Leer. Ditzum mit seinen etwa 600 Einwohnern hat noch sechs hauptberufliche Fischer. Im Hafen liegen neben ihren Kuttern auch Sportboote und Traditionssegler. Die rot geklinkerten Häuser ducken sich vor dem Emsdeich, auf der anderen Seite des Flusses liegt Emden. Mit Gerjet Bültjer ist mittlerweile die fünfte Generation auf der Werft, die sein Vater Jan und sein Onkel Gerjet gemeinsam leiten. Hier im Rheiderland bauen die Bültjers seit dem Jahr 1899 Boote, damals wie heute aus Holz.

Oder genauer: Sie reparieren sie. „Neubau ist heutzutage nicht mehr so viel“, sagt Bültjer. Der letzte große Auftrag war 2001 ein zwölf Meter langer Gaffelkutter. Die „Fritz Lexow“ ist ein Nachbau der „Juist“, die 1913 vom königlichen Wasserbauamt im ostfriesischen Norden in Auftrag gegeben worden war. Sie haben die „Fritz Lexow“ nach alten Zeichnungen nachgebaut. Aber Gerjet Bültjer und sein Vater können auch selbst Boote zeichnen. 260 eigene Schiffe hat die Werft in ihrer Geschichte vom Stapel gelassen.

Wenige Neubauten bedeuten nicht, dass es bei Bültjer nichts zu tun gäbe. „Sonst würden wir ja nicht jeden Morgen mit dem Fahrrad kommen“, sagt Bültjer. Im Hafen liegen vier, fünf Segelboote, die über den Winter gewartet werden. Die Aufträge kommen oft aus den Niederlanden, aus Ostfriesland natürlich, aber auch aus Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, sogar aus dem Harz. Ein Ehepaar von dort will demnächst nach Südfrankreich segeln. Auch seine Jacht aus den Dreißigerjahren war zur Wartung da.

Die Bültjer Werft muss also ziemlich einzigartig sein. „Es gibt nicht mehr so viele Betriebe wie unseren.“ Früher, da habe es an der Ems etliche Werften derselben Art gegeben, sagt Bültjer. „Aber die haben in den Sechzigerjahren alle dichtgemacht. In unserer Größe und im Holzbau gibt es heute keine mehr.“ Die nächsten befinden sich in den Niederlanden, in Dänemark oder Norwegen.

Die Bültjer Werft bei Ditzum: Hier im Rheiderland bauen die Bültjers seit dem Jahr 1899 Boote, damals wie heute aus Holz.

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Auf dem Außengelände lassen sich dann Arbeiten beobachten, die sie nur bei Bültjer noch können: In einem Bottich brodelt Pech vor sich hin. Die Außenhaut der „Christa“ muss repariert werden. Sie bekommt neue Planken aus sechs Zentimeter dickem Eichenholz. Die Nähte zwischen den Brettern werden mit Werg kalfatert. So nennt man es, wenn in Teer getränkter Hanf mit Hammer und Kalfatereisen zwischen das Holz gebracht wird. Das macht Gerjet Bültjers Onkel. „Der Rumpf ist danach dicht und wird steif“, sagt Gerjet, der jüngere. Sein Onkel redet nicht so viel.

Etwa 20 Mitarbeiter hat die Werft. Die Zahl schwankt, je nachdem, wie viele Lehrlinge gerade da sind, um die dreieinhalbjährige Ausbildung zum Bootsbauer zu absolvieren. „Wir versuchen, zwei bis drei Auszubildende pro Jahr einzustellen“, sagt Bültjer, und die kommen von überall her: aus Stuttgart, Nürnberg und Dortmund haben sie gerade welche da.

Derzeit sind Masten ein Renner

Bootsbauer mag ein aussterbender Beruf sein. Doch auf der Bültjer Werft spürt man davon nichts. „Wir hatten in diesem Winter viele Aufträge für Masten und die Reparatur von Masten.“ Ein Unglück in den Niederlanden im vergangenen August könnte die Erklärung dafür sein, mutmaßt Bültjer. „Bei einem Traditionssegler ist ein Mast gebrochen und hat drei Männer erschlagen. Darum werden sie jetzt bei vielen Booten getauscht.“

Erst am Donnerstag wurde ein 19 Meter langer Mast abgeholt. 1,5 Tonnen wiegt der Neubau für die „Bremen Vegesack II“, einen Traditionssegler. Derzeit arbeite Geselle Gert an einer 17 Meter langen Rah, das ist die Querstange zum Mast, die das Segel hält. Sie ist für die Kogge „Bremerhaven“.

Und für einen Fischer bauen sie gerade auch einen neuen Flaggenmast. Der soll neben seinem Fischwagen stehen, erzählt Bültjer. „Damit er sagen kann: ,Wir haben den besten Fisch!‘“ Dann schwingt er sich aufs Fahrrad, um seine Tochter aus dem Kindergarten abzuholen.

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