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Der Norden Wie ein Wilhelmshavener gegen Intoleranz kämpft
Nachrichten Der Norden Wie ein Wilhelmshavener gegen Intoleranz kämpft
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00:15 08.11.2016
„Hunderte Menschen wollten sich mit mir treffen“: Jan-Patrick Kleen. Quelle: privat
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Wilhelmshaven

Es kommt selten vor, dass Jan-Patrick Kleen auf einer Zugfahrt entspannt in einer Zeitschrift blättert oder Musik hört. Dafür fällt der Wilhelmshavener viel zu sehr auf mit seinem dunkelblauen T-Shirt, auf dem eine sehr eindeutige Botschaft prangt: „Gegen Gewalt und Intoleranz“ steht dort. „Ich werde eigentlich immer darauf angesprochen und gefragt, was es damit auf sich hat“, berichtet er. Dann erzählt der 23-Jährige von seinem Projekt für mehr Toleranz und von seinem Leben, das bis vor zwei Jahren vor allem aus düsteren Kapiteln bestand.

Kleen kam zehn Wochen zu früh zur Welt, die Ärzte diagnostizierten bei ihm erhebliche Entwicklungsverzögerungen und ADHS. Manchmal hat er Probleme beim Sprechen und Lesen, außerdem hinkt er ein wenig. Schon im Kindergarten wird der behinderte Junge ausgegrenzt, in der Schule wird er gemobbt und sogar geschlagen. Aus Scham und Angst habe er mit niemandem darüber gesprochen, sagt er. Nachdem er als 16-Jähriger im Park brutal zusammengeschlagen wurde, zieht er sich zurück. „Mehrere Jahre habe ich nur Online-Spiele gezockt“, erzählt Kleen. „Ich wollte für mich sein.“

Doch dann trifft er im September 2014 beim Spielen im Internet einen Österreicher, der ihn ermutigt, mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Mit seinem Handy nimmt Kleen eine wackelige Botschaft auf, in der er von seinem schwierigen Leben mit Behinderung erzählt und die Zuschauer auffordert, toleranter zu sein. Innerhalb weniger Tage wird das Internetvideo mehr als 25 000-mal angeklickt. „Hunderte Menschen haben mich angeschrieben und wollten sich mit mir treffen.“

Der plötzliche Zuspruch macht dem verunsicherten 23-Jährigen Mut. Er beschließt, mit seiner Lebensgeschichte für mehr Akzeptanz für Behinderte zu werben, und startet sein Projekt „Hand in Hand gegen Intoleranz und Gewalt“. In seiner Freizeit besucht Kleen, der in einer Behindertenwerkstatt arbeitet, Sportvereine und Jugendgruppen, er tauscht sich mit den Teilnehmern aus und spricht über Mobbing und Gewalt. Mehr als 8000 Abonnenten verfolgen seine Begegnungen auf Facebook. Mittlerweile könne er sich vor Anfragen kaum retten.

„Was mich aber am meisten berührt, sind Menschen, die ein ähnliches Schicksal haben wie ich“, sagt Kleen. „Die sich freuen, dass sie endlich darüber sprechen können.“

Als nächsten Schritt will der kommunikative Wilhelmshavener vermehrt in die Schulen gehen. Dorthin, wo er vor einigen Jahre die meiste Ablehnung erfahren hat. Das sei nötig: „Viele Kinder wissen gar nicht, wie sie mit Behinderungen umgehen sollen.“

 

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