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Wie eine 90-Jährige zur Entführerin wurde

Anklage wegen Erpressung Wie eine 90-Jährige zur Entführerin wurde

Eine 90-jährige Seniorin aus dem Ruhrgebiet wollte ihrem 67 Jahre alten Sohn helfen, für die Freilassung eines Reeders aus Leer eine Million Euro zu erpressen. Jetzt wurde die Frau und die anderen Täter von der Staatsanwaltschaft Aurich angeklagt. Allerdings droht ihr eine mildere Strafe als den Entführern.

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Die 90-jährige Seniorin wurde wegen Beihilfe angeklagt.

Quelle: Symbolbild (Archiv)

Hannover. Sie ist 90 Jahre alt. Die Seniorin kann darum von Glück reden, dass sie nur wegen Beihilfe angeklagt ist - und dass sie darauf hoffen kann, ihren 100. Geburtstag bei einer Verurteilung wieder in Freiheit zu erleben. Ihrem 67 Jahre alten Sohn und drei Komplizen drohen längere Haftstrafen: Denen soll die alte Dame im Frühjahr geholfen haben, einen Reeder aus Leer zu entführen. Die Staatsanwaltschaft Aurich hat die Männer aus dem Ruhrgebiet jetzt wegen erpresserischen Menschenraubes und besonders schwerer räuberischer Erpressung angeklagt. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Haft. Die Mutter als Gehilfin würde milder bestraft.

Der Fall hatte im Frühjahr bundesweit Schlagzeilen gemacht. Am Morgen des 21. April fand die Polizei neben der Autobahn 31 bei Leer einen Mann. Schnell stellte sich heraus, dass er Opfer einer Entführung geworden war. Seine Peiniger hatten ihn nach zwei Tagen Gefangenschaft in der Nähe des Ems-Tunnels ausgesetzt. Der Reeder war nach Angaben des Auricher Ersten Staatsanwalts Helge Ommen ein früherer Geschäftspartner des 67-Jährigen. Offenbar gab es finanzielle Differenzen. Die Mutter soll ihren Sohn, den Drahtzieher der Aktion, aktiv unterstützt und darin bestärkt haben, eine Million Euro Lösegeld zu erpressen.

Am Morgen des 19. April sollen die Angeschuldigten den damals 68 Jahre alten Reeder auf dem Weg zur Arbeit in seinem Auto gestoppt haben. Sie brachten ihn in ihre Gewalt und anschließend in ein Ferienhaus in Hatzum in der Gemeinde Jemgum, ganz in der Nähe. „Während der Gefangenschaft verlangten die Täter bei einem Geschäftspartner des Opfers für dessen Freilassung die Zahlung von einer Million Euro“, sagte Staatsanwalt Ommen. „Zudem wurde das Opfer unter Androhung eines Messereinsatzes zur Unterzeichnung eines Schuldscheins in gleicher Höhe veranlasst.“

Nach der Zahlung des Geldes, das jedoch nie bei den Entführern ankam, sei das Opfer nach rund 30 Stunden wieder freigelassen worden - „weitestgehend körperlich unversehrt“, wie es damals hieß. In der Ferienwohnung, die er an vier Männer vermietet hatte, fand der Eigentümer später eine schwarze Sturmhaube und informierte die Polizei.

Bereits kurze Zeit später konnte die Polizei den 67-Jährigen und seine betagte Mutter im Ruhrgebiet festnehmen. Der Sohn kam in Untersuchungshaft, die Mutter wurde wegen ihres hohen Alters unter Auflagen vorerst nach Hause entlassen. Die drei weiteren Angeklagten im Alter von 38, 40 und 41 Jahren gingen Fahndern im Mai ins Netz. Auch sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Offenbar hatte der 67-Jährige den 40-Jährigen mit der Entführung beauftragt. Gegen drei weitere mutmaßliche Täter, die auch „in unterschiedlicher Art und Weise“ an der Entführung beteiligt gewesen sein sollen, ermittelt die Staatsanwaltschaft noch. Wie es mit den fünf Angeklagten weitergeht, muss nun das Landgericht Aurich entscheiden.

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