Volltextsuche über das Angebot:

21°/ 12° Regenschauer

Navigation:
Wer enthauptet die Rehe?

Wilderei in Niedersachsen Wer enthauptet die Rehe?

Ein spektakulärer Fall von Wilderei, aber nicht der einzige seiner Art: Im Kreis Vechta wurden vier tote Rehe, im Waldboden verscharrt, entdeckt – allesamt ohne Kopf. Seit 2014 sind rund ein Dutzend enthauptete Rehe und Hirsche in Niedersachsen gefunden worden. Jäger und Polizei rätseln über die Motive der Täter.

Voriger Artikel
Schule in Stadt und Region Hannover findet statt
Nächster Artikel
Mit Kaffee und Butterkuchen ins politische Jahr

„Ich kann mir keinen Reim machen“: Rund ein Dutzend enthauptete Rehe haben Jäger seit 2014 in Niedersachsen gefunden

Quelle: dpa/Symbolfoto

Hannover. Die Kadaver lagen in der Nähe eines Feldwegs bei Dinklage (Kreis Vechta), verscharrt im Waldboden: vier Rehe, allesamt ohne Kopf. Ein Jäger hatte die Tiere bei einem Revierrundgang am Tag vor Heiligabend entdeckt, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Ein spektakulärer Fall von Wilderei, aber nicht der einzige seiner Art: Rund ein Dutzend enthauptete Rehe und Hirsche sind seit 2014 in Niedersachsen gefunden worden. Jäger und Polizei rätseln über die Motive der Täter, denn diese scheinen weder am Fleisch noch an stattlichen Trophäen interessiert zu sein.

Im Landkreis Osterholz sind seit 2014 sogar sieben getötete und geköpfte Rehe gefunden worden. In Bad Lauterberg entdeckten Spaziergänger am vergangenen Wochenende ein enthauptetes Reh, in Goslar wurde fast zeitgleich ein enthaupteter Hirsch gefunden. Der Hirsch fällt aber aus dem Muster: Er hatte eine Trophäe, also ein stattliches Geweih, das die Wilderer mit nach Hause genommen haben.

Das war im Kreis Osterholz nie der Fall. „Ich kann mir da keinen Reim drauf machen“, meint Kreisjägermeister Heiko Ehing. Zunächst habe er noch vermutet, dass ein Tier den Kadaver so zugerichtet haben könne. Aber mittlerweile sei klar, dass die Köpfe mit einem Messer fachmännisch abgetrennt worden seien. Für ein Präparat, also einen ausgestopften Kopf an der Wand, habe der Täter aber nicht genug mitgenommen. Doch was wollten die Wilderer dann?

„Für mich sind diese Menschen krank“, sagt Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft. Man müsse den Eindruck haben, dass hier jemand, ähnlich wie der Pferderipper vor einigen Jahren, eine Perversion auslebe. Derartige Fälle habe es in Niedersachsen seines Wissens noch nicht gegeben.

Klassische Wilderer hingegen seien sehr wohl noch ein Thema in Niedersachsen, wenn auch kein Massenphänomen mehr, sagt Dammann-Tamke. 84  Fälle von Jagdwilderei listet die polizeiliche Kriminalstatistik 2014 auf, gemessen an der Gesamtzahl des geschossenen Wilds eine verschwindend kleine Zahl. Wirtschaftlich lohne sich das illegale Schießen von Tieren schon lange nicht mehr, meint Dammann-Tamke: „Wilderei wird betrieben von Leuten, die einen gewissen Kick brauchen: die Illegalität, verbunden mit dem Töten von Tieren.“ Wilderer gingen dabei durchaus fachmännisch vor, viele haben das Töten und Zerlegen der Tiere gelernt. Wer erwischt werde, müsse aber keine hohen Strafen fürchten, ärgert sich Dammann-Tamke: „Das gilt letztlich als Sachbeschädigung.“

Neben dem Jagdwildern gibt es noch das Phänomen des Schwarzfischens oder der Fischwilderei. Die sei weitaus weiter verbreitet, meint Heinz Pyka, Vorsitzender des Fischereivereins Hannover und Vize-Chef des Landessportfischerverbands: „Das passiert oft.“ 182 Fälle listet die Polizei-Statistik auf, doch Pyka vermutet eine hohe Dunkelziffer: Meistens würde man nicht die Täter entdecken, sondern nur ihre Reusen und Schlingen.

Die Schwarzangler seien meist Menschen, die in Osteuropa oder Russland aufgewachsen seien und von dort das Fischerei- oder Jagdwesen mit seinen Revieren und Lizenzen nicht kennen würden, so Pyka. „Die haben das zu Hause immer gemacht, das gehört zum Überleben.“ Die Anglervereine setzen daher mittlerweile Migranten aus Russland als Fischereiaufseher ein.

Manchmal werden die Schwarzangler mit gefälschten Lizenzen erwischt, die auf dem Schwarzmarkt für 300 bis 400 Euro zu haben sind. Das zeige ihre Unkenntnis der Lage, meint Pyka: „Würden sie bei uns einen Lehrgang mit Prüfung machen, würde das nur 100 Euro kosten.“     

Hirsch und Reh sind beliebtes Jagdwild

Viel gejagt in Niedersachsen: Reh und Hirsch gehören zu den beliebtesten Jagdtieren im Land. Jedes Jahr werden weit über 100.000 Stück geschossen.

Am häufigsten trifft es Rehe: Laut Landesjagdbericht wurden 2014 in Niedersachsen 95.671 Stück geschossen. Weitere 23.835 Rehe kamen durch Unfälle im Straßen- oder Schienenverkehr ums Leben. Rehe sind in ganz Niedersachsen verbreitet, besonders viele Tiere leben im Solling, im Wendland, in den Kreisen Helmstedt und Osnabrück sowie östlich von Bremen.

Weit geringer sind die Abschusszahlen beim Rotwild, der Hirschart, bei der die Männchen das klassische Geweih tragen. Rotwild kommt vor allem im Osten und Süden Niedersachsens vor. Das flächenmäßig größte Rotwildgebiet auch mit dem größten Vorkommen an Tieren ist die Lüneburger Heide. 2014 wurden in Niedersachsen 7221 Stück Rotwild geschossen, davon 3350 männliche Tiere. Bei Unfällen starben weitere 125 Stück.

Außerdem verzeichnet der Landesjagdbericht 11.513 Stück Damwild, die 2014 geschossen wurden. 853 Tiere kamen bei Unfällen mit Schienen- oder Straßenfahrzeugen ums Leben.

Trotz der auf den ersten Blick hohen Abschussquoten wachsen die Reh- und Hirschvorkommen in Niedersachsen seit Jahren an.     

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der Norden
So schön ist Niedersachsen aus der Luft

Von Harz über Heide bis zur Nordsee: Die schönsten Luftaufnahmen von Niedersachsen.

Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
Märchengestalten feiern 200 Jahre Grimm in Hameln

Darsteller von Figuren der gesamten Märchenstraße haben sich am Wochenende in Hameln eingefunden. Zur Auftaktveranstaltung "200 Jahre Deutsche Sagen der Brüder Grimm" waren außer dem Rattenfänger von Hameln auch viele weitere Fantasiegestalten in der historischen Altstadt zu Gast.