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Wird alter Missbrauchsfall wieder aufgerollt?

Bistum Hildesheim Wird alter Missbrauchsfall wieder aufgerollt?

Das Bistum Hildesheim wird im Jubiläumsjahr von alten Geschichten geplagt: Die Staatsanwaltschaft Berlin könnte in einem Missbrauchsfall aus dem Jahr 2006 erneut Ermittlungen aufnehmen, der bereits das Bistum Hildesheim beschwert.

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„Was soll ich bloß tun“: Weihbischof Bongartz (links) sitzt zwischen allen Stühlen.

Quelle: Chris Gossmann

Hannover. „Wir greifen die Sache noch einmal auf und prüfen, ob es einen Anfangsverdacht gibt“, sagt Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin. Die „Sache“ schlug diese Woche durch einen ARD-Bericht hohe Wellen und ließ den Hildesheimer Bischof Norbert Trelle sogar von einer „Kampagne“ sprechen. Sie rüttelt jedenfalls kräftig am Selbstverständnis der Bistumsleitung. Die glaubte in Missbrauchsangelegenheiten eigentlich, seit 2010 einen anderen Kurs eingeschlagen zu haben, während Missbräuche früher tatsächlich meist vertuscht und durch möglichst stille Versetzungen auffälliger Pfarrer „gelöst“ worden sind. Doch just einer dieser alten Fälle bringt die Vergangenheit wieder hoch.

Fernsehreportage rollt Affäre Peter R. auf

In einer Fernsehreportage über die Kirchengerichtsbarkeit wurde die Affäre Peter R. noch einmal aufgerollt. Seit dem Missbrauchsskandal an der Berliner Jesuitenschule Canisius-Kolleg galt R. als einer der Haupttäter. Die Jesuiten entließen ihn, R. kam 1989 ins Bistum Hildesheim, wirkte hier und da, wurde auffällig häufig versetzt. „Hauptsache, es dringt nichts nach draußen, war damals der vorherrschende Gedanke“, berichtet der frühere Hildesheimer Diakon Wilfried Otto. Er musste von Peter R. Knall auf Fall die Leitung der Hildesheimer Gemeinde „Guter Hirt“ übernehmen. Es gebe da Vorwürfe, hatte der damalige Bischof Josef Homeyer dem Diakon zugeraunt. Über das Warum und Weshalb sei nicht groß geredet worden, zumal „Missbrauch“ nicht das vorherrschende Thema gewesen sei.

Das habe sich im Jahr 2010 geändert, als die zahlreichen Übergriffe am Canisius-Kolleg bekannt wurden – und die gesamte katholische Kirche in Deutschland erschütterten. Da wurde Diakon Otto hellhörig, als ihm seine Frau, eine Religionslehrerin, von den Nöten einer damals 14-jährigen Schülerin berichtete. An der habe sich Peter R., ein damals enger Freund der Familie der Schülerin, während eines Pfingstwochenendes 2006 in Berlin vergreifen wollen.

Das Mädchen muss seitdem Angst gehabt haben vor diesem „Freund“ der Familie, der sie immer wieder in Hildesheim besuchte. Vier Jahre nach dem Vorfall vertraute sich die damals 14-Jährige ihrer Religionslehrerin an, die am 4.  März 2010 beim Bistum Hildesheim vorsprach – beim jetzigen Weihbischof Heinz-Günter Bongartz.

Vorwurf trifft Bongartz hart

Der hatte im Bistum damals nicht nur einen Missbrauchsfall zu bearbeiten. Auch in Celle wurden entsprechende Vorwürfe gegen einen hohen Geistlichen vorgetragen. Die hatte das Bistum jahrelang bestritten, bis es Ende März die Gerüchte bestätigte. Da kam heraus, dass der Celler Dechant S. nicht „aus gesundheitlichen“ Gründen sein Pfarramt niederlegen musste, sondern wegen Kindesmissbrauchs abberufen wurde.

Im Falle der 14-Jährigen beließ es Bongartz indes bei einem therapeutischen Hilfsangebot, zumal das Mädchen nach seinen Angaben nur über „Umarmungen, die sie nicht sympathisch fand“, berichtet habe. Dass es tatsächlich zu einem sexuellen Übergriffsversuch gekommen sei, habe man definitiv erst am 25. November 2010 erfahren. Die Berliner Staatsanwaltschaft wurde daraufhin am 21. Dezember 2010 eingeschaltet. Sie stellte „wegen mangelndem öffentlichen Interesse“ das Verfahren im Frühjahr 2011 gegen Zahlung einer Geldbuße ein – nicht wissend, dass Peter R. der berüchtigte Pater aus dem Canisius-Kolleg war. Dem Bistum wurde von der Berliner Opfer­initiative „Eckiger Tisch“ daraufhin vorgeworfen, sich nach dem alten Schema verhalten zu haben. „Es wurde ein Protokoll aufgenommen, das Mädchen entlassen, Stillschweigen vereinbart.“

Dieser Vorwurf trifft Bongartz hart, der sich nach eigenem Bekunden wirklich bemüht, den Missbrauchsopfern gerecht zu werden – was ihm auch der sonst kritische Diakon Otto bestätigt. Der Weihbischof, der seit Monaten auch noch die Arbeit des erkrankten Generalvikars übernommen hat, steht im Bistum unter erheblichem Druck. Auch weil er nach einem Bericht des „Spiegel“ bestätigte, dass Missbrauchsvorwürfe auch gegen den früheren Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen erhoben werden. „Was soll ich bloß tun?“, seufzte der Geistliche. „Die einen beschimpfen mich als Denunzianten, die anderen als Vertuscher.“     

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Bischof Trelle wehrt sich
Foto: Bischof Norbert Trelle im Gespräch mit Michael B. Berger.

Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle weist Vorwürfe zurück, das Bistum habe einen Missbrauchsfall aus dem Jahr 2008 vertuscht. „Der Vorwurf, das Vertuschungssystem in der katholischen Kirche funktioniere, ist eine Beleidigung, die ich so nicht stehenlasse“, sagte Trelle am Dienstag auf einer Pressekonferenz.

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