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Wohin mit den Kali-Salzen?

Ärger über K+S Wohin mit den Kali-Salzen?

Die Pläne der hessischen Firma K+S, Salzlauge in die Weser einleiten zu wollen, haben zu einer heftigen Verstimmung zwischen den Ländern Niedersachsen und Hessen geführt.

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Niedersachsen fürchtet um die Wasserqualität der Weser, sollte sich der Plan vom Bau einer Pipeline für Salzabwässer in Hessen durchsetzen.

Quelle: Uwe Zucchi

Hannover. In seltener Einstimmigkeit bezeichnete der niedersächsische Landtag vergangene Woche dieses Vorhaben und das dazugehörige Raumordnungsverfahren hessischer Behörden als „Affront“. Doch das Unternehmen will trotz Kritik an den Plänen festhalten.

Um das Problem zu verstehen, muss man weit flussaufwärts gehen, bis ins hessische Philippsthal an der Werra. Hier fördert K+S Kalisalze aus dem Boden. Dabei entstehen große Mengen von salzigen Abwässern, die entsorgt werden müssen: jährlich rund sieben Millionen Tonnen. Ein großer Teil davon wird seit Jahrzehnten in die Werra geleitet, was die Wasserqualität des Flusses nachhaltig verschlechtert hat. Die Werra gilt als dreckigster Fluss Mitteleuropas. Umweltschützer beobachten, dass viele Tierarten verschwunden sind, dafür Krebsarten im Fluss leben, die eigentlich in Brackwassern gut gedeihen - also im Mündungswasser von Flüssen, wo Salz- und Süßwasser sich mischen. Die EU pocht seit Jahren auf Einhaltung der Wasserrichtlinien und hat 2012 bereits ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Bemängelt wurde unter anderem das Fehlen eines Konzepts, wie bis 2027 die Wasserqualität von Werra und Weser verbessert werden kann.

Man werde die Menge der Abwässer reduzieren und einen Teil davon mit Bindemitteln versetzen und unter Tage einlagern, sagt ein Sprecher von K+S. Aber das reiche nicht: „Wir brauchen Alternativen.“ Und die sieht das Unternehmen in einer Pipeline, die bis zu 5,5 Millionen Tonnen Salzlauge pro Jahr quer durch Hessen bis an die Weser bei Bad Karlshafen transportieren könnte - direkt an die niedersächsische Landesgrenze. Dadurch würde die Werra entlastet und die Weser nicht stärker belastet, denn sie nehme über die Werra die gleiche Salzmenge bereits jetzt auf, so der Sprecher.

Das sieht der SPD-Abgeordnete Ronald Schminke aus Hann. Münden anders. „Das ist gigantische Schweinerei. K+S benutzt Werra und Weser als billige Abwasserkanäle“, schimpft er. Sieben Millionen Kubikmeter Abwasser würden 2,5 Millionen Tonnen Salz bedeuten. Das wären täglich 6800 Tonnen Salz oder 171 voll beladene 40-Tonner-Lkw, die in die Flüsse gekippt würden. K+S habe sich immer „allen technischen Lösungen verweigert, weil es für sie billiger ist, die Plempe in die Gewässer zu kippen“, so Schminke. „Das ist für sie ein Wettbewerbsvorteil, da wollen sie nicht von lassen.“

Dabei gebe es umweltfreundlichere Maßnahmen, sind sich die Fraktionen im niedersächsischen Landtag einig und verweisen auf die Firma K-UTEC. Diese hat ein Verfahren entwickelt, um Salzlaugen durch Verdampfen die Flüssigkeit zu entziehen. Die verbleibende Trockenmasse lässt sich in den erschöpften Stollen des Kali-Bergwerks entsorgen. Das Umweltbundesamt hat die Methode als technisch machbar bezeichnet, allerdings die Wirtschaftlichkeit nicht bewertet.

K+S wolle alle Methoden zur „Verbringung unter die Erde“ bis 2018 testen, sagte der Unternehmenssprecher. Man müsse aber die Pipeline parallel planen, um eine Alternative zu haben, wenn sich die Verdampfungsmethode als nicht tragfähig erweise. „Wenn die Prüfung negativ ausgeht, und wir stellen fest, dass wir auf jeden Fall eine Pipeline brauchen, sind zwei Jahre ins Land gegangen“, so der Sprecher von K+S.

Das halten alle Fraktionen in Niedersachsen für den falschen Weg und verweisen auf Beschlüsse der Weser-Anrainerländer. Diese haben sich darauf geeinigt, die Salzwerte am Messpunkt Boffzen (Kreis Holzminden) bis zum Jahr 2027 auf 300 Milligramm pro Liter zu reduzieren. Das ginge nur über eine deutliche Reduzierung der Abwässer und nicht über eine andere Verteilung. Denkbar sei dabei allenfalls eine Mini-Pipeline, die bis zu 800 000 Tonnen Salzabwasser pro Jahr Richtung Oberweser transportiere.

Mit seinem Protest hat Niedersachsen einen ersten Erfolg erzielt: Das hessische Raumordnungsverfahren für die Pipeline wurde fürs Erste ausgesetzt. Welche weiteren Alternativen die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) favorisiert, wollte ihr Sprecher nicht sagen. Das müsse jetzt zwischen den Weser-Anrainerländern abgestimmt werden.

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