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Der Norden Wolfsburger berichtet über seine Zeit beim IS
Nachrichten Der Norden Wolfsburger berichtet über seine Zeit beim IS
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12:30 24.07.2015
Von Karl Doeleke
"Gefängnis in Deutschland ist mir viel lieber als Freiheit in Syrien": Der Wolfsburger Ebrahim B. hat in der Untersuchungshaft ein Interview gegeben. Quelle: Symbolbild
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Hannover

Ebrahim B. fühlt sich von der Terroristentruppe IS „verarscht“. So hat es der 26 Jahre alte Mann aus Wolfsburg Journalisten des NDR und der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt.

„Vier Frauen“ und ein teures Auto habe ihm der Anwerber des IS versprochen, dem er Anfang Juni 2014 aus Wolfsburg in den bewaffneten Kampf nach Syrien und in den Irak gefolgt ist.

Stattdessen erlebte B. dort eine Hölle der Gewalt. Zum Beispiel, so schildert es der Massagetherapeut im Interview in der Untersuchungshaft, sei er mit der Leiche eines Verräters eingesperrt worden. Dem Mann sei der Kopf abgeschlagen worden, der lag mit in der Zelle. Ebrahim B. sollte das offenbar Warnung sein: Der IS betreibe inzwischen eine Art Verfassungsschutz, in dem auffällig viele Deutsche tätig seien. Wegen seines SPD-Parteibuchs sei er in den Ruch geraten, selbst ein Verräter zu sein. „Wenn du dahin gehst, bist du entweder tot oder tot.“ B. konnte im August 2014 in die Türkei entkommen, wurde in Wolfsburg verhaftet. Er sei fertig mit dem IS.

Ab dem 3. August muss sich Ebrahim B. vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Celle verantworten. Der Generalbundesanwalt hat ihn wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Er soll unter anderem ein Selbstmordattentat im irakischen Bagdad geplant haben. „Gefängnis in Deutschland ist mir viel lieber als Freiheit in Syrien“, sagt B., der jetzt als erster von etwa 260 bekannten Syrienheimkehrern offen über seine Zeit im Dschihad berichtet hat.

Dass sich sein Mitangeklagter, Ayoub  B. aus Wolfsburg ebenfalls vom IS getäuscht fühlt, kann man nur ahnen. Die Freunde Ayoub und Ebrahim waren in einer Wolfsburger Moschee demselben Anwerber auf den Leim gegangen, reisten gemeinsam über die Türkei nach Syrien. Der 27-jährige Ayoub hat sich bisher nur dem Landeskriminalamt gegenüber geäußert. Doch sein Strafverteidiger Dirk Schönian sagte der HAZ: „Auch Ayoub B. fühlt sich als Opfer des IS.“ Umfangreich werde sein Mandant erst vor Gericht aussagen. „Er hat in Syrien die erste Gelegenheit genutzt, abzuhauen.“ Darum bezeichne er sich auch nicht als Aussteiger. „Ich bin gar nicht eingestiegen“, sagte Ayoub B. immer, berichtet Schönian.

Ebrahim B. begründet seine Bereitschaft zu dem Interview damit, dass er das Bedürfnis habe, vieles zu erklären. „Für Leute, die vielleicht gerade vor einer Situation sind, wo ich damals stand.“ Denen, die sich aufmachen wollen, sagt er: „Frag dich: Warum geht dein Vater da nicht hin? ... Denkst du vielleicht, du bist mehr Moslem als dein Vater?“ Er hat auch eine Erklärung dafür, warum andere Rückkehrer bisher nicht ausgepackt haben: „Wer gibt gern zu, dass er verarscht worden ist?“

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