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Wollte das Bistum einen Missbrauch vertuschen?

Hildesheim Wollte das Bistum einen Missbrauch vertuschen?

Die Diskussionen um mögliche Verfehlungen des ehemaligen Bischofs Heinrich Maria Janssen sind noch nicht beendet, da droht dem Bistum Hildesheim neues Ungemach. Der des Missbrauchs beschuldigte ehemalige Jesuiten-Pater Peter R., der bis 2003 für das Bistum gearbeitet hat, soll ein Mädchen aus Hildesheim missbraucht haben – in seiner Berliner Wohnung.

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Der Hildesheimer Dom.

Quelle: Emily Wabitsch/dpa (Symbolbild)

Hildesheim. Die Eltern hatten ihre Tochter Pfingsten 2006 nach Berlin geschickt, um dort den ehemaligen Jesuiten-Pater zu besuchen. Dort soll sich der inzwischen 74-Jährige an dem Mädchen vergangen haben.

Es handelt sich um eine heute 20 Jahre alte Frau, die nach wie vor in Hildesheim lebt. Die ARD hat für ihre am Montagabend ausgestrahlte Reportage „Richter Gottes – Die geheimen Gerichte der Kirche“ mit der jungen Frau gesprochen. In dem vom WDR produzierten Beitrag erhebt sie erhebliche Vorwürfe gegen R. und auch gegen die Verantwortlichen des Bistums, denen sie sich anvertraute.

Die 20-Jährige hatte sich 2010 nach einem Zusammenbruch in der Schule an eine Religionslehrerin gewandt. Diese ging mit ihr zum Generalvikariat. Dort soll sie den Missbrauch am 4. März 2010 detailliert geschildert haben. Die Familie der jungen Frau, Polizei oder andere Strafverfolgungsbehörden sollen außen vor gelassen worden sein.

Die überregionale Opferinitiative Eckiger Tisch fordert Konsequenzen im Bistum Hildesheim. „Die Strafverfolgung des Serien-Missbrauchstäters Peter R. wurde behindert und schließlich vereitelt“, sagt Matthias Katsch, Sprecher des Eckigen Tischs. „Bischof Trelle muss die Verantwortung für dieses Vorgehen übernehmen und zurücktreten.“ Obwohl der Bischof und seine Mitarbeiter gewusst hätten, dass Peter R. für seine dutzendfachen Übergriffe in den Siebziger- und Achtzigerjahren am Berliner Canisius-Kolleg nicht mehr belangt werden konnte und seitdem wiederholt sexuelle Übergriffe an Kindern und jungen Frauen begangen habe, hätten sie niemanden informiert.

Erst als die Erziehungsberechtigten des Mädchens im Herbst 2010 nach einem gesundheitlichen Zusammenbruch des Opfers von den Taten erfuhren und bei der Kirche auf eine Anzeige drangen, sei mit fast zehnmonatiger Verspätung am 21. Dezember 2010 die Staatsanwaltschaft informiert worden. „Dabei wurden die ermittelnden Behörden von der Kirche offenbar darüber im Unklaren gelassen, um wen es sich bei Peter R. handelt“, sagt Katsch. Die Berliner Staatsanwaltschaft stellte den Fall im Frühjahr 2011 gegen Zahlung einer Geldauflage ein. Ein Kirchengericht verurteilte R. in einem Geheimverfahren „wegen sexueller Handlungen an einer Minderjährigen“, nicht mehr als Priester aufzutreten und 4000 Euro Strafe an einen Missbrauchsopferfonds zu zahlen.

Die Betroffeneninitiative fordert, die Berliner Staatsanwaltschaft solle Ermittlungen wegen Strafvereitlung durch Unterlassen einleiten. Bei der Berliner Behörde will man sich noch nicht zu möglichen Schritten äußern. „Aber wir werden natürlich auswerten, ob der Beitrag neue Gesichtspunkte beinhaltet“, sagt Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Die nun genannten neuen Details seien jedenfalls schwere Straftaten. Er schließe auch Ermittlungen gegen hohe katholischen Würdenträger wie Bischof Trelle nicht aus.

Das Bistum wollte sich am Montag noch nicht zu den Vorwürfen äußern. „Wir müssen den Fernsehbeitrag selbst erst einmal ansehen“, sagt Bistumssprecherin Petra Meschede. Anschließend werde das Bistum voraussichtlich Stellung beziehen.

Von Christian Harborth

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