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Zahl der Schwerbehinderten steigt

Mehr Ausweise Zahl der Schwerbehinderten steigt

In Niedersachsen gibt es immer mehr Schwerbehinderte. Mehr als 709 000 Menschen hatten im vergangenen Jahr einen entsprechenden Ausweis. Das geht aus bisher unveröffentlichten vorläufigen Zahlen des Landesamtes für Statistik hervor, die das Landessozialamt in Hildesheim der HAZ bestätigte.

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Immer mehr Schwerbehinderte leben in Deutschland.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand

Hannover. Zählt man die Schwerbehinderten ohne gültigen Ausweis hinzu, lag die Zahl sogar bei 784 600 Männern und Frauen mit einem Behinderungsgrad von mindestens 50 Prozent. Auswirkungen hat der Anstieg unter anderem für Kommunen. „Die Aufwendungen steigen“, sagt Thorsten Bullerdiek, Sprecher des niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. Das Sozialministerium will in Kürze einen Aktionsplan zu verbesserten Lebensbedingungen für Behinderte vorlegen.

Immer mehr Schwerbehinderte

Die Gruppe der Schwerbehinderten wächst seit Jahren. Bei der letzten Auswertung vor zwei Jahren gab es 664 800 Ausweisträger, zwei Jahre zuvor 658 100 - knapp die Hälfte davon mit Mehrfachbehinderungen. Der Trend ist bundesweit zu beobachten, Niedersachsen liegt beim Anteil der Schwerbehinderten an der Bevölkerung mit rund 9 Prozent im Mittelfeld. Männer bilden in dieser Gruppe stets die Mehrheit. „Da der Anteil der Kriegsbeschädigten nur noch 0,22 Prozent beträgt, dürfte es daran nicht liegen“, sagt Bernd Stöber vom Landesamt für Soziales. Angeboren oder durch Unfälle verursacht ist ebenfalls nur ein kleiner Teil der Behinderungen, zuletzt 3,5 beziehungsweise 1,9 Prozent.

Mehr psychische Krankheiten

Eine wachsende Rolle spielen die Folgen chronischer Erkrankungen, insbesondere psychischer Art, wie Detlev Jähnert meint. „Das hat mit den Belastungen in der Arbeitswelt zu tun“, sagte der stellvertretende Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen. „Die hektische Welt, das fordernde Arbeitsleben ohne Verlässlichkeit führen häufiger zu Depressionen.“ Zwar sei auch ein hoher Anteil der Behinderungen altersbedingt. Altersbedingte Einschränkungen würden aber nur dann als schwere Behinderung anerkannt, wenn sie vom üblichen Zustand abweichen.

Menschen kümmern sich mehr um ihre Rechte

Zu Behinderungen von 50 Prozent und mehr, die zum Schwerbehindertenausweis berechtigen, können Erkrankungen wie Krebs und Diabetes führen. „Der Anstieg ist auch eine Folge der Zivilisationskrankheiten, die immer häufiger auftreten“, sagt Elke Gravert vom Sozialverband Deutschland. Die Gesundheitswissenschaftlerin leitet in Hannover seit 15 Jahren die unabhängige Patientenberatung. „Die Leute haben sich zunehmend besser um ihre Rechte gekümmert“, sagt sie. Eine anerkannte Schwerbehinderung verbessere den Kündigungsschutz, führe zu fünf zusätzlichen Urlaubstagen pro Jahr und zu Steuerersparnissen auch für Rentner.

Mehr Mobilität für Schwerbehinderte

Rabatte gibt es unter anderem im öffentlichen Nah- und Fernverkehr; auch Museen, Schwimmbäder und Theater bieten Ermäßigungen oder freien Eintritt. Die Kommunen verzeichnen wachsende Kosten daher nicht nur im Sozialbereich, sondern auch als Träger öffentlicher Einrichtungen, wie Thorsten Bullerdiek sagt. Überall seien Inklusion und Barrierefreiheit gefordert, Hochbahnsteige beispielsweise müssten gebaut werden. Diese kämen aber auch Älteren und Eltern mit Kinderwagen zugute. Insgesamt sei es sehr erfreulich, dass Schwerbehinderte mobiler geworden sind und am öffentlichen Leben teilnehmen, meint Bullerdiek: „Das begrüßen wir sehr.“

Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) will Mitte August einen Aktionsplan vorstellen, wie das Land die UN-Konvention für Menschen mit Behinderung umzusetzen gedenkt. Detlev Jähnert sagte, Niedersachsen tue dies als letztes Bundesland. Das liege aber daran, dass die Betroffenen jahrelang in Arbeitsgruppen selbst mitwirken durften: „Man hat sich hier nicht auf Vorschläge von Referenten beschränkt.“

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